
Die Mitarbeiter sind schon umgezogen, der Software-Code ist beim Facebook-Konzern integriert, die Investoren sind ausbezahlt und die Manager Teil des KI-Teams von Meta. Doch nach einem Machtwort Pekings steht Meta nun vor einer komplizierten Rückabwicklung seiner Übernahme des KI-Start-ups Manus. Eine der wichtigsten Tech-Übernahmen zwischen den USA und China ist damit vom Tisch.
Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, Chinas oberster Wirtschaftsplaner, legte am Montag ihr Veto ein. Man werde „ausländische Investitionen in Manus in Übereinstimmung mit Gesetzen und Vorschriften untersagen und die beteiligten Parteien verpflichten, die Akquisitionstransaktion rückgängig zu machen“, hieß es in einer Mitteilung.
Belastet die Blockade die US-China-Beziehung?
Hintergrund ist der Tech-Wettstreit der beiden Länder. Manus kommt aus China, hatte seinen Sitz im Sommer aber nach Singapur verlegt und seine Büros in China geschlossen. Das Manus-Team hätte mit der Übernahme also die Seiten gewechselt. Die USA bemühen sich seit einigen Jahren, China von modernsten Halbleitern abzuschneiden. China kontrolliert seit vergangenem Jahr den Zugang zu Seltenen Erden.
Inwieweit die Intervention die Beziehungen zwischen Washington und Peking belastet, ist offen. Die US-Regierung hat sich bisher nicht zu der Blockade Pekings geäußert. US-Präsident Donald Trump wird Mitte Mai in Peking erwartet.
Ausreiseverbot für Gründer
Der US-Konzern und das Start-up hatten die Übernahme kurz vor Silvester bekannt gegeben und sehr schnell praktisch vollzogen, wie mehrere Medien berichteten. Der Kaufpreis belief sich auf rund zwei Milliarden Dollar. Manus gilt als eine führende chinesische KI-Hoffnung und wurde einst auch von Staatsmedien gefeiert. Das Unternehmen ist auf agentische Künstliche Intelligenz spezialisiert, die also selbst Tätigkeiten ausführen kann.
Ganz überraschend kommt die Blockade nicht. Peking hatte Anfang Januar signalisiert, dass es den Deal kritisch sieht, und eine Überprüfung angekündigt. Später lud Peking Berichten zufolge die beiden Gründer Xiao Hong und Ji Yichao vor und verbot ihnen die Ausreise aus China.
Meta will den Kauf rückabwickeln
Meta betonte zunächst, die Transaktion entspreche geltendem Recht und man rechne mit einer angemessenen Klärung. Die US-Zeitung „Wall Street Journal“ berichtete nun aber, dass es Meta nicht auf eine Konfrontation anlege und eine Rückabwicklung anstrebe.
Weil Programmiercode, Modelle und technisches Wissen schon abgeflossen seien, sei das zwar schwierig bis unmöglich, sagt Guo Shan, Partnerin des Pekinger Beratungshauses Hutong Research. Darum gehe es aber gar nicht so sehr; wichtiger sei das Signal. Pekings Sorge sei ein „Dominoeffekt“. Die Übernahme durch Meta wurde als Vorbild für andere chinesische Tech-Start-ups gehandelt. Für Peking würde das einen Kontrollverlust und einen Abfluss von technologischen Fähigkeiten bedeuten. Dafür nehme die Regierung sogar die abschreckende Wirkung auf ausländische Investoren in Kauf. Denn der ökonomische Anreiz für viele Start-ups ist zweifelsohne da. Die Bewertungen von Techunternehmen in den USA sind häufig deutlich höher als in China.
China blockiert und zensiert Metas soziale Netzwerke Facebook und Instagram und den Chatdienst Whatsapp zwar, deshalb ist der Hebel kleiner als bei anderen US-Konzernen wie Microsoft oder Apple. Meta hat aber Werbekunden in China und lässt dort auch Hardware produzieren.
Auch die Investoren, die ihre Zahlungen schon erhalten haben, darunter der Techkonzern Tencent aus China, seien zu einer Rückabwicklung bereit, berichteten mehrere Medien. Peking hat Meta und Manus laut „Wall Street Journal“ einige Wochen Zeit gegeben, die Rückabwicklung umzusetzen. Sonst stünden Strafen im Raum.
Rückschlag für das „Singapur-Washing“
Für die Blockade wende Peking erstmals einen vor sechs Jahren eingeführten Mechanismus zur Sicherheitsprüfung ausländischer Investitionen an, sagte Guo. Die Behörden könnten dafür etwa den wirtschaftlichen Gehalt der Transaktion über die äußere Form stellen. Die Verlagerung eines Unternehmens ins Ausland und die spätere Veräußerung würden dann als eine Transaktion gelten. Dadurch sei es Peking möglich, auch in Übernahmen im Ausland, wie jetzt in Singapur, einzugreifen.
Die Blockade ist ein Rückschlag für das „Singapur-Washing“ vieler chinesischer Unternehmen. Diese gehen bisher häufig in den Stadtstaat, um der Kontrolle Pekings zu entfliehen und nicht von US-Techrestriktionen getroffen zu sein.
