In die Fußstapfen des Vaters zu treten, ist wohl nie einfach. Das gilt insbesondere, wenn dieser ein erfolgreicher Unternehmer ist. Matthias Weber trat 2017 die Nachfolge seines Vaters Peter Weber an, der 1991 den Medizintechnik- und Softwarehersteller Hasomed gegründet hatte. Sich vom Vater abzugrenzen, fällt Matthias Weber leicht. Sein Vater sei ein „Workaholic“ gewesen. 16 Stunden am Tag arbeiten? Undenkbar für den Sohn. „Meine drei Kinder und meine Frau stehen an erster Stelle“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z.
Weber präsentiert sich als moderner Chef, der Verantwortung abgeben kann: „Das Geschäft funktioniert im Zweifel auch mal ohne mich.“ Seinen 230 Beschäftigten will er möglichst viel Flexibilität und Freiraum bieten. Auch deswegen konnte Hasomed mehrmals Preise als attraktiver Arbeitgeber abräumen. Ebenso lässt der Blick in die Bilanz aufhorchen. 2024 wuchs der Umsatz um mehr als 54 Prozent auf etwa 34 Millionen Euro. Mit RehaCom, einem System zur computergestützten kognitiven Therapie, sieht sich Hasomed als Marktführer im deutschsprachigen Raum. Die Praxissoftware „Elefant“ sei die Nummer eins in Praxen für Psychotherapie hierzulande. Wie hat es das Familienunternehmen aus Magdeburg so weit gebracht?
Obwohl es im Jahr 1991 im hessischen Kronberg gegründet wurde, gehen noch heute wichtige Innovationen auf die Zeit nach dem Umzug 1980 von Thüringen nach Magdeburg zurück. Peter Weber, geboren in Thüringen, studierte Biomedizintechnik und leitete in den Achtzigern an der Medizinischen Akademie in Magdeburg die Medizintechnik und das Rechenzentrum. Damals entwickelte er die Grundlagen für das heutige RehaCom, das nach eigenen Angaben hierzulande in mehr als 80 Prozent der neurologischen Rehakliniken unter anderem im Kampf gegen Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen zum Einsatz kommt.
Chefposten nicht unbedingt ein Kindheitstraum
Matthias Weber, 1981 geboren, ist ein echtes „Magdeburgkind“, wie er selbst sagt. Zwar habe es schon in den Achtzigern einige Reisen nach Westdeutschland gegeben, aber Magdeburg verlassen habe die Familie nicht mehr. Nach der Wiedervereinigung gründete Peter Weber Hasomed. Weil sein wichtiger Partner und Geldgeber Jens-Uwe Engler in Kronberg im Taunus lebte, lag dort der damalige offizielle Hauptsitz des Unternehmens. Aber: „Wir als Familie waren immer Magdeburg“, betont Matthias Weber. 1995 wechselte auch der Hauptsitz in die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt.

„Es war vielleicht nicht mein Kindheitstraum, das Erbe meines Vaters anzutreten“, sagt Matthias Weber. „Aber in der Schulzeit habe ich jede Möglichkeit genutzt, um im Unternehmen Erfahrungen zu sammeln, auch in den Ferien.“ Unter anderem lernte er Löten. Später studierte er Elektrotechnik und stieg gegen Ende seiner Diplomarbeit in das Familienunternehmen ein. Hard- und Softwareentwicklung, Produktmanagement und dann im Jahr 2010 die Leitung der Entwicklungsabteilung: Matthias Weber hat sich Stück für Stück im Betrieb hochgearbeitet. Dann wartete eine besondere Aufgabe auf ihn.
Der Chefwechsel im Jahr 2017 sei alles andere als reibungslos verlaufen. Zwei unterschiedliche Führungsstile seien aufeinandergetroffen. „Mein Vater kannte jede Schraube, jedes Produkt, jeden Menschen und steckte inhaltlich unfassbar tief in der Materie“, sagt Matthias Weber. Kontrolle, schön und gut, dachte er sich. Doch nach der Übernahme sagte er sich: Ich mache das anders.
„Ich bin kein Workaholic“
„Ich bin ein Mensch, der seinen Beschäftigten viel Vertrauen schenken kann“, sagt er. Das erfordere auch einen gewissen Mut. „Ich bin kein Workaholic, denn die Familie ist mein wichtigster Energiegeber, und daher brauche ich Zeit für sie.“ Der neue Chef tauschte das Führungsteam aus. Sein Vater, heute noch Prokurist und Gesellschafter, habe sich erst allmählich aus dem operativen Geschäft verabschiedet. Keine leichte Zeit, sagt Weber. Aber eine sehr erfolgreiche.

Sein Vater habe schon früh engen beruflichen Kontakt zu Psychotherapeuten gepflegt, und als die Digitalisierung der Praxen anstand, sah Hasomed neue Chancen: „Wir sind vor allem durch die Weiterempfehlungen von Psychotherapeuten gewachsen“, erinnert sich Weber. „Die Stärke unserer Praxissoftware hat sich schnell herumgesprochen.“ Das bedeutet aber auch: Weber hält sensible Daten in seinen Händen. Datenschutz sei im Laufe der Jahre zunehmend anspruchsvoller geworden. Die Zahl der Hackerangriffe habe zugenommen, auch aus China und Russland – die Dunkelziffer sei hoch.
Ein wichtiger Faktor sei auch der Standort Magdeburg. Weber gibt zu: Früher habe man über die ostdeutsche Herkunft auf Messen bewusst geschwiegen. Das habe sich mittlerweile geändert. „Wir haben hier mit Elbe, Autobahnkreuz, Mittellandkanal und Wasserstoffversorgung eine geniale Infrastruktur“, sagt er. „Wir sind stolz auf Magdeburg und Sachsen-Anhalt.“
Ziel: Marktführerschaft im Bereich für Praxisverwaltungssysteme
Das behauptet auch die AfD von sich. Der Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt sieht den dortigen Landesverband als „gesichert rechtsextrem“ an. Die nächste Landtagswahl findet am 6. September statt – und die AfD steht aktuell in den Umfragen mit großem Abstand auf Platz eins. Weber möchte sich nicht direkt zur AfD und zur Landtagswahl äußern.
Nur so viel: „Ohne ausländische Fachkräfte hätten wir große Probleme“, sagt Weber. Deren Anteil an der Gesamtbelegschaft beziffert er auf mehr als zehn Prozent. Mittlerweile beliefert Hasomed nicht nur Kunden in Europa, sondern auch in den USA und Asien. Der Frauenanteil liege bei etwa 45 Prozent, manche Teams sprächen ausschließlich Englisch, und das Unternehmen verwendet auf seiner Internetseite geschlechtsneutrale Formulierungen. „Dieses weltoffene Umfeld bietet einen ganz besonderen Mehrwert“, sagt Weber. Daran will er festhalten.
Beibehalten will Weber auch seine ambitionierten Ziele für das Unternehmen. „Wir wollen der Marktführer im gesamten Bereich für Praxisverwaltungssysteme werden“, sagt er. Schon vor einiger Zeit hat Hasomed damit begonnen, für dieses Ziel die Investitionen deutlich aufzustocken. Doch das hatte seinen Preis: 2024 erwirtschaftete die Gruppe einen Jahresfehlbetrag von rund 124.800 Euro. Der Anteil des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen am Umsatz sank auf 2,7 Prozent (Ebitda-Marge). Im vergangenen Jahr wiederum steigerte Hasomed den Umsatz um mehr als 17 Prozent auf etwa 40 Millionen Euro. Die Marge sei zumindest nicht gesunken.
Wichtig ist für Weber: Auch in Zukunft soll Hasomed idealerweise ein familiengeführtes Unternehmen bleiben, das ohne Privat-Equity-Investoren auskommt. Auch seine Frau Antje ist im Unternehmen aktiv. Seine älteste Tochter hat sich für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre entschieden und denkt über ihr erstes eigenes Unternehmen nach. Die Voraussetzungen für den nächsten Generationenwechsel könnten also schlechter sein.
Das Unternehmen
Offiziell in Hessen 1991 von Peter Weber gegründet, versteht sich die Hasomed GmbH in Magdeburg bis heute als Medizintechnik- und Softwarespezialist. In der Mehrheit der deutschen Praxen für Psychotherapie ist Hasomed fest verankert. Die Software RehaCom kommt in mehr als 80 Prozent der neurologischen Kliniken unter anderem im Kampf gegen Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen zum Einsatz. Unter anderem hohe Investitionen drückten die Ebitda-Marge 2024 jedoch auf 2,7 Prozent. Der Umsatz betrug etwa 34 Millionen Euro.
