Die Plätze 44, 46, 48 und 50 – von 50. Was ähnlich klingt wie die Bilanz Deutschlands beim Eurovision Song Contest, ist in Wahrheit das Abschneiden der hessischen Rastplätze bei einem Test des ADAC. Verglichen wurden Parkplätze an Autobahnen in ganz Deutschland. Im Rahmen des Tests hat der ADAC 50 unbewirtschaftete Raststätten, also ohne Restaurant und ohne Tankstelle, an den 15 längsten Autobahnen in Deutschland begutachtet.
Auf dem letzten Platz: die Rastanlage „Am Stadtwald“ an der Autobahn 3 in Richtung Würzburg. „Das riecht man auch“, sagt ein Handwerker, der nach einem Kundentermin auf der Rastanlage in der Nähe von Neu-Isenburg eine Pause macht. Man kann sogar urteilen, dass es stinkt. Das WC-Häuschen an der Rastanlage ist nämlich geschlossen. Dem ADAC zufolge war das schon bei der Erhebung vor vier Jahren nicht anders. Zwischenzeitlich haben mobile Toiletten auf dem Parkplatz „Am Stadtwald“ gestanden. Doch diese sind mittlerweile auch wieder verschwunden. Immerhin steht ein Dachfenster der WC-Anlage offen. So besteht die Hoffnung, dass es in ihr nicht so streng riecht.
Man riecht, aus welcher Richtung der Wind weht
Am Gestank stört sich auch Lastwagenfahrer Lubo Popov. Mindestens zweimal in der Woche macht er auf der Rastanlage Pause, weil sie auf seiner Route liegt. „Ich habe ganz hinten geparkt, sogar da hat es schon gestunken“, sagt er. Nach seiner Meinung ist es die schlechteste Anlage der Umgebung. Außer dem geschlossenen WC kritisiert der ADAC, dass Parkplätze für Behinderte fehlen. Und dass es keine Lärmschutzwand gibt, um den Rastplatz von der Autobahn abzuschirmen.

„Ich wäre wirklich gern auf eine Toilette gegangen“, sagt ein Baden-Württemberger im Polohemd auf Dienstreise mit einem Schulterzucken. So bleibe nur der Zaun. Er ist zum ersten Mal hier. Dass ein Rastplatz so nah am größten deutschen Flughafen in einem solchen Zustand sei, habe ihn verwundert. Der Mann sagt aber auch: „Wenn man von außerhalb kommt, erwartet man, dass es in Frankfurt genau so aussieht.“
Viel Betrieb an hessischen Rastplätzen
Wieso gerade im Rhein-Main-Gebiet viele Autobahnraststätten in mangelhaftem Zustand seien, begründet der ADAC wie folgt: „Durch Hessen geht besonders viel Transitverkehr durch, wodurch die Rastplätze tendenziell höher frequentiert sind. Dadurch nehmen Abnutzung und Verschmutzung zu. Wird hier nicht entsprechend mit höheren Reinigungsintervallen und infrastrukturellen Maßnahmen reagiert, verdrecken die Anlagen noch weiter.“
Zuständig für die Instandhaltung der unbewirtschafteten Raststätten ist die Autobahn GmbH des Bundes. Doch ihr allein könne man auch nicht die gesamte Verantwortung zuschieben. Der ADAC sehe auch eine Mitverantwortung bei den Nutzern. Auch das zeigt sich „Am Stadtwald“. Dort gibt es regelrechte „Dreckecken“ hinter dem WC-Häuschen und am Zaun. Ein Lastwagenreifen und ein Leitpfosten liegen dort zwischen Essensresten, Konservendosen und Papiertaschentüchern.

Ein großes Schild ruft die Autofahrer dazu auf, Lebensmittelreste, vor allem Wurst und Fleisch, in die Mülltonnen zu entsorgen. Denn über Fleischreste könne sich die Afrikanische Schweinepest verbreiten. Die zahlreichen Aufkleber mit Emblemen von Fußballclubs an dem Schild, den Laternen und am WC-Häuschen, die von Bergamo bis Hamburg alles abdecken, zeugen vom regen Betrieb an der Raststätte – auch was Fußballbegeisterte angeht.
Aber auch die Autobahn GmbH müsse ihren Pflichten in Hessen und in anderen Bundesländern stärker nachkommen, fordert der ADAC: „Dafür müssen zukünftig auch mehr finanzielle Mittel bereitgestellt werden.“

Die Autobahn GmbH ist sich der Mängel bewusst und verspricht: „Viele der in die Jahre gekommenen Rastanlagen müssen schnell und umfassend modernisiert werden. Die Autobahn GmbH arbeitet mit Hochdruck an Verbesserungen.“ Zurzeit leere man die Mülleimer dreimal pro Woche, inklusive einer Müllsammlung im Umfeld der Tonne. Der Müll auf den Grünflächen werde zweimal pro Woche eingesammelt. Bei unvorhersehbarer Verschmutzung fänden zusätzliche Einsätze statt.
Das WC-Häuschen wird abgerissen
Nun möchte die Autobahn GmbH schon bald das Gelände noch öfter reinigen. Das WC-Gebäude wird allerdings geschlossen bleiben, weil es defekt ist und im nächsten Jahr abgerissen werden soll. Als Ersatz ist zunächst ein Toiletten-Container in Planung, wie ein Sprecher mitteilt.
Hohe Ansprüche an die Raststätten scheinen aber auch nur die wenigsten zu haben. „Ein Parkplatz ist nun mal ein Parkplatz“, sagt Markus, ein junger Mann auf der Durchreise von Köln in Richtung Alpen. „Ich habe schon wesentlich schlechtere gesehen“, fügt ein Motorradfahrer hinzu. Leid tun ihm vor allem Familien mit Kindern und Lkw-Fahrer, die Pausen machen müssen, wie er sagt. „Es fehlen schöne, schattige Plätze, an denen man sich auch hinsetzen kann. Die Rastplätze an deutschen Autobahnen sind eine Katastrophe.“ Das zeigt auch der Test des ADAC. Knapp zwei Drittel der Rastanlagen haben diesmal schlechter abgeschnitten als 2022.
Jörg ist gerade mit seinen beiden kleinen Söhnen auf dem Weg in den Urlaub. „Wir versuchen eigentlich immer, Raststätten mit Bewirtschaftung anzusteuern“, sagt der Familienvater. Diese seien meistens in einem besseren und saubereren Zustand. Auf dem Parkplatz habe er jetzt wegen seiner Kinder angehalten. „Sie haben es nicht mehr ausgehalten. Die beiden brauchten jetzt eine Pause. Noch mal würde ich hier aber nicht rausfahren“, sagt er. Mit seinen Söhnen geht er eine Runde durch die ungepflegte und ziemlich verdorrte Grünanlage. Für ein WC und eine etwas längere Pause werde er wohl an der nächsten Raststätte noch mal herausfahren.
