
Die niederländische Nationalmannschaft hat den schwachen Start in die Fußball-WM vergessen gemacht und wieder beste Aussichten auf die K.-o.-Runde. Die Oranje-Auswahl von Bondscoach Ronald Koeman gewann in Houston 5:1 (2:0) gegen das zum Auftakt starke Schweden und zog in der Gruppe F an den Skandinaviern vorbei auf Platz eins.
Der in die Startelf gerückte frühere Leipziger Brian Brobbey traf vor den Augen der Königsfamilie in der 5. und 17. Minute für die Niederländer. Kurz nach dem Seitenwechsel erhöhte zweimal Cody Gakpo (47. und 54.). Schweden hatte der hohen Geschwindigkeit der in ihrem klassischen 4-3-3-System spielenden Niederländer nur wenig entgegenzusetzen – Anthony Elanga (59.) traf zum 1:4. Für den Endstand zum 5:1 sorgte der eingewechselte Crysencio Summerville (89.).
Die niederländischen Fans waren abermals zu Tausenden gemeinsam zum Stadion gezogen, die Polizei schätzte ihre Zahl auf rund 30.000. In der riesigen Arena der texanischen Stadt waren die Niederländer deutlich in der Überzahl – und sangen lautstark. Mit einer wieder einmal stark besetzten Auswahl träumt Oranje vom ersten WM-Titel, vor dreieinhalb Jahren in Qatar war im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Argentinien Schluss.
Koemans goldrichtiger Startelf-Wechsel
Sechs Tage nach dem schwachen Auftaktspiel gegen Japan (2:2) begann die Koeman-Elf sehr engagiert und übernahm zunächst die Spielkontrolle. Und der für seine Wechselstrategie kritisierte Bondscoach hatte dieses Mal ein glücklicheres Händchen: Brobbey war etwas überraschend für den gegen Japan starken Summerville in die Startelf gerückt – und bedankte sich vor 68.777 Zuschauerinnen und Zuschauern mit den frühen Toren.
„In den Niederlanden haben wir immer viel Druck“, hatte Koeman vor dem Spiel gesagt. Gegen Schweden hatte der einstige Weltklasse-Verteidiger vor 43 Jahren sein Länderspieldebüt gegeben – und 0:3 verloren. „Mein erstes Länderspiel habe ich nie vergessen“, sagte er. Umso mehr müsse sein Team jetzt bei dieser WM „eine gute Leistung“ gegen die Schweden zeigen.
Die schwedische Auswahl des englischen Trainers Graham Potter wirkte nach dem frühen Rückstand überrumpelt. Erst nach gut einer halben Stunde näherte sich Tre Kronor dem niederländischen Tor zunehmend gefährlich an. Die Hoffnungen lagen abermals auf dem Sturm mit Viktor Gyökeres und Alexander Isak, die beim 5:1 gegen Tunesien jeweils einmal getroffen hatten. Gyökeres prüfte Bart Verbruggen in der 37. Minute aus aussichtsreicher Position.
Der frühere Dortmunder Donyell Malen hätte kurz vor dem Halbzeitpfiff beinahe das dritte Oranje-Tor erzielt – seine scharfe Hereingabe von der rechten Seite in den Strafraum ging aber knapp am Pfosten vorbei (40.). Auf der Gegenseite zählte ein vermeintliches Kopfballtor von Gustaf Lagerbielke nicht, weil der Abwehrspieler bei dem vorausgegangenen Freistoß im Abseits war (45.). Bei einem Freistoßversuch wenig später von Gyökeres war Verbruggen wieder zur Stelle (45.+3).
Liverpools Gakpo sorgte dann kurz nach dem Wiederanpfiff mit seinem Tor für die Niederländer für klare Verhältnisse. Der in der Halbzeit für Malen eingewechselte Summerville hatte den Angriff eingeleitet: noch ein geglückter Wechsel von Koeman. Nach Gakpos zweitem Treffer nur wenig später schien die Partie entschieden, daran änderte auch das schwedische Tor von Elanga nichts. Im Gegenteil: Summerville stellte in der Schlussphase den alten Abstand wieder her.
