
Von Zeit zu Zeit kabbelt sich die Menschheit gerne, wer der Sportler des Jahres, des Jahrhunderts, der Weltgeschichte und so weiter ist. Hierbei handelt es sich meistens um ein harmloses Hickhack. Obgleich in jüngerer Vergangenheit gelegentlich Freundschaften auf dem Spiel standen, wenn es um die Gretchenfrage des Weltfußballs ging, nämlich, mit wem man es hält: mit Ronaldo oder mit Messi. Über den großen Portugiesen und den kleinen Argentinier lässt es sich trefflich streiten, widmen sie sich doch zur gleichen Zeit auf unterschiedliche Weise demselben Spiel.
Schwieriger wird’s, wenn Athleten verschiedener Disziplinen in einen Topf geworfen werden. Zum Beispiel bei der Wahl zu Deutschlands „Sportler des Jahres“, bei der Sportjournalisten darüber entscheiden sollen, ob die Leistung eines Ruderers höher einzuschätzen ist als die eines Rennrodlers oder eines Tennisspielers. Oder ob der Zehnkämpfer oder der Triathlet über allen stehen.
Solche Sportlerwahlen bereiten Qualen, auf die einen im natürlichen Leben niemand vorbereitet. Oder kann jemand ernsthaft beantworten, ob der Dackel dem Delphin vorzuziehen sei und wer den Vergleich zwischen Apfel und Birne gewinnt?
Littler lobt sich – und stichelt gegen Yamal
Darts-Weltmeister Luke Littler hat sich dieser Tage allen bekannten Risiken zum Trotz auf das heikle Terrain der vergleichenden Sportwissenschaft begeben. Im Interview mit der englischen Boulevardpostille „Sun“ ist Littler zu einem eindeutigen Ergebnis zu seinen Gunsten gekommen: „So wie ich meine Spiele gewinne, meine Leistungen zeige und Titel hole, bin ich wahrscheinlich der Beste, den es gibt“, sagte der Neunzehnjährige.
In seiner britischen Brille lässt Littler allenfalls Tennisprofi Jannik Sinner, der auf dem Londoner Rasen von Wimbledon triumphierte, als möglichen Dominator 2026 gelten. Zum gefeierten Fußballjungstar Lamine Yamal fiel dem Pfeilewerfer nur eine Spitze ein. „Ich meine, er hat doch nicht wirklich viel geleistet, oder? Er hat vielleicht ein Tor geschossen. Und eine Vorlage gegeben“, sagte Littler über den gleichaltrigen Fußballweltmeister aus Spanien.
Littlers Selbstlob und Stichelei kann man großmäulig oder unverschämt finden oder es mit der Unbedarftheit eines Teenagers erklären. Man könnte auch sagen: Im Grund trifft Littler einen Punkt, indem er die Wahrnehmung weg von den ständig hochgejubelten Fußballern lenkt und sie auf die Ausnahmekönner anderer Sportarten richtet.
Und dann landet man halt bei Typen wie dem Italiener Sinner, der in diesem Jahr bei sechs von neun Tennisturnieren triumphiert hat; oder dem Magdeburger Florian Wellbrock, der in den vergangenen zwei Tagen die Freiwassertitel über zehn und fünf Kilometer bei der Schwimm-EM gewonnen hat.
Oder eben bei Luke Littler, der jüngst beim World Matchplay seinen achten Major-Titel nacheinander gewann und in der Darts-Weltrangliste mit so großem Abstand führt, dass er sich ein paar Monate zur Ruhe setzen und sich Sinner-Matches und Yamal-Spiele anschauen könnte – und bei seiner Rückkehr immer noch oben stünde. Gewönne Littler auch die drei verbleibenden wichtigen Darts-Turniere des Jahres und machte die elf Majors voll, hätte er wohl einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt. Gepriesen sei er!
Und damit zurück zum Fußball.
