Das Duell der europäischen Fußball-Großmächte in Dallas endete überraschend eindeutig. Im letzten Spiel dieser Weltmeisterschaft in der texanischen Metropole behielt Europameister Spanien mit 2:0 (1:0) gegen Turnierfavorit Frankreich die Oberhand. Auf der Tribüne sahen die Weltmeister von 2010 wie Sergio Ramos, Iker Casillas oder Carles Puyol vielleicht ihre möglichen Nachfolger. Einer von ihnen könnte der überragende Marc Cucurella sein, der dem Halbfinale mit einigen Rettungsaktionen seinen Stempel aufdrückte.
Seine erste Großtat vollbrachte der langmähnige Defensivspezialist, als es ihm Mitte der ersten Halbzeit gelang, ein ungenaues Zuspiel noch vor Überschreiten der Außenlinie zu retten. Wie wertvoll dieser Rettungseinsatz sein sollte, erwies sich nur wenige Sekunden später. Seine Flanke überflog die gesamte französische Abwehr. Lucas Digne unterschätzte die Hereingabe und übersah den hinter ihm lauernden Lamine Yamal.
Unglückliche Aktion von Digne führt zum Elfmeter
Dignes Versuch zu klären, endete so in einem Fiasko. Statt den Ball traf der Franzose den durchgestarteten Star des FC Barcelona. Schiedsrichter Ivan Barton aus El Salvador zeigte sofort auf den Punkt. Diese Chance ließ sich Mikel Oyarzabal nicht entgehen. Frankreichs Schlussmann Mike Maignan ahnte zwar die Ecke, der Strafstoß schlug aber unerreichbar zum 1:0 (22.) ins Netz seines Tores ein.
Die anschließende Trinkpause nutzte Frankreichs Trainer Didier Deschamps für einige Neujustierungen. Das führte immerhin dazu, dass seine bis dahin eher blasse Offensive jetzt erstmals Nadelstiche setzen konnte. Bradley Barcola zog seinen Abschluss über das Tor, knapper war es acht Minuten später, als Spaniens Schlussmann Unai Simon (42.) weit vor seinem Tor gegen den einmal frei durchgestarteten Kylian Mbappe in letzter Not retten konnte.
Die besseren Chancen aber hatte weiter das bestens organisiert auftretende Spanien. Erst verzog Pedro Porro, dann waren die Spanier acht Minuten später (42.) nach einem Ballverlust von Maignan hellwach. Über Dani Olmo landete eine blitzschnelle Kombination bei Yamal, dessen Zuspiel Fabián Ruiz nur knapp am Tor vorbeispitzelte.
Ein Doppelpass von Pedro Porro mit Dani Olmo
Deschamps brachte zum Auftakt der zweiten Hälfte Manu Koné für den gelbverwarnten Adrian Rabiot, doch die erste sehenswerte Aktion hatten abermals die Spanier. Yamal war rechts frei durch (51.), ließ den Ball zweimal auf dem Fuß tanzen, scheiterte dann aber an Maignan. Für den glücklosen Barcola kam nun Desire Doué. Trotzdem setzte Spanien weiter die Akzente. Ein Doppelpass von Pedro Porro mit Dani Olmo hebelte die französische Hintermannschaft aus. Porro stand plötzlich frei vor Maignan und schloss eiskalt zum 2:0 (58. Minute) ab.

Die Franzosen fanden gegen die strukturierte Ordnung des Europameisters kein Durchkommen. Vor den Augen des mehrfachen Sprint-Olympiasiegers Usain Bolt und weiteren 70.175 Zuschauern kamen die schnellen Angreifer von Les Bleus einfach nicht ins Spiel. Michael Olise scheiterte einige Male mit dem Versuch, mit Pässen die spanische Struktur aufzureißen. Kylian Mbappe versuchte es nun mehrfach im Alleingang, Ousmane Dembele gelangen zwar einige sehenswerte Zuspiele, doch insgesamt schien auch er keine Mittel zu finden.
Mit der zweiten Trinkpause endete der Auftritt des glücklosen Bayern-Profis Olise. Für ihn kam Rayan Cherki. Die bis dahin beste Chance der Franzosen hatte Mbappé (67.), der aus 16 Metern abzog. Doch Cucurella konnte wieder einmal im letzten Moment klären.
Wenig später hätte der eingewechselte Doué dem Spiel eine Wende geben können. Doch als Spaniens für einen Moment überspielter Torhüter Simon zurückeilte, wurde Doué zu hektisch. Die Chance verpuffte, und die französischen Mitspieler warfen frustriert die Arme in die Höhe. Und kurz vor dem Abpfiff war es erneut Cucurella, der dem einschussbereiten Mbappe den Ball vor den Füßen wegspitzelte.
Spanien trifft nun am Sonntag (21 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei MagentaTV) im Finale in East Rutherford (New Jersey) auf den Gewinner des zweiten Halbfinales von Atlanta. Dort stehen sich am Mittwoch (21 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, in der ARD und bei MagentaTV) Titelverteidiger Argentinien und England gegenüber.
Für Frankreich bleibt nur das kleine Finale am Samstag (21 Uhr MESZ) in Miami. Nach dem WM-Sieg 2018 in Russland und dem zweiten Platz in Qatar 2022 rutschte Les Bleus in der Hierarchie des Weltfußballs damit einen weiteren kleinen Schritt nach unten.
