
Die schlechten Nachrichten für die UN-Friedenstruppe UNIFIL reißen nicht ab. Am Freitag erlag ein indonesischer Unteroffizier seinen Verwundungen. In den vergangenen Wochen fielen insgesamt fünf UN-Soldaten, die in der Kampfzone in Südlibanon im Einsatz waren. Zwei Franzosen wurden getötet, als am 18. April eine Einheit unter Beschuss genommen wurde, die Sprengsätze räumte, um die Verbindung in eine abgeschnittene Stellung wiederzueröffnen.
Laut Einschätzung der UNIFIL kamen die Angreifer aus den Reihen der Schiitenmiliz Hizbullah. Ende März kamen bei zwei Vorfällen insgesamt drei indonesische UN-Soldaten um Leben. In einem Fall war es die Detonation eines Sprengsatzes, was ebenfalls auf die Hizbullah hindeutet. In einem anderen Fall handelte es sich um den tödlichen Einschlag einer Panzergranate nahe einer UN-Stellung, die nur vom israelischen Militär verwendet wird.
Die UNIFIL ist stärker zwischen die Fronten und ins Kreuzfeuer geraten, seit am 2. März ein neuer voll entfesselter Waffengang zwischen Israel und der von Iran gelenkten Hizbullah ausbrach – aller Aufrufe, ihren Schutzstatus zu respektieren, zum Trotz. Viel internationale Empörung darüber gibt es nicht.
Zu den Entsendestaaten der Friedenstruppe zählen Frankreich, Italien, Irland, Spanien, Ghana, Indonesien, Indien und auch Deutschland. Eigentlich sollte sie die Einhaltung der Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrats überwachen, laut der das Grenzgebiet bis zum Litani-Fluss eine demilitarisierte Zone sein soll. Das Mandat der 1978 als Beobachtermission ins Leben gerufenen UNIFIL verdammt die Friedenstruppe zum Zuschauen. Sie kann Verstöße nur melden, was seit Jahren Frust in ihren Reihen erzeugt.
Truppe als Kommunikationskanal und Arbeitgeber
Ihr Einsatzgebiet ist längst wieder Kampfgebiet. Derzeit herrscht ein wackliger Waffenstillstand, der aber immer wieder gebrochen wird. Auch am Sonntag wurden wieder Kampfhandlungen gemeldet. Viel kann die Truppe, wie Berichte aus ihren Reihen zeigen, nicht ausrichten. Schon ihre bloße Präsenz im Einsatzgebiet, das mit Außenposten gesprenkelt ist, wird als Errungenschaft dargestellt.
Die Truppe berichtet noch immer an den UN-Sicherheitsrat. Sie dient als Kommunikationskanal, wenn zum Beispiel Hilfslieferungen in südlibanesische Dörfer auf den Weg gebracht werden. Sie arbeitet unter schwierigen Bedingungen. Manchmal werden Außenposten für eine Zeit vom Nachschub abgeschnitten. Wiederholt wurden UNIFIL-Einheiten laut eigenen Angaben vom israelischen Militär bedrängt, israelische Panzer rammten demnach deren Fahrzeuge.
Das israelische Militär zerstörte außerdem an mehreren Orten Überwachungskameras der UN-Truppe mit einem Laser, wie Bildaufnahmen belegen. Schon während des Krieges von 2024 gab es Klagen seitens UNIFIL, Israel wolle sie gezielt einschüchtern, weil es keine Zeugen für seine Militäroperation wolle.
Die israelischen Streitkräfte schaffen derweil weiter Fakten – auch in der direkten Umgebung des UNIFIL-Hauptquartiers im Ort Naqoura, der gezielt dem Erdboden gleichgemacht wird. Häuser wurden unter den Augen der UN-Truppe zerstört. Ein kleiner Hafen etwas nördlich des Hauptquartiers ist inzwischen unter der Kontrolle des israelischen Militärs, wie es aus der UN-Truppe heißt.
Mandat läuft Ende des Jahres aus
Dort landeten auch Besucher von deutschen Marineschiffen, die das Bundeswehr-Kontingent besuchten, das im Rahmen der UNIFIL-Marinemission im Einsatz ist. In dem nahen Ort Bayada richtet die israelische Armee nach Berichten von Blauhelmen Stellungen ein. Schweres Gerät wurde demnach direkt am UNIFIL-Hauptquartier vorbei dorthin gebracht.
Während in Libanon die Angst vor fortgesetzter israelischer Besatzung und dauerhafter Instabilität im Grenzgebiet zunimmt, geht der Einsatz der Friedenstruppe in seine letzten Monate. Nach dem derzeitigen Stand endet das Mandat am 31. Dezember. Danach wäre die UN-Truppe nur noch damit beschäftigt, zusammenzupacken und abzuziehen. Und sogar das könnte von Anfeindungen begleitet sein. In der öffentlichen Wahrnehmung könnte das wieder zu Problemen führen – wenn sich die Leute fragen, warum die Truppe weiter für jeden sichtbar vor Ort ist, aber keine Hilfslieferungen oder Patrouillen kommen.
Danach würden, sollte es dabei bleiben, viele Libanesen im Süden ihre Einkommensquelle verlieren. Die UN-Truppe ist dort ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor. Das allerletzte Wort scheint in der Sache allerdings noch nicht gesprochen. Frankreich zum Beispiel dringt auf die Fortsetzung einer UN-Mission im Grenzgebiet. Der UN-Sicherheitsrat hat Optionen für eine mögliche Präsenz der Vereinten Nationen nach dem UNIFIL-Abzug angefordert. Sie sollen bis zum 1. Juni vorliegen.
