
In Frankreich kommen immer mehr vollelektrische Autos auf die Straße. Ihr Zulassungsanteil hat den dritten Monat in Folge einen Rekord geknackt. Dies teilte die Plateforme Automobile (PFA) am Dienstag mit. Im August waren demnach 38 Prozent aller neu zugelassenen Personenkraftwagen vollelektrisch. Im Juli waren es 35 Prozent, im Juni 30 Prozent. Der vor einem knappen Jahr begonnene Aufwärtstrend – im August 2025 lag der Zulassungsanteil mit 19 Prozent erst halb so hoch – verstärkt sich also weiter. Die PFA vertritt ähnlich wie in Deutschland der Verband der Automobilindustrie die Interessen der französischen Autoindustrie.
Die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts für August liegen noch nicht vor. Viel spricht aber dafür, dass die Elektroquote in Frankreich höher bleibt als in Deutschland. Lange Zeit gab es nur geringe Unterschiede. Seit rund einem Jahr aber eilt Frankreich im Neuzulassungsanteil vollelektrischer Autos voraus – obwohl dieser auch in Deutschland deutlich gestiegen ist und im Juli rund 29 Prozent erreicht hat. Der Anteil von Plug-in-Hybriden war in Deutschland zuletzt allerdings etwa doppelt so hoch wie in Frankreich. Addiert man diese zu den vollelektrischen Autos hinzu, waren die beiden Länder im Juli mit 41 Prozent gleichauf.
Frankreichs Regierung unterstützt E-Auto-Kauf
Die gestiegenen Spritpreise sind ein wichtiger Faktor für das wachsende Interesse an Elektroautos, sagen viele Fachleute. „Manche Autofahrer haben das Gefühl, dass der Benzinpreis nicht mehr sinken wird, und das kurbelt den Absatz an“, zitierte die französische Zeitung „Les Echos“ Eric Champarnaud vom Beratungsunternehmen C-Ways. Vorbehalte wie in Deutschland wegen der umstrittenen Umweltfreundlichkeit von Elektroautos gibt es in Frankreich zudem nicht in vergleichbarer Ausprägung. Der Strommix ist dank Kernenergie und Erneuerbaren zu rund 95 Prozent kohlenstoffarm. Das Laden von Elektroautos ist hier also auf jeden Fall umweltfreundlicher als das Betanken von Verbrennern.
Als Hauptfaktor für die kräftig steigende Elektroquote gilt in Frankreich jedoch die staatliche Förderung. Im September 2025 startete die zweite, im Juli dieses Jahres die dritte Runde des „Sozialleasings“. Mit diesen Programmen will die Regierung Haushalte mit geringem Einkommen dazu animieren, Elektroautos statt Verbrenner zu fahren. Rund 50.000 Neuwagen werden je Runde zu monatlichen Leasingraten von zum Teil deutlich weniger als 200 Euro unter das Volk gebracht. Daneben fördert die Regierung unter anderem den Kauf von in Europa produzierten Elektroautos mit bis zu 5700 Euro. Weitere bis zu 2000 Euro winken, wenn auch die Batterie aus Europa kommt. Umgekehrt macht sie den Kauf von Verbrennern schon seit Jahren mit einem CO₂-Malus und einer Gewichtssteuer immer unattraktiver. Die Schwellenwerte wurden wiederholt herabgesetzt. Bis zu 80.000 Euro Sonderabgabe werden dadurch inzwischen fällig.
Nicht nur nach Jubeln zumute
Die französischen Autohersteller können sich über die Fördermaßnahmen grundsätzlich freuen. Der politische Fokus auf kleine Elektroautos – die Kaufprämie etwa gilt nur für maximal 47.000 Euro teure Fahrzeuge – passt zur Modellpalette der Renault-Gruppe und den Marken des italienisch-französischen Stellantis-Konzerns wie Peugeot und Citroën. Diese produzieren traditionell eher kleinere und günstigere Autos als die deutschen Premiumhersteller. Entsprechend groß sind ihre Marktanteile auf dem Heimatmarkt. Laut PFA waren im August mehr als 47 Prozent aller neu in Frankreich zugelassenen Autos von Renault und Stellantis. Nicht zuletzt der vollelektrische R5 von Renault erfreut sich großer Beliebtheit. Das meistverkaufte Elektroauto war im August allerdings der Tesla Model Y.
Nach Jubel ist der französischen Autoindustrie trotz des Elektrobooms gleichwohl nicht zumute. Das Segment der reinen Elektrofahrzeuge sei das einzige, das sich in einem insgesamt schwächelnden Markt behaupte, erklärte ein PFA-Sprecher. Das Marktniveau bleibe mit einem Minus von 27 Prozent im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie „außerordentlich niedrig“.
Auch die Aktienkurse machen deutlich, dass es der französischen Autoindustrie nicht gut geht; für Renault beträgt das Kursminus seit Jahresbeginn fast 20 Prozent, für Stellantis rund 50 Prozent. Zu berücksichtigen ist im Ländervergleich zudem der insgesamt deutlich kleinere Gesamtmarkt: Im Juli wurden knapp 127.000 neue Autos zugelassen, das waren nicht einmal halb so viele wie in Deutschland.
