
Der Strom war noch nicht überall zurück, da brach das kubanische Stromnetz abermals zusammen und hüllte Havanna und andere Städte des Landes wieder in Dunkelheit. Nach dem landesweiten Blackout vom Sonntag scheiterte am Montag auch der Versuch, die Versorgung wiederherzustellen. Innerhalb von weniger als 24 Stunden kollabierte das nationale Stromnetz zweimal. Der abermalige Zusammenbruch markierte den vorläufigen Tiefpunkt einer Energiekrise, die sich in Kuba seit Monaten immer weiter verschärft.
Für die Kubaner sind Stromausfälle längst kein Ausnahmezustand mehr. Sie gehören inzwischen zum Alltag, sei es wegen der staatlichen Rationierung oder weil das marode Stromnetz irgendwo zusammenbricht oder schlicht überlastet ist. Allein im Juli war das nationale Stromnetz bereits mehrfach landesweit kollabiert. Millionen Menschen müssen regelmäßig stunden- oder gar tagelang ohne Elektrizität auskommen. Wohnungen werden unerträglich heiß, Kühlschränke fallen aus, Geschäfte schließen, die Wasserversorgung gerät ins Stocken.
Veraltete Kraftwerke
Diesmal sollen widrige Wetterbedingungen die Reparaturarbeiten beeinträchtigt und den zweiten Blackout ausgelöst haben, wie die Regierung mitteilte. Kritiker sehen die Ursachen jedoch tiefer.
Kubas Stromversorgung beruht fast vollständig auf veralteten thermischen Kraftwerken. Die Anlagen arbeiten an ihrer Belastungsgrenze, und Havanna fehlen die Mittel, um sie instand zu halten, geschweige denn zu modernisieren. Hinzu kommt, dass Washington den venezolanischen Ölsektor durch Sanktionen faktisch kontrolliert. Die Lieferungen des wichtigsten Verbündeten Kubas sind dadurch weitgehend versiegt.
Die Energiekrise ist längst zum sichtbarsten Ausdruck der wirtschaftlichen Misere Kubas geworden, die schon vor den verschärften Sanktionen begonnen hatte. Seit Jahren leidet das Land unter einer schweren Versorgungskrise. Es mangelt nicht nur an Strom, sondern auch an Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff. Das verdunkelte Havanna zeigt deshalb längst mehr als einen Stromausfall. Es ist zum Sinnbild eines Staates geworden, dessen Verfall kaum noch zu übersehen ist.
