
Die Hinweise auf eine künftige Beteiligung der US-Regierung an KI-Unternehmen verdichten sich. Wie die „Financial Times“ jetzt berichtete, hat der ChatGPT-Entwickler Open AI Gespräche darüber geführt, der Regierung einen Anteil von fünf Prozent zu geben. Diese Diskussionen sollen noch in einem frühen Stadium sein, finden aber offenbar auf höchster Ebene statt. Dem Bericht zufolge hat Sam Altman, der Vorstandschef von Open AI, mit dem US-Präsidenten Donald Trump, Finanzminister Scott Bessent und Wirtschaftsminister Howard Lutnick über eine mögliche Staatsbeteiligung gesprochen. Open AI wurde zuletzt mit mehr als 850 Milliarden Dollar bewertet. Ein Fünf-Prozent-Anteil hätte also einen Wert von mehr als 42 Milliarden Dollar. Zu welchen Konditionen die US-Regierung den Anteil übernehmen könnte, ist unklar.
Nach Altmans Vorstellungen solle es eine solche Kapitalverflechtung der US-Regierung nicht nur mit Open AI, sondern auch mit Wettbewerbern im KI-Geschäft wie Anthropic, Google oder Meta geben. Ob diese Unternehmen ebenfalls offen für diese Idee wären, ist unklar. Gerade im Fall von Konzernen wie Google oder Meta, die jenseits von KI noch andere große Geschäftsfelder haben, wäre eine solche Transaktion womöglich auch um einiges komplizierter.
Über Staatsbeteiligungen an KI-Unternehmen wird in den USA in den vergangenen Wochen verstärkt gesprochen. Dies kommt in einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz immer mehr zum Politikum wird und die amerikanische Öffentlichkeit solchen Technologien zunehmend kritisch gegenübersteht. Dies hat mit Sorgen über etwaige Schattenseiten von KI zu tun, etwa Auswirkungen auf Arbeitsplätze oder dem hohen Energieverbrauch von KI-Rechenzentren. In einer Studie des Pew Research Center bewerteten die Befragten die Risiken von KI höher als den Nutzen. In einer Gallup-Umfrage sprachen sich 71 Prozent der Teilnehmer gegen den Bau eines Rechenzentrums in ihrer Region aus. KI ist auch ein prominentes Thema im Wahlkampf für die Zwischenwahlen im Herbst.
Trump: Beteiligung „schöne Sache“
Trump hat schon vor einigen Wochen bestätigt, mit KI-Unternehmen Gespräche über eine Staatsbeteiligung zu führen. Er beschrieb eine solche Partnerschaft als „schöne Sache“ und sagte, Amerikaner könnten so „vom Erfolg von KI profitieren“. Dies würde dazu führen, dass sie diesen Technologien wohlwollender gegenüberstehen.
Die Idee wird nicht nur von Republikanern wie Trump propagiert. Der politisch weit links stehende Senator Bernie Sanders von den Demokraten hat kürzlich einen Gesetzentwurf eingereicht, wonach Amerikaner über einen Staatsfonds einen Anteil von 50 Prozent an den größten KI-Unternehmen im Land bekommen würden. Sanders hat darin auch vorgeschlagen, dass größere Konglomerate wie Google oder Meta ihre KI-Aktivitäten vom Rest des Geschäfts abspalten.
Open AI und Anthropic haben selbst schon die Gründung eines staatlichen Fonds mit Anteilen an KI-Unternehmen angeregt. Open AI schrieb im April in einem industriepolitischen Positionspapier, von einem solchen Fonds könnten Gewinne direkt an Bürger verteilt werden, egal ob sie ansonsten an den Finanzmärkten investieren oder nicht. Dem Bericht in der „Financial Times“ zufolge hat Altman einen Fonds wie den „Permanent Fund“ in Alaska vorgeschlagen. Dieser Fonds verwaltet und investiert Einnahmen des US-Bundesstaats aus dem Ölgeschäft, und er schüttet jedes Jahr eine Dividende an die Einwohner aus. 2025 waren das 1000 Dollar je Person.
Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat sich die US-Regierung an einer ganzen Reihe von Unternehmen beteiligt. Sie übernahm zum Beispiel einen Anteil von knapp zehn Prozent am Chiphersteller Intel. Sie wurde auch Aktionärin von mehreren Rohstoffunternehmen und Spezialisten für Quantencomputer.
