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Da dürften die Angestellten beim US-Patentamt nicht
schlecht gestaunt haben. Vergangenen Freitag erreichten das Amt zwei Anträge der
US-Popsängerin Taylor Swift. Swift will ihre Stimme sowie ihr Aussehen als
Marken eintragen lassen. Dafür reichte die Sängerin zwei
Audioaufnahmen sowie ein Bild ein. Swift will sich so vor KI-Missbrauch
schützen. Vor zwei Jahren hatten sich KI-generierte pornografische Bilder der
Sängerin auf der Plattform X verbreitet. Zum Verkaufsstart ihres neuen Albums warfen Swift allerdings ihre eigenen Fans vor, selbst KI
für eine Promoaktion genutzt zu haben. Offensichtlich ist die Sängerin nicht die Einzige, die sich Sorgen um die Marke Taylor Swift macht.
Das müssen Sie wissen: Start einer spektakulären Schlammschlacht
Schon im Vorfeld wurden die ersten Spitzen ausgeteilt.
Zumindest auf X. Dort bezeichnete
Tech-Milliardär Elon Musk den Chef von OpenAI, Sam Altman, als »Scam Altman« (Betrüger-Altman).
Nicht minder scharf stichelte
OpenAI auf der Plattform, die Klage sei eine »Belästigungskampagne, getrieben
von Ego, Eifersucht und dem Wunsch, einen Konkurrenten auszubremsen«.
In dieser Woche startete dann offiziell im kalifornischen
Oakland der Prozess zwischen Elon Musk und OpenAI. Musk, der OpenAI einst
mitgegründet hat, fordert von dem US-Unternehmen sowie seinem Partner Microsoft
eine Schadenersatzsumme in Höhe von 134 Milliarden US-Dollar. In der
Klageschrift heißt es, Musk habe rund 38 Milliarden Dollar in OpenAI
investiert, was etwa 60 Prozent der Anfangsfinanzierung entsprochen
habe. Damals hätte sich das Start-up dem Ziel verschrieben, eine künstliche
Intelligenz zum Wohl der Menschheit zu entwickeln.
OpenAI gründete, nachdem Musk das Unternehmen im Streit
verlassen hatte, ein gewinnorientiertes Tochterunternehmen. Musk wirft dem
Unternehmen vor, den gemeinnützigen Zweck nicht mehr zu verfolgen, seinen Namen
und sein Geld missbraucht zu haben. Und fordert neben den 134 Milliarden
US-Dollar, dass Sam Altman sowie Mitgründer Greg Brockman entlassen werden und
das Unternehmen, das eigentlich einen Börsengang planen soll, grundlegend
umstrukturiert wird. OpenAI bestreitet die Vorwürfe. Musk, der inzwischen ein
neues KI-Unternehmen gegründet hat, sei in die Gespräche über den Umbau des
Start-ups einbezogen gewesen.
Von der leitenden Richterin des Zivilverfahrens, Yvonne Gonzalez Rogers, wurden beide
Parteien in dieser Woche aufgefordert, ihre Online-Äußerungen zu
reduzieren. Ob sie sich dran halten? Das lässt sich vermutlich am besten auf X
verfolgen.
Darüber sollten Sie nachdenken: wirkungsloser Protest von Google-Mitarbeitern
Google erlaubt dem Pentagon wohl die Nutzung seiner
KI-Modelle. Dafür schloss das Unternehmen einen Vertrag mit dem
US-Verteidigungsministerium. Das berichtet
The Information. Der neue Vertrag soll dem Pentagon die Nutzung für
»jeden rechtmäßigen Regierungszweck« erlauben. Die KI soll auch vertrauliche
Informationen verarbeiten dürfen, also solche, die unter einer hohen
Geheimhaltungsstufe des US-Militärs stehen.
Zwar hält Google in dem Vertrag wohl fest, dass sein
KI-System nicht für Massenüberwachung im Inland oder autonome Waffen ohne
menschliche Aufsicht eingesetzt werden soll – solche Aspekte hatten vor
einigen Wochen zum Streit zwischen US-Regierung und Anthropic gesorgt. Diese
Formulierung sei jedoch rechtlich nicht bindend, warnen
Kritiker wie Charlie Bullock, Jurist beim Thinktank Institute for Law and AI.
Sollte das Militär die Google-KI doch für autonome Waffen einsetzen, würde das
keine Vertragsverletzung bedeuten.
Die Unterzeichnung konnte auch der Protest von 600
Google-Mitarbeitern nicht stoppen. Die hatten einen
offenen Brief an Google-Chef Sundar Pichai verfasst, in dem sie ihn
aufforderten, keine Vereinbarung zu schließen, nach der das US-Verteidigungsministerium
die KI für geheime Aufgaben nutzen dürfte. Schließlich würde das verhindern, dass
Google nachvollziehen könnte, wie die Technologie eingesetzt wird,
argumentieren die Unterzeichner, von denen viele aus Googles KI-Einheit
DeepMind stammen sollen.
2018 wirkt da auf einmal wie eine Zeit, die lang vorbei ist.
Damals war Google nach Protesten Tausender seiner Mitarbeiter noch aus dem
US-Militärprojekt Maven ausgestiegen. Und
war prompt ein Jahr später ersetzt worden – durch Palantir. Heute will das
Unternehmen offenbar nicht mehr riskieren, Staatsaufträge zu verlieren.
Das können Sie ausprobieren: GPT-5.5
OpenAI hat GPT-5.5 vorgestellt, eine
agentenbasierte Modellreihe, die eigenständig Code schreiben, Daten analysieren
oder online recherchieren können soll. Das neue Modell führt zwar einige KI-Ranglisten
an, ist aber deutlich teurer und soll häufiger halluzinieren als die
Konkurrenz, berichtet
unter anderem The Decoder.
Zu den Ersttestern von GPT-5.5 zählte der KI-Experte Ethan
Mollick. In einem Blogbeitrag
schreibt er, wie er das Pro-Modell für eine Coding-Challenge nutzte. Einmal
sollte es die Entwicklung einer Hafenstadt von 3.000 vor bis 3.000 nach Christus
zeigen, als steuerbare 3D-Simulation. Anders als Modelle anderer Unternehmen
schaffte GPT-5.5, eine kleine Hafenstadt am Wasser zu erstellen, die sich im
Zeitraffer zu einer globalen Megacity entwickelt.
Die Zeiten, in denen man testete, ob die Modelle erkannten, dass die Buchstaben »AI« in »Taylor Swift« nicht vorkommen, sind lang vorbei (das erkennt GPT-5.5 auf jeden Fall problemlos). Hier gilt allerdings: Nur die wenigsten Nutzer werden mit GPT-5.5 vorchristliche Hafenstädte simulieren wollen. Mollicks Test aber zeigt, wie schnell die Modelle immer besser werden – vor allem beim Programmieren.
