
Die neu geschaffene Paulskirchen-Professur für Demokratieforschung ist vergeben. Vom nächsten Wintersemester an wird der Demokratietheoretiker Volkan Çıdam ein Jahr lang an der Hochschule Rhein-Main forschen und lehren. Seine Stelle ist Teil des Programms „Stärkung der Demokratieforschung Hessen“.
Damit unterstützt das Wissenschaftsministerium exzellente Forschungsvorhaben an den Hochschulen, die in die Gesellschaft wirken, gut in der Praxis anwendbar sind und Forscher mit Akteuren der Praxis vernetzen. Gemeinsam mit Eva Waller, der Präsidentin der Wiesbadener Hochschule Rhein-Main, überreichte Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) am Donnerstag die Ernennungsurkunde.
Staatliche Repressionen
Mit Çıdam hole man einen herausragenden Demokratietheoretiker nach Hessen, erklärte der Minister. „Er setzt sich für Frieden und Demokratie in der Türkei ein. Dabei schreckten ihn auch nicht die häufig damit einhergehenden staatlichen Repressionen ab.“ Die Vergabe der Professur an ihn sei ein deutliches Zeichen für die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit.
Neben seiner fachlichen Eignung werde die Biographie politischer Dissidenz eine Inspiration für die Studenten, die Zivilgesellschaft und die Demokratie sein, meinte Waller. Mit der Paulskirchen-Professur wolle man dazu beitragen, dass die Hochschule und die demokratisch interessierte Öffentlichkeit näher zusammenrückten.
In Frankfurt promoviert
Volkan Çıdam ist 49 Jahre alt und türkischer Herkunft. Bis Ende 2025 lehrte er als Politikwissenschaftler an der Boğaziçi-Universität in Istanbul. Er forscht über den Zusammenhang von Demokratietheorie und Kritischer Theorie. Promoviert wurde Çıdam an der Goethe-Universität. Er vertritt und vermittelt das Erbe der Frankfurter Schule.
„Wir leben heute in einem globalen Zeitalter zunehmend autoritär regierter Staaten, in der Wissenschaft und Wissenschaftsfreiheit unter erheblichen Druck geraten“, stellte Çıdam fest. Auch in etablierten Demokratien seien solche Entwicklungen nicht ausgeschlossen. Eine zentrale Gegenstrategie bestehe darin, die gesellschaftliche Bedeutung der Wissenschaft praktisch sichtbar zu machen. Den Studenten solle man nicht nur analytische Kompetenzen vermitteln, sondern sie auch mit demokratischen Organisationen und politischen Auseinandersetzungen vertraut machen. An dieser Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis seien seine Veranstaltungen auf diese Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis ausgerichtet.
Neben der Lehre zur „Demokratie der Moderne“ und einem Forschungsprojekt zur „Dialektik der Erinnerung“ plant Çıdam, mit der Gastprofessur auch nach außen zu wirken. Er stellt sich etwa eine „Public Lecture“, ein Demokratiefestival und ein Gesprächsforum vor.
Als bleibendes Ergebnis der Gastprofessur soll ein Präventionskonzept für die Institutionalisierung von Demokratieförderung durch angewandte Wissenschaften entstehen. Als bleibendes Ergebnis der Gastprofessur soll ein Präventionskonzept für die Institutionalisierung von Demokratieförderung durch angewandte Wissenschaften entstehen.
