In der Reihe »Die Pflichtverteidigung« ergreifen wir das Wort für Personen, Tiere, Dinge oder Gewohnheiten, die mehrheitlich kritisiert und abgelehnt werden. Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 17/2026.

Der norwegische Theaterdichter Henrik Ibsen hat den Begriff
der Lebenslüge in seinem Stück Die Wildente von 1884 berühmt gemacht. Er
meinte damit eine Form der Selbsttäuschung, durch die jemand die Wahrheit
ausblendet, weil er oder sie eine Konfrontation mit der Wirklichkeit seelisch
nicht ertragen würde. Denn es ist immer heikel, mit einer Lebenslüge aufzuräumen,
weil man dann einräumen müsste, dass das ganze bisherige Leben verkehrt war –
und man nur sich selbst und der eigenen Verdrängungsbereitschaft dafür die
Schuld geben kann.