Wer einmal drinsitzt, möchte eigentlich nie wieder raus. Wenn man bis zu den Schultern im warmen Wasser versinkt und der Dampf aufsteigt, ist es im „heitur pottur“, dem heißen Pott, besonders gemütlich. In Vesturbæjarlaug, einem der beliebtesten ganzjährig geöffneten Freibäder Reykjavíks, befinden sich neben dem Schwimmbecken gleich mehrere von ihnen, kreisrund und mit wonnigen 38 bis 44 Grad Celsius Wassertemperatur.
Hot Pots sind eine Art Café der Isländer. Hier tauschen sie den neuesten Tratsch aus, diskutieren über die Weltlage oder relaxen still. Sitzt neben einem gerade ein Fischer, die erfolgreichste Schauspielerin des Landes oder die aktuelle Präsidentin? All das kann in Vesturbæjarlaug täglich passieren. Doch Berühmtheit wird unter den knapp 400.000 Isländern nicht so ernst genommen, und im Hot Pot sind ohnehin alle gleich.
Mitte Dezember wurde die isländische Badekultur offiziell in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. So wie in der Schweiz das Jodeln oder auf Kuba der Musikstil Son. „Islands Schwimmbadkultur ist untrennbar mit der Seele der Nation verbunden“, bekräftigte der ehemalige Staatspräsident Gúðni Th. Jóhannesson noch zu Amtszeiten in einem eigens für die UNESCO-Bewerbung produzierten Video. Darin steht Jóhannesson im Becken des kleinen Freibades Klébergslaug und gibt zu, dass er wie viele seiner Landsleute, anstatt Bahnen zu ziehen, gerne direkt in den Hot Pot steigt. Bei unserem Besuch in dem eher unbekannten Freibad am Rande der Hauptstadt geht es uns genauso.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Die meisten der 120 öffentlichen Schwimmanlagen auf der Vulkaninsel sind geothermal beheizte Freibäder. Das Wasser wird aus natürlichen, heißen Quellen gespeist, durch Rohre in die Becken geleitet und ständig erneuert. Selbst im Hochlandgebiet Kerlingarfjöll können Besucher des Highland Base Resorts in einer großzügigen Hot-Pot-Landschaft unter freiem Himmel entspannen und den Panoramablick auf die schneebedeckten Berge genießen.
Basecamp Skjól: Baden in den Bergen
In den Sommermonaten dauert die Anreise von Reykjavík mit dem eigenen Pkw einen halben Tag. Die restliche Zeit des Jahres holt ein Fahrer die Gäste vom Basecamp Skjól ab. Von dort aus schaukelt man in seinem 4 × 4-Superjeep stundenlang durch die von Gletschern umgebenen, scheinbar endlosen Weiten, bis plötzlich das Resort mit seinen A-förmigen Holzhütten auftaucht.

Früher kamen die Isländer hierher, um im Sommer Skifahren zu lernen. Zur Jahrtausendwende wurde der Betrieb eingestellt. Seit 2024 bietet das Highland Base unter anderem komfortable Hotelzimmer und sechs stilvoll designte Lodges an. Je nach Saison können die Besucher durch die von Rhyolithbergen geprägte Umgebung wandern oder Ski fahren. Der Pool ist jederzeit Anlaufstelle und an sternenklaren Nächten der beste Ort, um im wohlig warmen Wasser treibend die grünlich schimmernden Nordlichter zu beobachten.
Krossneslaug: abgelegen in den Westfjorden
Krossneslaug ist im Vergleich zum Resort einfach zu erreichen, zählt aber ebenfalls zu einem der abgelegensten Badeorte Islands. Das nächste, größere Dorf in den Westfjorden liegt rund 100 Kilometer entfernt. Krossneslaug wurde 1954 direkt an den Nordatlantikstrand gebaut, und so sehen Schwimmer vom Becken Seehunde und manchmal sogar Wale. Die vom stürmischen Wetter geprägte Anlage wurde zuletzt saniert und hat täglich von 8 bis 23 Uhr geöffnet. Da in der Region kaum Menschen leben, hört man vor allem Vogelgezwitscher und Meeresrauschen. Kommt doch mal ein Isländer vorbei, nickt man einander zu und begrüßt sich mit „Góðan daginn“. Keine Sorge, niemand erwartet die perfekte Aussprache. Der Versuch zählt.

Vök Bath: eintauchen in die isländische Lebensart
Das Vök Bath im Osten mag auf den ersten Blick einem typischen Touristenort ähneln, doch die weitläufige Badeanlage am Rande der Stadt Egilsstaðir ist auch bei der Stadtbevölkerung beliebt. Sie bekommen günstige Jahrespässe. Besucher haben auch dort die Gelegenheit, mit ihnen in die isländische Lebensart einzutauchen. Sei es beim spontanen Gespräch oder beherzten Sprung in den See, der im Winter teilweise zufriert.

Abgesehen von den traditionellen Schwimmbädern und Hot Pots investiert die Tourismusbranche zunehmend in Lagunen. Die Blaue Lagune, wo Isländer im milchigen Wasser inzwischen fast so selten sind wie ein Sechser im Lotto, begründete in den Neunzigerjahren den internationalen Erfolg Islands als Naturdestination. Sie wurde zu einem lukrativen Geschäftszweig, und da die Bláa Lónið nur wenige Kilometer vom Flughafen Keflavík entfernt liegt, nutzen Touristen sie als Zwischenstopp vor dem Weiterflug nach Nordamerika.
Laugarás Lagoon: die neueste Attraktion im Süden
Die neueste Attraktion im Süden Islands indes ist seit Ende Oktober Laugarás Lagoon. Das Thermalbad verfügt über Pools auf zwei Ebenen, die durch eine Treppe samt Wasserfall miteinander verbunden sind. Zum Gelände zählen zwei Saunen und Bars, die erfrischende Kräuterdrinks anbieten. Wir schauen beim Sonnenuntergang auf die sanften Hügel in der Ferne und die mit Lichterketten geschmückte Brücke über den Fluss.

Was diese Lagune außergewöhnlich macht, ist das dazugehörige Restaurant „Ylja“ des bekannten isländischen Kochs Gísli Matt. Von der cremigen Fischsuppe bis zum Fünf-Gänge-Menü, jedes Gericht aus regionalen Zutaten ist ausgezeichnet. Die Tomaten des Carpaccios stammen vom nahe gelegenen Gewächshaus – Geothermie hat also gleich mehrere Vorteile. Die Isländer wissen eben seit jeher das Beste aus ihren begrenzten Ressourcen zu machen.
Heißes Kulturgut: Baden auf Island
Reykjavík Allein Reykjavík und Umgebung verfügen über 18 geothermale Freibäder. Besitzer der Reykjavik City Card haben freien Eintritt ins Vesturbæjarlaug. Der Besuch des Klébergslaug ist für Kinder kostenlos, ein Erwachsener zahlt umgerechnet zehn Euro Eintritt.
Unterwegs Die neue Laugarás Lagoon liegt eine gute Autostunde östlich der Hauptstadt. Noch mal drei Stunden weiter sind es zum ebenfalls neuen Highland Base Resort. Der alte, aber sehr charmante Pool von Krossnesslaug in den Westfjorden ist bei den Einwohnern genauso beliebt wie das Vök Bath bei Egilsstaðir im Osten der Insel. Weitere Infos unter visiticeland.com
