In diesem Café steht im Mittelpunkt, was der Name sagt: Kaffee eben. Im Schaufenster steht die Röstmaschine, an den Stehtischen drinnen und den flachen Holztischen draußen trinken Gäste Caffè Crema, Espresso, Cappuccino und Filterkaffee. Andere kaufen Bohnen und Pulver.
An der Theke stehen Anna und Mauricio Sáez del Castillo, die Inhaber, vor den chromglänzenden Schütten für die verschiedenen Sorten. Der Laden in dem kleinen Raum in der Oberurseler Vorstadt heißt wie die beiden: Café del Castillo. Ein Paar sind Anna und Mauricio seit etwa zehn Jahren nicht mehr, aber als Geschäftspartner haben sie die Scheidung mit Erfolg überstanden. Am Samstag feiern sie mit Stammgästen den 20. Jahrestag der Gründung im Frühling 2006. Mit Sekt, Kulinarik und natürlich Kaffee.

Kennengelernt haben sie einander 2003 in einem Café in Los Angeles. Sie war als Gast dort, er bediente an der Theke, erinnert sich Anna Sáez del Castillo. Nach ihrer Ausbildung als Köchin in Hamburg habe sie damals in den Vereinigten Staaten gearbeitet. Ihr späterer Mann, der aus Peru stammt, lebte dort, seit er 14 Jahre alt war. Deutsch sprach er noch nicht. Trotzdem entschied sich das Paar 2004, gemeinsam nach Frankfurt zu ziehen.
Die Café-Idee entstand, als im Elternhaus von Annas Großmutter in Oberursel ein Ladenlokal frei wurde. Die Betreiber der Eisdiele Pellegrin, nach dem Krieg eröffnet, wollten aus den Räumen ausziehen. Mit Hilfe der inzwischen verstorbenen Großeltern, denen das Haus damals gar nicht mehr gehörte, ersetzte das Gründerpaar die Einrichtung aus den Fünfzigerjahren durch erdfarbene Fliesen und eine neue Theke. Das Wandgemälde hat Mauricio Sáez del Castillo mit Pastellkreide gezeichnet. Es zeigt eine Frau mit einer riesigen Kaffeebohne in den Händen und einer Krone aus Kaffeeblättern auf dem Kopf.

Er kümmert sich auch um Auswahl und Einkauf der Kaffeesorten bei Kooperativen, kleinen Farmen und Fincas. Zum Beispiel beziehe er Kaffee, der in Costa Rica und Ruanda nach der Methode der sogenannten Honey-Aufbereitung hergestellt werde, sagt der Cafébetreiber. „Er wird nach dem Waschen aufgehäuft und langsam an der Luft getrocknet.“ Für die Hausmischung werden Bohnen aus Peru und Uganda kombiniert. An diesem Morgen können die Gäste außerdem zwischen Sorten aus Äthiopien und Guatemala wählen.
Am Anfang war das Café noch keine Rösterei, sondern ein Bistro. In dem Vorbereitungsraum hinter der Theke backten die beiden Quiche und belegten Panini. Den Kaffee ins Zentrum zu rücken entschieden sie nach einem Sommerabend im Hinterhof von Freunden, wie die Inhaberin sagt. Zunächst wollten sie in die dortige Garage eine Röstmaschine stellen. Aber ein Hersteller der Geräte habe ihnen geraten: „Stellt sie ins Schaufenster.“ So ist es gekommen, auch wenn dafür Tische geopfert werden mussten. Dreimal in der Woche werden die Kaffeebohnen geröstet.
Jetzt gibt es im Café del Castillo nichts Salziges mehr, stattdessen klassische Kaffeebegleiter. Die Croissants kommen als Teiglinge ins Haus, das Bananenbrot und die Kuchen backt die Chefin selbst. Ein Stammgast lobt das Stück Rhabarber-Streusel auf seinem Teller. „Der Zitronenkuchen ist auch sehr gut, aber den gibt es heute nicht.“ Ein Kuchen erinnert an die Geschichte des Hauses: Das Rezept stamme noch von Elise, dem Kindermädchen der Großmutter.
Seit der Corona-Zeit verkauft das Café auch italienische Herdkocher für Espresso, Kaffeefilter und Geschirr. Noch etwas hat sich geändert: Veganen und glutenfreien Kuchen backt Anna Sáez del Castillo erst seit ein paar Jahren. „Am Anfang hatten wir auch noch keine Hafermilch.“ 20 Jahre sind eben keine kurze Zeit. Das zeigt sich auch an den drei Söhnen der Geschäftspartner. Der älteste ist inzwischen ebenfalls 20.
