
Nach diesem Interview hätte niemand mehr viel auf Robert Glatzel gesetzt. „Maximal frustriert“ sei er, verriet Glatzel der „Hamburger Morgenpost“ in einem Gespräch, das nicht mit dem Hamburger SV abgestimmt war.
Im Bundesligabetrieb wird solcherlei sofort sanktioniert: Glatzel fehlte im folgenden Spiel bei Borussia Dortmund. Er wurde zu einer Geldstrafe verdonnert. Würde der Liebling des Publikums mit seinen 73 Zweitligatoren in 115 Partien nie wieder für den HSV spielen?
Als Stürmer Nummer fünf hatte Glatzel das Gespräch mit der „Mopo“ gesucht. Später entschuldigte er sich bei Team und Trainer. Er habe sich seine Unzufriedenheit von der Seele reden müssen. Fünf Wochen später ist er Stammspieler: „Der Fußball ist verrückt“, sagt er.
Weil Trainer Merlin Polzin starke Anläufer für die Bundesliga fordert, weniger einen Stürmer, der über seinen starken Abschluss punktet, hatte es Glatzel schwer. Das tat weh. Sein Spitzengehalt (1,2 Millionen Euro brutto im Jahr) taugte nicht als Trostpflaster. Mit der Verbundenheit von Profis zu ihren Klubs ist das so eine Sache. Doch Glatzel kauft man ab, dass er so gern beim HSV spielt, wie er hier mit seiner Frau und den beiden Kindern im Stadtteil Eimsbüttel lebt.
Einige gute Angebote anderer Vereine hat er verstreichen lassen, um sein Team in die Bundesliga zu schießen, was mit zehn Toren in 15 Spielen auch gelang; die meiste Zeit der Saison 2024/25 war Glatzel verletzt gewesen. Manche Einkäufe des HSV waren keine Vertrauensbeweise: erst stahl ihm Davie Selke die Show, dann kam Yussuf Poulsen. Lange blieb Glatzel geduldig, sagte nichts. Bis zum 17. März.
Nun werkelt er daran, dass der HSV trotz Abwehrschwächen und Angriffsproblemen ein weiteres Erstliga-Jahr planen darf. Glatzel ist 32 Jahre alt, sein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2027. Aktuell sieht es nach Trennung aus; wie vor seiner Zeit beim HSV in Cardiff könnte sich die Familie den nächsten Abstecher auf die britische Insel vorstellen. Doch so „verrückt“, wie sein Bundesligajahr bisher verlief, wäre Glatzels Verbleib beim HSV keine Überraschung.
