Der Deutschlandfunk plant eine umfangreiche Programmreform und eine deutliche Veränderung des Sendeschemas. Aus den nun vorgestellten Plänen geht hervor, dass die bisher von Fachredaktionen erstellten Sendungen wie Tag für Tag, Büchermarkt oder Forschung aktuell abgeschafft werden sollen. Anstelle davon soll es neben den Informationsmagazinen längere Magazinsendungen geben – etwa zu allgemeinen Themen aus Kultur und Wissen.
Das neue Programm soll am 30. November starten. Fachredaktionen sollen in Zukunft mehr Beiträge für die täglichen Informationsmagazine liefern und Themen in längeren Hintergrund-Sendungen vertiefen.
Jona Teichmann, die Programmdirektorin des Deutschlandradios, sagte, die Reform solle »die Redaktionen entlasten und die Qualität des Programms sichern«. Ein Sparprogramm sei die geplante Reform aber nicht. »Wir schließen keine Redaktionen«, sagte sie. Bei den Neuerungen gehe es um eine bessere Verzahnung von Radio und Digitalem. Man verändere sich an einigen Stellen »damit wir bleiben, was wir sind.« Zudem sprach sie davon, dass sich der Sender von der Reform eine »stärkere publizistische Durchschlagskraft« erhoffe.
Reform soll Dialog mit dem Publikum stärken
Die Strategie sieht eine Verlängerung der Anrufsendungen am Vormittag vor. Sie sollen künftig eine halbe Stunde länger und damit zwei Stunden dauern. Das Programmschema sieht zudem vor, dass es künftig nicht an bestimmten Wochentagen ein
bestimmtes Thema wie etwa Medizin oder Wirtschaft geben soll. Die Sendungen sollen dann im Wechsel von den unterschiedlichen Fachredaktionen in Zusammenarbeit
mit einer neu eingerichteten Dialog-Redaktion gestaltet werden. Bettina Schmiedin, Redakteurin des Deutschlandfunks, sagte, die Hörerinnen und Hörer sollten sich mit
ihrem Blick auf die Themen stärker einbringen können als bisher.
Susanne Schwarzbach, die seit dem April Chefredakteurin des Deutschlandfunks ist, sagte, mit der Reform solle die »Einzigartigkeit
des Hauses« für die Zukunft gesichert werden. Diese Einzigartigkeit
wolle der Sender auch im Digitalen stärker zeigen. Sie sprach davon, dass ein erfolgreiches
Radioprogramm wichtig sei, es gehe aber auch darum, jüngere Menschen
besser zu erreichen, die mehr digital »on demand« hören würden.
Reformpläne stoßen auf Kritik
Die Reformpläne sorgen im Sender vor allem unter den freien Mitarbeitern für Unruhe. In einer Erklärung der Vertretung der freien Mitarbeiter und der Redakteursausschüsse, die der Nachrichtenagentur EPD vorliegt, ist die Rede von den »einschneidendsten
Veränderungen im DLF-Programm, die es je gegeben hat«. Befürchtet wird
eine »Mainstreamisierung und Verflachung des Programms«.
Programmdirektorin
Teichmann äußerte sich zu der Kritik: »Wir haben kein Interesse
daran, ein Mainstream-Programm zu werden.« Sie kündigte an, dass die
Verteilung der Themen beobachtet werden solle. »Abseitige Themen« sollen auch in Zukunft im Programm vorkommen.
Deutschlandradio-Intendant
Stefan Raue sagte, das neue Programmschema sei »keine Revolution«, die
Veränderungen seien allerdings für das »Hardcore-Deutschlandfunk-Publikum
tiefgehend«. Er sei dennoch zuversichtlich, dass auch diese Hörer im
neuen Programm alles wiederfinden würden, was sie gerne hören.
Der
Hörfunkrat, der der Reform nicht zustimmen muss, hat die
Geschäftsleitung aufgefordert, »nachvollziehbare und messbare Kriterien
festzulegen, um die Programmreform
transparent evaluieren zu können«. Das Aufsichtsgremium betonte, »die programmliche und von den Nutzenden sehr
geschätzte einzigartige DNA des Deutschlandfunks – insbesondere bezüglich Qualität, Fachlichkeit und Vielfalt« solle erhalten bleiben.
Der Deutschlandfunk
ist eines von drei Programmen des Deutschlandradios. Der
Informationssender erreicht laut der im März veröffentlichten
Media-Analyse täglich 2,52 Millionen Hörerinnen und Hörer und gehört zu
den zehn reichweitenstärksten Programmen in Deutschland.
