
Der Rekordsommer mit Temperaturen bis zu 40 Grad in Hessen hat dem heimischen Getränkehersteller Hassia gute Geschäfte beschert. Der geschäftsführende Gesellschafter Dirk Hinkel spricht von einer „sehr hohen Nachfrage nach unseren Produkten“. Demnach verkaufte das in Bad Vilbel ansässige Unternehmen besonders Mineralwässer gut und zudem sogenannte wassernahe Produkte. Darunter versteht die Branche etwa nur mit Geschmacksstoffen angereicherte Wässer ohne Zucker. Inwieweit auch die von Hassia angebotenen Säfte und Limonaden von der Hitze profitieren konnten, ließ Hinkel ebenso offen wie das Wachstum von Absatz und Umsatz im Vergleich zum Sommer vergangenen Jahres.
Dank frühzeitiger Investitionen in zusätzliche Lagerkapazitäten, moderne Abfüllanlagen und die Infrastruktur der einzelnen Standorte und einer vorausschauenden Planung einschließlich Vorräten von Mehrweggebinden sei das Familienunternehmen durchgehend lieferfähig gewesen. Um die hohe Nachfrage in einzelnen Phasen vollständig bedienen zu können, habe es an einigen Standorten ergänzend auch Wochenendschichten gefahren.
Hassia in Thüringen mit Vita Cola führend
Das Unternehmen führt im heimischen Raum unter anderem Mineralwässer wie Elisabethen Quelle, Rosbacher und Hassia im Sortiment, aber auch günstigere Marken wie Orion, Terra und das in Frankfurt-Berkersheim gewonnene Azur. Hinzu kommen die Bionade-Linie und Säfte von Rapp’s, aber auch Apfelwein von Blauer Bock und Der alte Hochstädter. Im Osten Deutschlands sind die Hessen mit Mineralwässern wie Güstrower, Lichtenauer und Thüringer Waldquell vertreten und in Thüringen führend mit dem Erfrischungsgetränk Vita Cola, einer schon in der DDR beliebten Marke.
Trotz der hohen Nachfrage bleibe das wirtschaftliche Umfeld für die Getränkeindustrie „äußerst herausfordernd“. Kriege, anfällige Lieferketten, eine anhaltend schwache Konsumstimmung und deutlich gestiegene Kosten für Energie, Rohstoffe, Logistik und Personal setzten die gesamte Branche unter erheblichen Druck. Vor diesem Hintergrund treiben Hinkel die Pläne der Bundesregierung zur Einführung einer Zuckersteuer im nächsten Jahr um. „In der aktuell vorgesehenen Ausgestaltung wird sie keinen gesundheitspolitischen Nutzen entfalten, dafür drohen aber zusätzliche Bürokratie, erhebliche Mehrkosten und Wettbewerbsnachteile für die betroffenen Unternehmen“, mahnt Hinkel. „Äußerst kritisch“ sieht er darum die geplante Zuckersteuer.
Hinkel: Zuckersteuer ein politischer Affront gegenüber Mittelstand
Allein für die Anpassung von Rezepturen und die Umgestaltung des Sortiments rechne Hassia mit zusätzlichen Belastungen in zweistelliger Millionenhöhe. Für mittelständische Familienunternehmen stelle dies einen erheblichen Eingriff in die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit dar. Besonders weitreichend wären die Auswirkungen auf das Mehrwegsystem. Da Mehrwegprodukte in den Geschäften stets zum Kistenpreis ausgezeichnet und üblicherweise auch kistenweise erworben werden, würde eine Zuckersteuer dort aufgrund der enormen Preissprünge besonders stark ins Gewicht fallen. Eine Kiste könnte um fünf bis sechs Euro teurer werden, teilte er der F.A.Z. mit.
Gerade der mehrweggeprägte Mittelstand, der über Jahrzehnte das einzigartige Mehrwegsystem mit hohen Millionenbeträgen in Deutschland aufgebaut hat, sähe sich nun mit erheblichen Wettbewerbsnachteilen konfrontiert. „Eine Schwächung des Mehrwegsystems sowie eine Mehrbelastung des Mittelstands dürften kaum im politischen Interesse liegen“, sagt Hinkel. Und: „Ein so weitreichender regulatorischer Eingriff ohne ausreichende Übergangsfristen und ohne jede Beteiligung der betroffenen Branche ist ignorant und ein politischer Affront gegenüber einem Wirtschaftszweig, der in Deutschland investiert, Arbeitsplätze schafft und Versorgungssicherheit gewährleistet.“
Der zur Frankfurter Radeberger/Binding-Gruppe zählende Hassia-Konkurrent Selters äußerte sich auf Anfrage nicht zum Geschäftsverlauf im Sommer. Er nenne keine Absatzmengen oder -entwicklungen einzelner Marken.
