An einem Umspannwerk im brandenburgischen Turnow-Preilack, in der Nähe des Kraftwerks Jänschwalde, hat es mindestens zwei Explosionen gegeben. Vor Ort entdeckte die Polizei mehrere Sprengvorrichtungen, die genaue Zahl ist noch unklar – sie soll aber zweistellig sein. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nicht. Ein Überblick
Welches Umspannwerk war von den Detonationen betroffen?
Das Umspannwerk liegt zwischen Preilack und der Gemeinde Tauer. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) sprach von versuchter Sabotage. Er sagte, Ziel der Täter sei es gewesen, »mittels eines Treibsatzes« leitfähiges Material in die Höchstspannungsleitung fliegen zu lassen. So sollte ein Kurzschluss herbeigeführt werden, was in zwei Fällen gelungen sei. Vor Ort sehe man, dass dieser Kurzschluss bei einer solchen Höchstspannungsleitung so heftig sei, dass es im Boden zu einer »Aufwühlung von Erde« komme. »Also, das ist dann schon ein richtig heftiger Schlag«, sagte Redmann. Ein Mitarbeiter von 50Hertz habe »einen Feuerball« beobachtet.
Anders als die Polizei sprach Redmann nicht von Detonationen. »Da haben wir aber gegenwärtig keinen Hinweis darauf«, sagte er. Stand jetzt gehe man von einem »Kurzschluss in einer Höchstspannungsleitung« aus, »der hier dann ins Erdreich gegangen ist«.
Wie auf der Website Kultur. Landschaft. Digital. nachzulesen ist, befindet sich auf dem Gelände des Umspannwerks ein Betriebsgebäude aus den 1980er-Jahren, das noch heute durch den Betreiber genutzt wird. Weitere Baracken, die vermutlich der Unterbringung der Beschäftigten während des Aufbaus dienten, stehen demnach leer.
Welche Folgen hatten die Detonationen?
Nach ZEIT-Informationen löste die Detonation ein sogenanntes Lichtbogenereignis aus; es trat also kurzzeitig unkontrolliert elektrische Energie aus dem Umspannwerk aus. Daraufhin gab es eine zeitweise Leitungsunterbrechung. Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt.
Der Kraftwerkbetreiber Leag teilte mit, in der Folge eines Anschlags sei es zu einem technischen Ausfall von Block B im Kraftwerk gekommen. Man stimme sich mit 50Hertz ab und arbeite an der Wiederinbetriebnahme von Block B. »Wir sind gerade dabei, ihn wieder anzufahren, er soll noch heute Abend wieder ans Netz gehen«, sagte ein Sprecher.
Wie sind das Umspannwerk und das Kraftwerk Jänschwalde verbunden?
Das Kohlekraftwerk Jänschwalde – 1976 bis 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet – erzeugt elektrische Energie. Diese wird nicht direkt an regionale und überregionale Haushalte verteilt, sondern zunächst im Umspannwerk auf die passende Spannung gebracht. Nach der Detonation an diesem Dienstagmorgen um 7.33 Uhr fuhr im Kraftwerk sofort und automatisch der Block B herunter, wie der Betreiber bestätigte. Weil die anderen der insgesamt vier Kraftwerksblöcke noch liefen, war die Stromversorgung nicht gefährdet. Ein Sprecher der Leag sagte, der Vorfall zeige, dass die Sicherungssysteme beim Umspannwerk und im Kraftwerk funktionierten.
Was ist über den oder die Täter bekannt?
Wer die Sprengvorrichtungen angebracht hat und welches Motiv der oder die Täter hatten, ist bisher nicht bekannt. Laut Brandenburgs Innenminister Redmann gingen die Täter systematisch vor. »Das war kein
Kinderstreich«, sagte er.
Welche Reaktionen gibt es auf den Vorfall in Turnow-Preilack?
Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD) sprach – wie auch der Kraftwerkbetreiber – von einem Anschlag. »Der Anschlag auf die Infrastruktur in Jänschwalde ist ein Angriff auf die Sicherheit und die Lebensgrundlagen der Menschen in Brandenburg und darüber hinaus«, sagte Crumbach. Wer kritische Infrastruktur beschädige, gefährde Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit, »das Vertrauen und letztlich die Gesundheit und das Leben der Menschen«.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich
erleichtert, dass niemand bei dem Vorfall zu Schaden gekommen sei.
»Dennoch nehmen wir die Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur sehr
ernst. Die besorgniserregend hohe Frequenz derartiger Vorfälle zeigt,
dass wir unsere Infrastrukturen entschlossen schützen müssen«, sagte
Woidke.
Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
