Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) gibt den Rechtsstreit um seine Dissertation auf und akzeptiert damit den Entzug seines Doktortitels. Er habe eine Klage gegen die Entscheidung der TU Chemnitz zurückgenommen, sagte Voigt bei einer Pressekonferenz im Erfurter Landtag. Als Regierungschef wolle er seine ganze Kraft, Energie und Aufmerksamkeit den Bürgerinnen und Bürgern widmen.
Voigt hing die Debatte um seine Doktorarbeit schon seit dem Landtagswahlkampf 2024 an. Damals kamen erste Plagiatsvorwürfe auf. Voigt hatte 2008 an der TU Chemnitz im Fach Politikwissenschaften bei dem Politologen Eckhard Jesse promoviert. Die Dissertation trägt den Titel: »Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf: George W. Bush gegen John F. Kerry«. Nach früheren Angaben seines Anwalts wurde Voigt vorgeworfen, in der Arbeit zitierte Quellen nicht im Original ausgewertet, sondern aus Sekundärliteratur übernommen zu haben. Die TU entzog Voigt im Januar die Doktorwürde.
Diese Entscheidung hatte Voigt damals als »nicht nachvollziehbar« bezeichnet. Zudem hatte er zunächst angekündigt, als Privatperson eine Klage vor dem zuständigen Verwaltungsgericht einzureichen. Der »wissenschaftliche Kern« seiner Doktorarbeit sei unstrittig, hieß es damals.
Voigt sieht politische Mitte unter massivem Druck
Nun sagte Voigt, der Verzicht auf weitere Klagen falle ihm nicht leicht, weil er viel Arbeit in die Dissertation gesteckt habe. Ein Rechtsstreit erfordere aber Zeit, Energie und Aufmerksamkeit. Diese wolle er ohne Abstriche Thüringen geben. Voigt verwies dabei unter anderem auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass die politische Mitte unter massivem Druck stehe. »Die neuen Mehrheitsverhältnisse im Thüringer Landtag fordern uns noch stärker«, fügte Voigt hinzu. »Und die Härte der politischen Auseinandersetzung verlangt vollen Einsatz – und verlangt auch einiges von meiner Familie ab.«
Seine Ankündigung, den Rechtsstreit um seine Doktorarbeit zu beenden, gab Voigt kurz vor einer Sondersitzung des Erfurter Landtags ab, bei der auf Antrag der AfD-Fraktion über eine Auflösung des Parlaments abgestimmt wurde. Dafür wäre eine Zweidrittelmehrheit nötig gewesen – 34 Abgeordnete stimmten für eine Auflösung, 52 dagegen. Die AfD verfügt als größte Fraktion über 32 von 88 Sitzen. Mit ihr stimmten zwei fraktionslose BSW-Abgeordnete. Voigt warf der AfD vor, Unfrieden und Chaos stiften zu wollen.
Vorangegangene Misstrauensvoten waren gescheitert
Besonders die oppositionelle AfD mit ihrem Landespartei- und Fraktionschef Björn Höcke hatte immer wieder die Plagiatsaffäre um Voigt thematisiert und den Ministerpräsidenten politisch unter Druck gesetzt. Die AfD-Fraktion strengte bereits zwei konstruktive Misstrauensvoten an, die Voigt stürzen sollten, aber scheiterten.
Die Aberkennung des Doktortitels von Voigt könnte auch Folgen für seine Professur an der Quadriga Hochschule Berlin haben. Eine Promotion gilt typischerweise als Nachweis der für eine Professur erforderlichen wissenschaftlichen Befähigung. Auf der Website der Hochschule wird Voigt bereits nicht mehr als Mitglied des Professoriums aufgeführt.
