
Es tut uns ja leid, Senhor Cristiano, aber bei diesem Turnier kann es nur einen geben. Im Rennen um den Titel als „GOAT“, den „Greatest Of All Times“, hat Lionel Messi mit drei Toren gegen Algerien vielleicht noch nicht uneinholbar vorgelegt, aber es bräuchte schon eine ziemlich erstaunliche Wendung, damit aus der aktuellen Generation noch ein anderer als der Argentinier einen Anspruch auf die Krone als „Größter aller Zeiten“ erheben dürfte.
Was aber nicht heißt, dass Messi auch schon einen anderen Titel sicher hätte: Wer der Größte bei diesem Turnier wird, der „Greatest Of This Tournament“ („GOTT“), ist noch nicht ausgemacht.
Das Besondere von Kane, Messi und Mbappé
Neben der Bewerbung Messis sind noch ein paar andere aussichtsreich in der ersten Runde eingegangen: von Kylian Mbappé, dem zweimaligen Torschützen im Spiel der Franzosen gegen Senegal (und Zweitbesten des Finales vor vier Jahren), von Harry Kane, dem zweimaligen Torschützen beim 4:2 der Engländer gegen Kroatien, von Erling Haaland, dem zweimaligen Torschützen beim 4:1 der Norweger gegen den Irak.
Die erste WM-Woche, das kann man sagen, ohne sich der Marktschreierei verdächtig zu machen, ist eine der Stars gewesen, die fast allesamt geliefert haben (im Falle Ronaldos allerdings nur einen Fado). Und bei den Deutschen? War, na klar, die Mannschaft der Star, auch wenn Kai Havertz als zweimaliger Torschütze aus dem 7:1 gegen Curaçao hervorgegangen ist. So haben es Generationen von jungen Fußballspielern aufgesogen, und so propagiert es auch der aktuelle Bundestrainer, selbst wenn er hier und da das Prädikat Weltklasse verleiht.
Aber wäre es nicht schön, wenn der deutsche Fußball auch mal wieder so einen hätte? Der nebenbei auch noch ein Typ ist, den alle Welt toll findet? Das ist ja, am Rande, das Besondere der Kanes, Messis und vielleicht auch Mbappés, dass sie ohne exaltiertes Verhalten zu dem geworden sind, was sie sind (sorry noch einmal, Senhor Cristiano).
Am ehesten in Frage käme dafür Florian Wirtz, vielleicht auch Havertz. Beide spielen in der besten Liga der Welt, beide haben ein Feingefühl im Fuß, mit dem sie sich vor niemandem verstecken müssen, beide wissen, wo das Tor steht, grundsätzlich. Dass ihnen etwas von dem fehlt, für das im deutschen Team fast allein der Altstar steht – Aura –, wäre dabei zu verschmerzen: Nette Jungs, aber ein bisschen nerdig.
Aber sportlich wäre es für die Mannschaft von Julian Nagelsmann schon sehr hilfreich, wenn von ihnen in den kommenden Wochen noch mehr von dem käme, was die Stars der anderen schon vorgemacht haben, auch gegen bessere Gegner.
Klar, Weltmeister kann man auch anders werden. Das haben die Deutschen schon vorgemacht, die Spanier ganz genauso. Womöglich ist es auch so, dass die erste WM-Runde am Ende nicht repräsentativ gewesen sein wird. Aber wahrscheinlicher ist etwas anderes: Dass dann doch der lacht, der einen hat, der Spiele auch mal allein entscheidet.
Der Star ist die Mannschaft? Schön und gut, aber inzwischen auch ein bisschen langweilig. Und bislang nicht der Trend dieser WM. Hier lautet das Motto – und das nicht nur, weil vor allem in den Vereinigten Staaten gespielt wird – ein bisschen anders und irgendwie erobernd: Der Star ist der Star. Deutsche Bewerbungen sind nicht aussichtslos – und per sofort willkommen.
