
Es hört sich nach einem echten Durchbruch an. Moderna, einer der Stars der Pharmaindustrie inmitten der Corona-Pandemie, hat zusammen mit seinem Partner Merck & Co. einen Forschungserfolg für einen therapeutischen Impfstoff gegen Hautkrebs gemeldet, eine besonders heimtückische Form von Krebs. Das Präparat basiert auf der mRNA-Technologie, also dem gleichen Ansatz, mit dem Moderna und auch sein deutscher Rivale Biontech vor einigen Jahren ihre Corona-Impfstoffe entwickelt haben. Die positiven Studienergebnisse nähren die Hoffnung, dass mRNA-Technologien nach Corona auch entscheidende Fortschritte in der Behandlung von Krebspatienten bringen können. Sie sind auch ein lange ersehnter Moment für Moderna und könnten nach dem Abflauen des Geschäfts mit Corona-Impfstoffen ein Comeback für das Unternehmen einläuten. Umso mehr, weil es gut möglich erscheint, dass sich das Mittel auch als wirksame Waffe gegen andere Krebsarten erweist.
Die Erfolgsmeldung von Moderna und Merck ist auch ein Schlag ins Gesicht der amerikanischen Regierung. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy junior ist generell ein Impfskeptiker, und gerade auf die mRNA-Technologie ist er nicht gut zu sprechen. Unter ihm hat die Regierung eine ganze Reihe von Förderprogrammen für mRNA-Projekte gestrichen, und Präsident Donald Trump hat das zugelassen, obwohl er Corona-Impfstoffe oft als einen der größten Erfolge seiner ersten Amtszeit beschrieben hat. Zwar scheint die Regierung offener für den Einsatz von mRNA-Verfahren in der Krebsforschung und hat auch ein entsprechendes Förderprojekt gestartet. Dies blieb aber weitgehend unbemerkt, und in der öffentlichen Wahrnehmung dominiert weiterhin die Botschaft, dass die US-Regierung mRNA-Technologien misstraut.
Moderna-Vorstandschef Stéphane Bancel hat der F.A.Z. im vergangenen Jahr mit Blick auf den Kurs der US-Regierung gesagt: „Wenn Zweifel an der Wissenschaft gesät werden, hat das Auswirkungen auf das Leben von Menschen.“ Sein Unternehmen hat nun mit den Forschungsergebnissen den bislang vielleicht überzeugendsten Hinweis darauf geliefert, dass mRNA-Therapien Leben retten könnten. Es wäre zu wünschen, dass dieses Argument auch die US-Regierung erreicht.
