
Die politische Lage in Europa und das globale Zinsniveau belasten das Vertrauen der Anleger in den Euro. Am Montagmorgen fiel der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vortag auf 1,1161 Dollar und stand damit so tief wie seit Mai 2025 nicht mehr. Seit Ende August beläuft das Minus sich auf rund drei Prozent.
Im Tagesverlauf machte der Euro einige der Verluste wieder wett. Nach der Ankündigung des seit 2018 regierenden spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, Ende November Neuwahlen in Spanien abhalten zu wollen, verlor der Euro zum Dollar wieder merklich. Am Freitag war ein Reformprojekt der Regierung Sánchez im Parlament gescheitert, nachdem die katalanische Junts-Partei der sozialistischen Regierung ihre Unterstützung entzogen hatte.
Jochen Stanzl, der Chefanalyst der Consorsbank, verwies am Montag in einem Kommentar auch auf die zurückliegenden Landtagswahlen in Deutschland, auf die französischen Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühjahr und auf die anstehenden Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten als Quellen für Unsicherheit auch an den Börsen. „Im nächsten halben Jahr wird man als Anleger an dem Thema Politik nicht vorbeikommen“, schrieb Stanzl.
Währungshändler blicken nach Frankreich
Wichtig werden die politischen Entwicklungen vor dem Hintergrund zunehmend höherer Staatsanleiherenditen, die die Haushalte der verschiedenen Länder belasten. Anleger zweifeln vor allem an der Solidität des französischen Staatshaushaltes vor der Wahl 2027. Der Haushaltsentwurf der Regierung in Paris für das kommende Jahr enthält Ausgabenkürzungen und Sparmaßnahmen. Die Rendite der zehnjährigen französischen Staatsanleihe bewegte sich mit 4,918 Prozent am Montag in der Nähe ihres höchsten Standes seit 2008. „Und was wir an den Anleihemärkten sehen, wirkt sich auf den Euro aus“, sagte Kathleen Brooks, die Chefanalystin des Brokers XTB.
Chris Turner, ein Währungsstratege der ING Bank, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die Verluste des Euros im Vergleich zu anderen Währungen auf einen höheren Risikoaufschlag im Euroraum infolge der Haushaltsbeschwerden hinwiesen. Es bestehe die Möglichkeit, dass der Eurokurs bis zur Marke 1,10 Dollar nach unten ausschlägt.
Zinserwartungen gehen auseinander
Die vergleichsweise Stärke des Dollars wird auch mit den höheren Zinserwartungen in den USA erklärt. Wetten an der Börse Chicago, die Händler auf den Zinskorridor der amerikanischen Notenbank Fed abschließen, weisen derzeit auf drei weitere Zinsschritte bis zum Juli 2027 hin. Die andauernd hohe Inflation, getrieben durch die gestiegenen Ölpreise, könnte die Fed auf ihrem strengeren Zinskurs halten, obwohl der Arbeitsmarkt, den sie ebenso stabilisieren soll, zuletzt ein wenig schwächelte.
Dagegen sagte Philip Lane, der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), am Montag, dass die EZB nach ihren jüngsten Zinsschritten mit Augenmaß auf die Inflation im Euroraum reagieren wolle. Es wird erwartet, dass die Notenbank im Dezember noch einmal ihre Leitzinsen anheben wird. Auseinanderlaufende Zinsen in den USA und im Euroraum könnten den Dollar weiter stützen. Auch im Vergleich zu anderen Währungen wertete der Euro zuletzt ab. Gegen den Schweizer Franken verlor der Euro im Wochenvergleich 1,4 Prozent, gegen das britische Pfund 1,5 Prozent.
Von der Schwäche des Euros waren Börsenhändler am Montag nicht allzu sehr beeindruckt. Der Dax stand am frühen Nachmittag etwa 0,3 Prozent höher im Vergleich zum Vortag, wobei er seit Mitte der vergangenen Woche schon zur Erholung angesetzt hatte. Der schwache Euro sei für den Dax „Segen und Fluch“, schrieb Analyst Jochen Stanzl: Die meisten Unternehmen im Index profitierten zwar durch bessere Exportaussichten von einer Währungsabwertung. Gleichzeitig trage sie jedoch zu einer schon bestehenden politischen Unsicherheit bei, die internationale Investoren europäische Aktien meiden ließe.
