
Mehrere Dutzend Abgeordnete des Europaparlaments unterstützen die Beschwerde gegen den Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbandes FIFA, Gianni Infantino, wegen der Erfindung und Vergabe des FIFA-Friedenspreises an den amerikanischen Präsidenten Donald Trump.
Bis zum Montagnachmittag hatten den Brief, der durch die Parlamentarier Barry Andrews (Renew, Irland), Lara Wolters (Sozialdemokraten, Niederlande) und Niels Fuglsang (Sozialdemokraten, Dänemark) initiiert wurde, 50 Abgeordnete des Europäischen Parlaments unterschrieben.
Der Ethikkommission liegt wegen der Vergabe des Friedenspreises an Trump seit 8. Dezember 2025 eine Beschwerde der Organisation Fair Square vor. Sie sieht in der Vergabe einen Verstoß des FIFA-Präsidenten gegen das Gebot politischer Neutralität. Infantino hatte Trump, der sich bei verschiedenen Gelegenheiten als würdiger Empfänger des Friedensnobelpreises bezeichnet hatte, am Rande der Auslosung der Fußball-WM am 5. Dezember in Washington mit dem FIFA-Friedenspreis bedacht.
Der Friedenspreis der FIFA ist Infantinos Schöpfung, verschiedenen Berichten zufolge waren die Ratsmitglieder nicht einbezogen, Neuendorf hatte die Vergabe an Trump gleichwohl verteidigt. Infantino wiederum war im Frühjahr in Trumps „Friedensrat“ eingezogen und hatte sich bei dessen Sitzung die bereitliegende Kappe im „MAGA“-Stil aufgesetzt.
Auch der norwegische Verband hat sich der Beschwerde angeschlossen
Der Beschwerde bei der Ethikkommission hat sich inzwischen auch formal der norwegische Fußballverband NFF unter seiner Präsidentin Lise Klaveness angeschlossen. Klaveness hatte bereits im April die sofortige Abschaffung des Friedenspreises gefordert. Anfang Juni hatte sie dann bei einer Pressekonferenz zur Abreise des norwegischen Teams zur WM bestätigt, dass sich die NFF der Beschwerde angeschlossen hat und angekündigt, nach Ende der WM weiteren Druck aufzubauen.
Fair Square hatte unterdessen die Kampagne „Reboot FIFA“ ins Leben gerufen, die öffentlichen Druck auf Infantino aufbauen soll. Bis zum Montagnachmittag hatten mehr als 15.700 Menschen die Onlinepetition unterschrieben und so ihre Unterstützung für die Beschwerde gegen den FIFA-Präsidenten zum Ausdruck gebracht.
Die Europaparlamentarier verweisen in ihrem Brief auf vorhergehende Korrespondenz bezüglich der Vergabe der Weltmeisterschaft 2034 an Saudi-Arabien im Dezember 2024. Damals hatten 30 Abgeordnete Bedenken geäußert. „Die FIFA hat auf die angesprochenen Bedenken nicht reagiert und bald darauf die Verbindungen zu Saudi-Arabien mit einem lukrativen Sponsoringvertrag mit Aramco, dem größten Umweltverschmutzer der Firmenwelt, gestärkt“, heißt es in dem Beschwerdebrief. Die Vergabe des FIFA-Friedenspreises an Trump sei jedoch die „vielleicht besorgniserregendste Entwicklung“ mit Blick auf das laufende WM-Turnier.
