
Das Warten an zahlreichen Frankfurter Bushaltestellen hätte in den nächsten Monaten für Fahrgäste beinahe zum Vabanquespiel werden können. Der kommunalen Gesellschaft In-der-City-Bus GmbH (ICB), die mit ihren rund 200 Bussen für 34 Linien zuständig ist und damit die Hälfte des Busverkehrs in Frankfurt erbringt, fehlt es an Geld, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Frankfurts Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Die Grünen) hat deshalb den dringlichen Antrag gestellt, der Gesellschaft für dieses Jahr und bis Ende 2027 insgesamt knapp 30 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung zu stellen.
Es bestehe kurzfristiger Handlungsbedarf, „um eine weitere Verschärfung der wirtschaftlichen Situation der In-der-City-Bus GmbH zu vermeiden und die Verkehrsleistungen sicherzustellen“, teilte er mit. Der Magistrat ist dem Antrag schon gefolgt, in der nächsten Woche müssen nun noch die Stadtverordneten der Finanzspritze zustimmen. Das werden sie tun. Mit einer Überraschung ist nicht zu rechnen.
Teurer Kraftstoff treibt die Kosten
Doch wie konnte es so weit kommen? Der Mobilitätsdezernent nennt unvorhergesehene Engpässe beim Personal als einen Grund. Es fehlt an Fahrern. Doch in den Werkstätten soll das Personal ebenso knapp sein wie hinter dem Lenkrad. Die Busflotte sei überaltert, heißt es. Deshalb sind die Fahrzeuge reparaturanfälliger, häufig in den Werkstätten und fallen damit aus. Um einen stabilen Betrieb zu gewährleisten, hatte die ICB im vergangenen Jahr 17 gebrauchte Dieselbusse gekauft, von diesem Sommer an sollen weitere 52 geleaste Dieselbusse hinzukommen. Zudem besteht die Flotte aus verschiedensten Fahrzeugtypen, vom alten Dieselbus – einige sind seit 2007 im Einsatz – bis zu modernen Bussen, die mit Batterien oder Brennstoffzellen betrieben werden. Damit ausreichend Busse in Frankfurt fahren, hat die ICB auch Subunternehmer beauftragt. Dieser Schritt hat mehr Geld gekostet als eingebracht.
In der ohnehin angespannten Situation hat der Irankrieg mit den dadurch drastisch gestiegenen Preisen, insbesondere für Kraftstoffe, die Situation des städtischen Busunternehmens weiter verschärft. Die ICB-Geschäftsführung hat angesichts dieser Situation in den vergangenen Monaten auf die Kapitalreserven zurückgegriffen.
Für das städtische Unternehmen mit rund 730 Mitarbeitern kommt noch etwas erschwerend hinzu: Die Stadt treibt seit 2020 das Vorhaben voran, den derzeitigen Standort des Busbetriebshofs am Römerhof samt Werkstätten aufzugeben und auf dem Gelände einer früheren Baumschule an der Lorscher Straße in Rödelheim neu zu errichten. Damit verfolgt die Stadt zwei Interessen: Auf dem Gelände des Busbetriebshofs am Römerhof, der in Verlängerung des Europaviertels liegt, soll ein Neubaugebiet mit rund 1000 Wohnungen entstehen.
Neuer Betriebshof kommt erst 2029
Gleichzeitig soll die ICB in Rödelheim einen Betriebshof erhalten, der die technischen Möglichkeiten bietet, den gesamten Fuhrpark auf Elektrobusse umzustellen. Intern ist von einem E-Betriebshof die Rede. Denn laut Klimastrategie der Stadt sollen bald nur noch Elektrobusse durch Frankfurt fahren. Die Stadt verfolgt das ambitionierte Ziel, 2035 klimaneutral zu sein.
Doch der Bau des neuen Betriebshofs, der ebenso wie das Neubaugebiet am Römerhof von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG errichtet werden soll, verzögert sich. Ein Grund dafür sind Konflikte zwischen den Beteiligten. Die ABG wollte nur den Wert der Altsubstanz des Betriebshofs ersetzen, die ebenfalls städtische Verkehrsgesellschaft VGF als Eigentümerin der Anlage forderte mehr. 2020 hieß es, der neue Betriebshof könne 2023 genutzt werden, mittlerweile ist von 2029 die Rede.
Es bleibt dennoch die Frage, warum die Finanznöte der ICB, die seit 2014 eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Holding ist, nicht ebenso reibungslos gelöst werden wie bei der anderen Stadtwerke-Tochter, der VGF. Denn deren Verluste im Betrieb von Straßen- und U-Bahnen werden von der Holding jedes Jahr automatisch ausgeglichen. Das machen die Gewinne aus der Beteiligung am Energieversorger Mainova möglich. Dagegen ist die ICB an ein Vertragswerk gebunden, das ihr vorgibt, mit dem zu wirtschaften, was sie hat – gleichgültig, wie sich ihr Aufwand entwickelt. Die Finanzspritze der Stadt ist nur auf dem Weg einer sogenannten Dringlichkeitsvergabe möglich. Diese erlaubt es, ohne langwierige Verfahren auf eine Notlage zu reagieren.
