
Mit neuen Flugzeugen, digitalisierten Abläufen und zusätzlichem Platz am Frankfurter Flughafen will Lufthansa Airlines stabiler durch den Sommer kommen als in den Jahren nach der Pandemie. Die Airline sieht sich kurz vor Beginn der großen Ferien gut vorbereitet. „Wir verzeichnen operativ den besten Start in den Sommer mit Lufthansa Airlines seit zehn Jahren“, sagte Francesco Sciortino, Hub Manager der Lufthansa Airlines in Frankfurt am Mittwoch am Flughafen. Auf der Kurzstrecke liege die Pünktlichkeit rund vier Prozentpunkte höher als im Vorjahreszeitraum, auf der Langstrecke sogar um acht Punkte. Für das erste Ferienwochenende rechnet Lufthansa allein in Frankfurt mit 160.000 Fluggästen an Bord ihrer Maschinen.
Der Konzern setzt dabei auf verbesserte Prozesse: So habe sich die Zuverlässigkeit bei der Gepäckabfertigung spürbar verbessert, sagte Sciortino. Ganz frei von Problemen ist der Betrieb allerdings nicht. Das neue europäische Ein- und Ausreisesystem EES bereite am Standort Frankfurt Schwierigkeiten. Täglich müssten rund 26.000 Passagiere durch diese Kontrollen. Gemeinsam mit Bundespolizei und Fraport habe Lufthansa zusätzliche mobile Schalter eingerichtet, um Wartezeiten zu reduzieren. Auch Fraport-Chef Stefan Schulte hatte jüngst auf massive Verzögerungen infolge des Systems hingewiesen und Nachbesserungen auf EU-Ebene gefordert.
Ein zentraler Baustein für mehr Stabilität ist die Flottenerneuerung. Lufthansa-Airlines-Chef Jens Ritter verwies darauf, dass man derzeit etwa alle zwei Wochen ein neues Langstreckenflugzeug erhalte. Neue Maschinen seien wartungsärmer, zuverlässiger, effizienter und böten den Fluggästen ein besseres Erlebnis. Besonders sichtbar werde das in Frankfurt an der Boeing 787: Inzwischen betreibe man 16 Maschinen dieses Typs am Main. Bis Jahresende soll die 787 mit mehr als 20 Flugzeugen die größte Teilflotte am Frankfurter Hub bilden. Die 787 passe „perfekt zu Frankfurt“, sagte Sciortino. Der Standort habe im Konzern die Rolle des „Super-Connectors“. Zugleich verbrauche die Maschine rund 20 Prozent weniger Treibstoff und verkürze die Flugzeit deutlich.
Parallel investiert Lufthansa in das Erlebnis an Bord. Ritter verwies auf neue Sitze und Stromversorgung auf der Kurzstrecke sowie die Umrüstung der Langstreckenflotte.
Auch Wartung wird modernisiert
Besonders deutlich wird der technologische Wandel jedoch in der Wartung. In der Jumbo-Halle der Lufthansa-Technik in Frankfurt zeigte die Airline, wie Künstliche Intelligenz, Drohnen und 3D-Druck den Betrieb robuster machen sollen. Thomas Spriesterbach, Leiter des technischen Betriebs bei Lufthansa Airlines, verantwortet mit rund 3500 Mitarbeitern den Zustand von etwa 350 Flugzeugen. Die Mitarbeiter überwachten etwa 1200 Flüge am Tag, so Spriesterbach. Budget: 1,8 Milliarden Euro. Die Wartung sei hoch reguliert, Innovationen müssten mit Herstellern und Behörden abgestimmt werden. Aber sie mache Prozesse schneller.
Ein Beispiel ist die Inspektionsdrohne, die Flugzeuge nach Blitzschlägen oder zur jährlichen Lackzustandskontrolle außen abfliegt. Bisher mussten Mechaniker mit Leitern oder Dockanlagen die Außenhaut der Jets absuchen. Eine manuelle Inspektion konnte rund acht Stunden dauern. Die Drohne ist nach zehn bis 20 Minuten einsatzbereit, benötigt bei einer Boeing 787-9 etwa 50 Minuten und erstellt rund 1700 hochauflösende Fotos. Daraus wird ein 3D-Modell erzeugt, an dem Mechaniker Schäden kontrollieren können. Das Ziel sei dabei nicht, Mechaniker zu ersetzen, sondern sie von Sucharbeit zu entlasten: Sie sollen sich mit Befunden und Reparaturen beschäftigen, nicht stundenlang nach Schäden suchen, sagt Spriesterbach. Durch die schnellere Inspektion lasse sich auch die Stehzeit der Jets merklich verkürzen.
An anderer Stelle übernimmt KI Routinen. Computer-Vision-Systeme prüfen über Kameras im laufenden Betrieb den Zustand von Flugzeugreifen, die bei Landungen stark belastet werden. Lufthansa hat das System dafür monatelang mit rund 10.000 Fotos trainiert. Erkannt werden sollen Beschädigungen schon ab einem Millimeter. Im Zweifel fährt weiterhin ein Mitarbeiter zum Flugzeug.
Ein weiteres Feld ist die Wartungsplanung. Jede Nacht entstehe ein neuer Plan, der Material, Lagerbestände, Personal, Werkzeuge, Dockkapazitäten und Flugzeugverfügbarkeit berücksichtige. Angesichts von 25.000 Spezialwerkzeugen, Hunderttausenden möglicher Fehlermeldungen moderner Airbus-Flugzeuge und komplexer Lieferketten könne KI bei dieser Aufgabe helfen. Ein intern entwickelter „TechOps-Co-Pilot“ verknüpft Wissensdatenbanken mit Erfahrungswerten und kann Mechanikern wahrscheinliche Ursachen von Fehlermeldungen vorschlagen.
Gleichzeitig reagiert Lufthansa auf die andauernden Störungen in der Zulieferindustrie. Spriesterbach spricht vom „Long Covid der Supply Chain“ in der Luftfahrt. Wo Ersatzteile oder Werkzeuge nicht rechtzeitig verfügbar sind, nutzt die Airline zunehmend eigene 3D-Druck-Kapazitäten oder arbeitet Kabinenbauteile selbst auf.
Mehr Stabilität verspricht Lufthansa sich auch von der Schließung des Terminal 2. Durch den Umzug der letzten Airlines in das neue Terminal 3 entstehen im Norden des Flughafens zusätzliche Kapazitäten für die Lufthansa, wie Sciortino sagte. Bereits jetzt seien sieben gebäudenahe Parkpositionen hinzugekommen. Wenn Condor zum 1. Januar ebenfalls umziehe, kämen weitere neun Positionen dazu. Für Lufthansa ist das ein entscheidender Vorteil an einem traditionell engen Standort. Die Abfertigung könne näher an den Terminals stattfinden, was lange Busfahrten für Passagiere zu den Flugzeugen und lange Wege für deren Gepäck deutlich seltener mache.
