
Für Luigi Pantisano war es kein geglückter Start: Der neue Ko-Bundesvorsitzende der Linkspartei verhedderte sich in der klassenkämpferischen Rhetorik seiner Partei so gründlich, dass die Delegierten auf dem Potsdamer Bundesparteitag plötzlich gar nicht mehr wussten, was sie von ihm halten sollten. Noch vor dem Parteitag hatte er erklärt, über Koalitionen in den Ländern sollten die jeweiligen Landesverbände entscheiden. Für die Linke ist dies die entscheidende Zukunftsfrage: ob sie mit der CDU koalieren würde, um eine AfD-Regierung zu verhindern.
Während des Parteitags erschien plötzlich ein Interview, in dem er dies indirekt verneinte, da die CDU eine „faschistische“ Politik betreibe. Was denn nun, wollte eine junge Delegierte wissen – und Pantisano erklärte die Äußerungen für verkürzt wiedergegeben, die CDU-Politik aber immer noch für „teilweise“ faschistisch. Ein mageres Wahlergebnis von 53 Prozent war die Folge.
Dabei ist der heute 46 Jahre alte Pantisano schon seit ihren bundesdeutschen Anfängen als PDS in der Partei, er teilt ihre Ziele und Weltanschauung seit langem. Seine eigene Geschichte als Sohn italienischer Einwanderer in Waiblingen führte ihn erst in die Stuttgarter Kommunalpolitik, dann in den baden-württembergischen Landesverband der Linkspartei, wo er stellvertretender Landessprecher und Mitglied des Parteivorstands war. „Ich bin in einem Haushalt ohne Bücher aufgewachsen, meine Mutter war nur bis zur zweiten Klasse in der Schule, mein Vater bis zur fünften, sie haben immer gearbeitet. Meinen Vater sah ich nur sonntags, meine Mutter spätabends“, schilderte er der F.A.Z.
Wunschnachfolger von Schwerdtner und van Aken
Früh engagierte Pantisano sich für Flüchtlinge, Einbürgerung und gegen Rassismus, machte daneben eine Ausbildung zum Bauzeichner und studierte mit Stipendien unter anderem der Rosa-Luxemburg-Stiftung Architektur. Als zweiten Schwerpunkt seiner Arbeit nennt er die ökologische Transformation, sie liege ihm schon wegen seiner beiden Kinder am Herzen, aber natürlich auch aus Gründen der internationalen Solidarität.
Pantisano gilt als „Kümmerer“, was die Linkspartei strategisch insgesamt wieder stärker in den Vordergrund stellen will, und als umgänglich; auch diese Eigenschaft ist nach Jahren des Streits und der Spaltung in der Partei hoch geschätzt. Beides führte mutmaßlich dazu, dass er von der bisherigen und nun bestätigten Ko-Vorsitzenden Ines Schwerdtner und dem scheidenden Jan van Aken als dessen Nachfolger vorgeschlagen worden war. Doch das war wohl zuviel der Einigkeit. Vor der Wahl gab es Unmut, dass die Basis daran praktisch nicht beteiligt worden war.
Nun muss Pantisano anwenden, was er von seinen Eltern gelernt hat, wie er es in seiner Vorstellungsrede sagte: zu kämpfen. Für klarere Positionen, denn die vielen neuen jungen Leute in der Partei geben sich nicht mit Formelkompromissen zufrieden, und für seine Partei insgesamt, die sich als Speerspitze im Kampf gegen die AfD sieht und positionieren will.
