Fünf Tage nach einem Bootsunglück auf dem Karibasee in Simbabwe ist die Zahl der Toten nach Angaben der Polizei auf 80 gestiegen. Am Sonntag seien acht weitere Leichen geborgen worden, hieß es in einer auf X veröffentlichten Mitteilung. Am späten Dienstag war eine überfüllte Fähre auf dem Stausee im Nordwesten des Landes bei einer hohen Welle gekentert. Zunächst war von 44 Toten die Rede gewesen.
Der Unfall habe sich am späten Dienstag ereignet. Das Boot hatte nach Behördenangaben eine Kapazität von 90 Passagieren, es waren jedoch 119 Erwachsene an Bord sowie eine nicht genannte Zahl an Kindern. Such- und
Rettungsaktionen wurden bis Mittwoch fortgeführt. Spezialisierte
Wasserrettungsteams seien dafür in das Gebiet eingeflogen worden. 77 Menschen konnten gerettet werden.
Unklar ist weiterhin, wie viele Menschen sich
tatsächlich an Bord befanden. Ein überlebendes Besatzungsmitglied, das
nach eigenen Angaben für den Fahrkartenverkauf zuständig war, zählte 153
Menschen einschließlich Besatzung und Kleinkindern. Der Zivilschutz war
zuvor auf Grundlage der verkauften Fahrkarten von mindestens 114
erwachsenen Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern ausgegangen.
Fähre offenbar deutlich überladen
Das überlebende Besatzungsmitglied berichtete,
Passagiere hätten bereits vor dem Kentern geschrien, dass Wasser in die
Fähre und den Maschinenraum eindringe und Ladung über Bord gehe. Ein
anderer Überlebender schilderte, die Passagiere hätten nach etwa 30
Minuten erneut darum gebeten, die Fahrt abzubrechen. Der Kapitän habe sich geweigert. Als schließlich Wasser in die Fähre strömte, hätten Passagiere
versucht, an die unter ihren Sitzen verstauten Rettungswesten zu
gelangen. Einige Menschen konnten sich auf den umgedrehten
Schiffsrumpf retten.
Präsident Emmerson Mnangagwa hatte das
Unglück zum Katastrophenfall erklärt, damit die Regierung besondere Maßnahmen
ergreifen und zusätzliche Mittel zur Unterstützung der Betroffenen
mobilisieren könne.
Der rund 5.580 Quadratkilometer große Stausee an der Grenze zwischen
Sambia und Simbabwe gilt gemessen am Volumen als der weltweit größte
künstliche See. Er entstand Ende der 1950er- und Anfang der
1960er-Jahre durch den Bau eines Staudamms am Sambesi. Der mehr als 200
Kilometer lange See ist an manchen Stellen bis zu 40 Kilometer breit. Genutzt wird der Karibasee vor allem für die Stromerzeugung für beide Länder, aber auch für Fischerei und Tourismus.
