Wer in Wiesbaden ein Elektroauto fährt, hat immer mehr Möglichkeiten, dieses an öffentlichen Ladestationen mit Strom zu speisen. Die Landeshauptstadt hat ihre Ladeinfrastruktur in den vergangenen Jahren ausgebaut. Derzeit gibt es 1256 öffentliche Ladepunkte von insgesamt 43 Betreibern. Seitdem 2023 ein Konzessionsvertrag mit dem städtischen Energieunternehmen ESWE Versorgung geschlossen wurde, hat sich der Ausbau vervierfacht. „Das ist die stärkste Zubaurate aller kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland“, teilte das Unternehmen mit. Um den steigenden Strombedarf zu decken, wurde Mitte vergangener Woche mit dem Bau eines neuen Umspannwerks begonnen.
„Wir haben als Kommune die Verantwortung dafür, unseren Beitrag zu leisten, um die Klimaschutzziele zu erreichen“, sagte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD). Er wies darauf hin, dass der öffentliche Ausbau auch den Bürgern Elektromobilität zugänglich mache, die zur Miete wohnten und selbst keine Wallbox montieren könnten. ESWE Versorgung betreibt mittlerweile mehr als 2200 Ladepunkte in der Region, davon knapp 1050 öffentliche im Wiesbadener Stadtgebiet. 2023 hatte sich das Unternehmen in einer Ausschreibung durchgesetzt und die Ausbaukonzession erhalten. Sie sieht vor, bis 2030 insgesamt 800 neue Ladepunkte zu errichten.
Meilenstein im Ausbau der Ladepunkte erreicht
Bis zu diesem Sommer hat das Unternehmen schon 446 neue Ladepunkte an 151 Standorten mit 202 Ladestationen geschaffen und damit den gesetzten Meilenstein von 420 Ladepunkten übertroffen. An den Quellen in der Innenstadt neben der Burgstraße wurde am Freitag die neueste Ladestation vorgestellt. 2025 wurden an den ESWE-Stationen 238.000 Ladevorgänge registriert und insgesamt 4,7 Gigawattstunden Strom geladen.
Das Unternehmen hat nach Auskunft von Vorstandschef Jörg Höhler mehr als fünf Millionen Euro in die Infrastruktur investiert und schreibt eine „schwarze Null“. „ESWE Versorgung kann Infrastruktur, mit uns kommt Lebensqualität in die Stadt und wir treiben die Energiewende voran“, konstatierte Höhler, der nach eigener Aussage dabei „über das ganze Gesicht strahlte“. ESWE Versorgung befinde sich seit Jahren in der Umsetzung der Energie- und Wärmewende, so der Vorstandschef weiter.
Bau eines neuen Umspannwerks hat begonnen
Nach Auskunft von Jan Lenzen, Leiter Elektromobilität bei ESWE Versorgung, steht 2028 der nächste Meilenstein an: Bis dahin müssen 610 Ladepunkte gebaut sein. „Die Nachfrage und die Anforderungen an das Stromnetz steigen rasant“, ergänzte Vorstandsmitglied Oliver Malerius.
Um künftig den Bedarf sowohl am Behördenberg als auch eines erheblichen Teils in der Innenstadt zu decken, hat die Stadtwerke Wiesbaden Netz GmbH (SW Netz) mit dem Bau eines neuen Umspannwerks an der Hölderlinstraße begonnen. „Dieses Projekt bringt uns dem Ziel der Treibhausgasneutralität in der Landeshauptstadt wieder ein Stück näher“, sagte Peter Lautz, Geschäftsführer von SW Netz, zum Baubeginn.

Um die Entwicklung zu forcieren, investiert das städtische Unternehmen, das eine Tochter von ESWE Versorgung ist, 39 Millionen Euro, von denen etwa 20 Millionen für den Bau vorgesehen sind. 19 Millionen Euro sollen für die elektrotechnischen Komponenten verwendet werden. Darin enthalten sind rund vier Millionen Euro für die beiden Transformatoren und sechs Millionen Euro für die Hochspannungsschaltanlage. Weitere vier Millionen Euro soll die Mittelspannungsschaltanlage kosten. Projektpartner der SW Netz sind die Ingenieurgesellschaft „Schüßler-Plan“ aus Frankfurt und das Bauunternehmen Implenia Deutschland aus Raunheim.
Umspannwerke sind Knotenpunkte, an denen Strom aus dem Hochspannungsnetz (110.000 Volt), der etwa von Kraftwerken geliefert wird, in die benötigte Spannung (20.000 Volt) für das Mittelspannungsnetz der Stadt umgewandelt wird. Dafür sind Transformatoren zuständig. Im neuen Umspannwerk gehen zwei dieser Mittelleistungstransformatoren in Betrieb, deren Leistung ausreichen soll, um bis zu 20.000 Haushalte und Gewerbebetriebe mit Strom zu versorgen.
Das neue Gebäude wird über zwei oberirdische Stockwerke verfügen, drei Etagen werden unterirdisch gebaut. Erstmals im Versorgungsgebiet der SW Netz werden Schalter eingesetzt, die der neuen F-Gas-Verordnung entsprechen und daher vollständig auf das Treibhausgas Schwefelhexafluorid verzichten. Der Rohbau soll bis April 2028 fertig sein und der Betrieb Anfang 2031 aufgenommen werden.
Der Bau ist das erste von zahlreichen weiteren geplanten Projekten, die die SW Netz gemeinsam mit der Syna GmbH und der Mainzer Netze GmbH realisieren möchte. Die drei Unternehmen haben ein gemeinsames Konzept für das Hochspannungsnetz der Region entwickelt, welches nach Auskunft von Lautz nun sukzessive umgesetzt wird. Dazu zählt auch, weitere Einspeisestellen in die Hochspannungsnetze von Amprion und der Syna zu schaffen.
