
Apple hat vergangene Woche sein erstes faltbares Smartphone, das iPhone Duo, vorgestellt, für einen stolzen Preis von 2299 bis 3799 Euro. Zusammengeklappt hat es die Größe eines Reisepasses. Aufgefaltet erreicht der Bildschirm nahezu die Größe eines iPad Mini und ist in diesem Zustand den Angaben zufolge das dünnste iPhone des Konzerns, der seit Anfang September von John Ternus geleitet wird. Eine technische Weltneuheit ist das faltbare Handy nicht. Samsung hat seine Version schon 2019 vorgestellt, auch Huawei und Google haben solche Geräte im Angebot.
Der Markt für Falthandys ist bislang zwar klein, aber wachstumsstark. Zahlreiche Hersteller drängen in diese Nische, weil sie sich dank vergleichsweise hoher Verkaufspreise eine Verbesserung ihrer Gewinnmargen erhoffen. Diese sind durch den rasanten Anstieg der Preise für Komponenten wie Speicherchips unter Druck geraten.
Apple-Aktie: Großteil empfiehlt Kauf
Die Analysten zeigten sich von den Wachstumsaussichten der Apple-Aktie dennoch nicht uneingeschränkt überzeugt: 32 von 55 empfehlen laut dem Finanzinformationsdienstleister Bloomberg die Aktie zum Kauf, 17 rieten zum Halten und sechs zum Verkauf. Dem Kurs von 332,27 Dollar stand ein durchschnittliches Zwölf-Monats-Kursziel von 332,45 Dollar gegenüber. Die Apple-Aktie legte in den vergangenen zwölf Monaten etwa 40 Prozent zu.
Die höheren Preise für das iPhone 18 Pro und Pro Max seien ein Balanceakt, schreibt Samik Chatterjee, Analyst bei J.P. Morgan. Apple könne damit zwar gestiegene Speicherkosten weitergeben, müsse aber zugleich die Nachfrage schützen. Leasingangebote, hohe Eintauschprämien der Mobilfunkanbieter und Apples eigene Rückkaufprogramme könnten die monatliche Belastung für viele Kunden weitgehend stabil halten. Die Preisentscheidungen seien daher „unterstützend für einen positiven Volumenzyklus“, urteilt Chatterjee und stuft die Aktie mit „Overweight“ bei einem Kursziel von 340 Dollar ein.
KI wird als Schwäche gesehen
Die Schweizer Bank UBS bleibt beim faltbaren iPhone Duo vorsichtiger. Die Nachfrage dürfte zunächst vor allem von bestehenden Apple-Kunden kommen: „Es ist unwahrscheinlich, dass Duo Umsteiger anzieht“, schreibt der Analyst David Vogt. Zugleich rechnet die Bank mit einem starken Verkaufsstart von mehr als fünf Millionen Geräten und bewertet die Aktie mit „Neutral“, bei einem Kursziel von 296 Dollar.
Noch skeptischer ist Helena Wang von Phillip Securities Research. Sie erwartet zwar eine starke Nachfrage nach dem faltbaren iPhone Duo, vor allem wegen dessen Neuheitswerts. Die Nachhaltigkeit der Nachfrage zu den zunehmend hohen Preisen müsse sich allerdings erst noch zeigen, schreibt sie. Apple könne mit dem Duo zwar seine durchschnittlichen Verkaufspreise und den Produktmix verbessern, doch „KI bleibt der schwächere Teil der Apple-Investmentthese“. Bislang gebe es „keine klaren Belege dafür, dass Apple Intelligence die Geräte-Upgrades maßgeblich vorantreibt“. Deshalb hält Wang an ihrer Einstufung „Reduce“ fest, bei einem Kursziel von 300 Dollar.
Verschafft das iPhone Duo Apple neue Kunden?
Neben der überarbeiteten Version der digitalen Assistentin Siri präsentierte der Konzern spezielle Funktionen für Apple Watch und AirPods. Sie können Fremdsprachen in Echtzeit übersetzen, während die Uhr Körperdaten analysiert und auf mögliche Gesundheitsprobleme hinweist. In China und der EU sind die Funktionen wegen fehlender Freigaben und regulatorischer Hürden vorerst nicht verfügbar.
Die Analysten sind sich zwar weitgehend einig, dass Apple mit dem faltbaren Smartphone knapp 20 Jahre nach dem Erscheinen des ersten iPhones einen neuen Umsatztreiber schaffen kann. Uneinig sind sie jedoch darüber, ob daraus zusätzliches Geschäft entsteht oder ob bestehende Kunden lediglich von anderen Modellen wechseln.
