
Inmitten all der Tore, Tränen und Triumphe wäre beinahe untergegangen, wer der Gastgeber des großen Spektakels ist. Also dachte sich Gianni Infantino womöglich, dass er die Fußballwelt zum Ende der WM-Vorrunde besser einmal daran erinnern sollte, dass es Donald Trump noch gibt.
Natürlich, betonte der FIFA-Chef bei Trumps Haussender Fox, werde er den Pokal nach dem Finale gemeinsam mit dem US-Präsidenten überreichen.
„Wir sind die ganze Zeit zusammen“, versicherte Infantino. Die ganze Zeit? Nun, während der FIFA-Boss vor der WM fast nicht von Trumps Seite gewichen war, scheint die „Bromance“ während des Turniers etwas zu ruhen. Der US-Präsident trat bisher kaum in Erscheinung, er verwandelte noch kein WM-Spiel in eine große Trump-Show. Deshalb kursiert die Frage: Wo ist er?
Kritiker befürchteten, dass Trump die Mega-WM für seine Zwecke nutzen könnte. Und obwohl er im Hintergrund blieb, findet Nicolas McGeehan von der Organisation FairSquare, dass der US-Präsident seine Ziele längst erreicht hat. Trump und dessen Berater wollten bei der WM „ihren aggressiven Nationalismus und Rassismus“ demonstrieren, sagte McGeehan dem SID. Die FIFA habe ihnen das „ganz eindeutig ermöglicht“.
Dass der US-Präsident, der in seiner zweiten Amtszeit kaum ein bedeutendes Sportereignis in seiner Heimat verpasst hat, noch bei keinem WM-Spiel war, sei „ziemlich untypisch“, sagte McGeehan. Ob Trump vor dem Finale eine Partie besuchen wird, ist offen. Laut dem Telegraph sei dies „unwahrscheinlich“. Mutmaßliche Gründe dafür kursieren zuhauf.
Da wären Spekulationen über den Gesundheitszustand, die politischen Probleme im Irankrieg und die Planungen für den 250. Unabhängigkeitstag am 4. Juli, aber auch die Sorge vor Fangesängen, die Trump mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in Verbindung bringen. Beim NBA-Finale der New York Knicks war Trump ausgebuht worden, und man wisse ja, „dass er es nicht mag, so behandelt zu werden“, sagte McGeehan. (sid)
