
Sagen Sie jetzt bloß nicht „Clara . . . wer?“ Mit diesem überheblichen Kommentar in Frageform lag die „Bild“-Zeitung schon bei Horst „Wer?“ Köhler schief, der danach schließlich Bundespräsident geworden ist. Auch im Falle von Clara von Nathusius würden wir das nicht mehr ausschließen, selbst wenn sie darauf nach geltendem Verfassungsrecht noch ein knappes Jahrzehnt warten muss, weil sie ja erst 31 ist.
Auf sich aufmerksam machte die Schatzmeisterin der Jungen Union aber schon jetzt mit einem Paukenschlag. Nein, nicht mit der Aufdeckung einer schwarzen Kasse und jüdischer Vermächtnisse, sondern mit der Feststellung, dass mit ihrem Parteivorsitzenden, im Nebenberuf Bundeskanzler, keine Wahlen mehr zu gewinnen seien.
Das hat die „CDU-Influencerin“ das Netz wissen lassen und ausführlich im „Bericht aus Berlin“ dargelegt, damit es auch die Generation Merz mitkriegt. Die hängt ja immer noch vor dem Fernseher rum und dem Irrlauben an, dass man die Demontage des Kanzlers dem politischen Gegner überlassen sollte – wo doch die SPD schon mehrfach vorgeführt hat, dass niemand den Mann an der Spitze so prima erledigen kann wie die eigene Partei.
Das „Statement“ der Ministerpräsidenten
Doch obwohl die ARD (die wie das Zweite immer vor dem Wind segelt, auch wenn der sich dreht) die einflussreiche Ausmerzerin zur besten Sendezeit präsentierte, verfing der Aufruf zum Aufstand gegen den Kanzler jedenfalls nicht bei den acht Männern, die das „Gemeinsame Statement der CDU-Ministerpräsidenten“ unterschrieben haben. Jedenfalls stateten sie, obwohl mitunter selbst schon politische Morituri, nur drei Tage später together, dass Deutschland jetzt die Geschlossenheit, die Tatkraft und einen klaren Kurs der deutschen Christdemokratie brauche und dass sie, die Ministerpräsidenten, „gemeinsam mit dem Bundeskanzler“ dazu beitragen würden.
Das konnte man nur als klare Unterstützung verstehen. Allerdings steht nirgends in dem Papier, welchem Kanzler sie zugesichert wird. Dem Bundeskanzler Merz? Einem Bundeskanzler Wüst? Einem Bundeskanzler Söder? Oder einer Bundeskanzlerin von Nathusius?
Wem letzterer Gedanke zu phantastisch vorkommt, den wollen wir daran erinnern, dass schon einmal eine vergleichsweise junge Frau Bundeskanzlerin geworden ist, nachdem sie den Übervater der CDU vom Denkmalsockel gestoßen hatte. Und nach Merz wurden bisher ja noch nicht einmal Dorfstraßen im Sauerland benannt.
Ist Merz „Du weißt schon wer“?
Auch das „Statement“ vermeidet den Namen Merz so sorgsam, als sei der Kanzler der Schwarze Lord, von dem nur noch als „Du weißt schon wer“ gesprochen werden darf. Ist das Statement vielleicht nur eine Finte, um Merz in Sicherheit zu wiegen? Hat er sich vielleicht am Sonntagabend nicht Unterstützer ins Adenauerhaus eingeladen, sondern Putschisten mit dem Dolch im Gewande? Sind die Glorreichen Acht der CDU vielleicht in Wirklichkeit „The Hateful Eight“?
Uns macht nicht nur das englische Wort „Statement“ stutzig, sondern auch, dass die Initiative für das Papier vom rheinland-pfälzischen Regierungschef Gordon Schnieder ausgegangen sein soll. Das ist der Bruder des vom Kanzler entlassenen Patrick Schnieder. Und die CDU-Leute in Mainz haben Merz ja Blutrache geschworen, wie es das noch einmal bekräftigte Statement belegt, sich nicht mit dem Kanzler treffen zu wollen, weil das „Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung“ fehle. Wer solche Parteifreunde hat, braucht die AfD nicht mehr zum Feind.
Aus vielem, was man seit Wochen in der CDU hört, spricht doch eine tiefe Sehnsucht nach der Opposition. Endlich keine Kompromisse mehr, nur noch die reine CDU-Lehre (auf die sich die Flügel der Partei freilich noch einigen müssten)! Sollen sich jetzt doch die anderen mit der AfD, mit Wagenknecht, Trump und Putin herumärgern! Gilt nicht auch weiter das Statement, dass es besser sei, nicht zu regieren, als schlecht zu regieren? Irgendwann in der Zukunft kann ja mal die Schatzmeisterin versuchen, es besser zu machen, falls es die CDU dann noch gibt.
