
Der deutsche Immobilienmarkt bleibt trotz geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten weitgehend stabil. Die Angebotspreise für Eigentumswohnungen setzen ihren Erholungskurs fort, wie das Vermittlungsportal Immoscout24 mitteilte. Demnach verzeichnen Bestandswohnungen den zweithöchsten Jahrespreisanstieg seit der Zinswende, und Neubauwohnungen erreichen wieder das Preisniveau von 2022. „Der Kaufmarkt zeigt im zweiten Quartal eine klare Stabilisierung“, sagte Immoscout24-Geschäftsführerin Gesa Crockford. Konstante Bauzinsen stützten die Nachfrage, besonders in Ballungsräumen und im ländlichen Raum. In den acht größten Metropolen stieg das Suchaufkommen zum Jahresanfang leicht um zwei Prozent.
Als Zeichen für mehr Nachfrage gilt auch ein schwindender Verhandlungsspielraum von Kaufinteressenten. Dieser definiert sich laut Studie durch die Differenz vom Angebots- zum tatsächlichen Kaufpreis und lag im Mai bei 5,8 Prozent, nach 6,9 Prozent vor einem Jahr. Während der Energiekrise infolge des Ukrainekriegs lag dieser Wert 2022/2023 wegen geringerer Nachfrage etwa in schlecht angebundenen Regionen bei bis zu 20 Prozent. „Von diesen Zeiten sind wir wieder weiter weg“, sagte Immoscout24-Mitarbeiter Kristian Kehlert. „Die Nachfrage kehrt zurück – nach einem kurzen Dip durch den Irankrieg.“
Auch der Mietmarkt belebt sich den Angaben zufolge. „In den Metropolen sind größere Mietwohnungen ab 80 Quadratmetern wieder stärker gefragt“, sagte Crockford. Vor allem Familien suchten aktiver, nachdem viele ihren Umzug wegen der Unsicherheit aufgeschoben hätten. „Gleichzeitig sehen wir, dass die Nebenkosten in unsanierten Bestandswohnungen stärker steigen als die Kaltmiete.“ Der energetische Zustand entscheide zunehmend darüber, was Wohnen für Mieter am Ende koste.
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) erwartet derweil, dass die Preise für selbst genutzte Wohnimmobilien in Deutschland ihren Aufwärtstrend fortsetzen und 2026 um rund drei Prozent steigen. Aber der Wohnungsmarkt bleibe angespannt, heißt es in einer BVR-Studie. „Aufgrund rückläufiger Wohnungsfertigstellungen wird der Wohnraumbedarf in diesem Jahr voraussichtlich nur zu rund 58 Prozent gedeckt.“ Zudem entstehe neuer Wohnraum nicht immer dort, wo er gebraucht werde. „Während in Ballungszentren weiter zusätzliche Wohnungen fehlen, kämpfen ländliche und demographisch rückläufige Regionen teils mit Leerstand.“
Immobilienpreise hätten sich in vielen Regionen stärker erhöht als die verfügbaren Einkommen. Im Durchschnitt seien die Preise für selbst genutztes Wohneigentum in Deutschland seit 2018 um rund sieben Prozent stärker gestiegen als die Einkommen, teilte der BVR mit. Besonders ungünstig falle die Entwicklung etwa im Süden Deutschlands aus, im Berliner Umland sowie in Teilen Nord- und Westdeutschlands. „Eine Überhitzung am Wohnimmobilienmarkt ist derzeit nicht erkennbar“, sagte BVR-Präsidentin Marija Kolak. Die Banken seien gut kapitalisiert, die Kreditstandards hoch, und Risiken würden wirksam gesteuert.
