Die Führungsspitze des Fußball-Weltverbandes um den in die Kritik geratenen Fifa-Chef Gianni Infantino hat nach einer Notfallsitzung in der marokkanischen Hauptstadt Rabat Einigkeit demonstriert. Fifa-Generalsekretär Mattias Grafström und die anwesenden Mitglieder des Management-Boards hätten Infantino »ihre uneingeschränkte Unterstützung« bekräftigt, »als den einzigen Amtsträger, der von den 211 Fifa-Mitgliedsverbänden gewählt wurde«, hieß es in einer Mitteilung.
Umgekehrt habe Infantino seine volle Unterstützung für Generalsekretär Grafström bekräftigt. Der Schwede Grafström hatte zuletzt angesichts des gescheiterten Plans zum Verkauf von WM-Rechten an Investoren in einer internen Mail an Fifa-Mitarbeiter noch eine »traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen« sowie einen »Aufruhr« beklagt.
Fifa räumt Fehler ein
Zudem räumte die Fifa Fehler bei den Investorenplänen ein. Es herrsche Einigkeit darüber, dass es nicht beabsichtigt gewesen sei, dem Fifa-Rat und den Fifa-Mitgliedsverbänden »das Gefühl zu geben, vom Prozess ausgeschlossen zu sein, und dass der Prozess anders hätte gehandhabt werden sollen«, hieß es in der Mitteilung weiter.
Infantinos umstrittener Investorenplan sah die Gründung einer kommerziellen Tochtergesellschaft namens Fifa Forward Enterprise (FFE) vor. Sie sollte Wettbewerbe wie die WM und die Klub-WM vermarkten. Private Investoren hätten bis zu 20 Prozent der Anteile übernehmen können. Auf Grundlage einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar (17,3 Milliarden Euro) wollte die Fifa bis zu 4,2 Milliarden Dollar einnehmen. Nach Bekanntwerden dieser Pläne brach ein Sturm der Entrüstung los. Der europäische Fußballverband Uefa und andere Verbände drohten mit einem WM-Boykott.
Laut dem britischen Sender BBC schickten Infantino und Grafström zudem einen Brief an die Vizepräsidenten, den Rat und die 211 Mitgliedsverbände der Fifa, in dem sie schreiben, dass sie sich »aufrichtig entschuldigen« für ihre Fehler und sich »verpflichten, dass diese sich nicht wiederholen«.
Infantino hatte zuletzt für eine Welle der Empörung in der Fußball-Welt gesorgt, als die Pläne bekannt wurden. Der Fifa-Chef lenkte zwar ein und verwarf die Idee – dennoch formiert sich vor allem in Europa heftiger Widerstand gegen ihn. Die aktuelle Krise könnte das Ende von Infantinos inzwischen zehnjähriger Amtszeit als Fifa-Präsident bedeuten.
Mit Blick auf die harsche Kritik teilte der Weltverband mit: »Die Fifa wird keinerlei Angriffe auf ihre Integrität dulden und alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um ihren Ruf zu verteidigen.«
Debatte über Austragungsort des WM-Endspiels
Zuvor hatte ein Bericht der Times noch für weiteren Wirbel gesorgt. Die Zeitung schrieb, dass Infantino Marokko die Austragung des WM-Endspiels 2030 versprochen habe, was vom Weltfußballverband umgehend dementiert wurde. Laut Times solle nach dem Willen des Fifa-Chefs das Finale im neuen Hassan II Stadium mit 115.000 Plätzen in Casablanca stattfinden.
Dies wäre ein großer Affront gegen Spanien und damit auch Europa, das in den letzten Tagen Infantino nach dem umstrittenen und inzwischen verworfenen Investorendeal harsch attackiert hatte. Spanien trägt zusammen mit Portugal und Marokko die WM 2030 aus. Dazu finden die ersten drei Spiele in Südamerika (Uruguay, Argentinien und Paraguay) statt.
»Es ist falsch und irreführend zu behaupten, der Fifa-Präsident habe irgendein Versprechen bezüglich der Austragung des Finales der Fifa-Fußball-Weltmeisterschaft 2030 abgegeben. Eine Entscheidung wird von der Fifa zu gegebener Zeit getroffen«, teilte der Weltverband auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.
