Es sind Nachrichten, die so gar nicht in den Zeitgeist passen wollen. Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller verkündet: Fast zwei Drittel der neu zugelassenen Fahrzeuge haben in Deutschland einen Elektro-, Hybrid- oder Gasantrieb. Rein batterieelektrische Pkw machen inzwischen etwa ein Viertel der Neuwagen aus, eine Steigerung um sieben Prozentpunkte.
Auch im Heizungskeller tut sich Bemerkenswertes: 2025 war die Wärmepumpe erstmals die am häufigsten neu eingebaute Heizungsart, zeigt eine Umfrage dreier Forschungsinstitute. Der Einbau fossiler Heizkessel ist im vergangenen Jahr stark eingebrochen.
Das ist bemerkenswert, nachdem zuletzt eher der Eindruck entstand, die Energiewende werde verschoben. Die Bevölkerung macht sich weniger Sorgen um das Klima, zeigen Umfragen. Habecks Heizungsgesetz ist Geschichte. Das europäische Verbrenner-Aus ab 2035 wird wohl fallen, auf Drängen der deutschen Regierung. Die AfD will Windräder am liebsten wieder abreißen, mehr als ein Viertel der Deutschen würde sie trotzdem – oder gerade deshalb – wählen.
Das Elektrozeitalter ist hier
Klar, auch Subventionen dürften eine Rolle spielen: Mancher Käufer mag noch schnell bei der Wärmepumpe oder beim E-Auto zugreifen, bevor die Förderung gekürzt wird. Aber die deutschen Zahlen passen in einen weltweiten Trend, den der Kulturkampf um die Energiewende verdeckt. Schwellen- und Entwicklungsländer, allen voran China, elektrifizieren sich sogar schneller als der globale Norden, dank eines exponentiellen Ausbaus der Solarenergie. Das Elektrozeitalter ist hier. Man könnte sagen: Der Markt regelt’s.
Wer mit einer Wärmepumpe heize, zahle derzeit die niedrigsten Heizkosten, so formuliert es das Institut der Deutschen Wirtschaft in seiner Pressemitteilung – und man bekommt die Kühlung im Sommer gleich dazu.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Bei E-Autos sind die Nachteile überschaubar geworden. Der Reichweitenangst haben die Autobauer bessere Batterien entgegengesetzt, das Ladenetz ist dichter geworden. Je günstiger E-Autos werden und je teurer der fossile Sprit, desto mehr Autofahrer entscheiden sich aus reinem Eigennutz für den elektrischen Antrieb.
So funktioniert kreative Zerstörung. Eine neue Technologie kommt erst langsam im Markt an. Jahr für Jahr wird sie effizienter. Und dann geht alles plötzlich ganz schnell. Genau diese Wachstumskurve ist das Problem der deutschen Autobauer. In Deutschland haben sie den Bau von E-Autos zu früh hochgezogen, die Nachfrage war noch nicht da. Doch der Einbruch der Exporte ins E-Auto-Land China zeigt: Es wäre falsch, daraus zu schließen, dass das für immer so bleibt. In China kosten viele Elektroautos schon heute nicht mehr als Verbrenner. Dort wurden Subventionen zuletzt zurückgefahren.
Das Verbrennerverbot könnte egal werden
Das heißt auch: Ob Verbrennerautos oder Gasheizungen verboten werden, das könnte am Ende egal sein, weil 2035 eh kaum noch jemand diese alten Technologien kaufen will. Da verbeißen sich gerade zwei Lager in Debatten, die völlig ins Leere laufen. So eine These galt früher als blinder Technik-Optimismus, jetzt gibt die Wirklichkeit ihr recht. Und: So eine These ist auch politischer Realismus, weil sich nur so Mehrheiten für Klimaneutralität finden werden.
Ja, die Elektrifizierung hakt an vielen Ecken: Der Netzausbau ist ein Problem, Dunkelflauten auch. Aber der Trend ist klar: Die Zukunft ist elektrisch. Das gilt nicht nur für Verkehr und Wärme, sondern auch für Kampfdrohnen, humanoide Roboter und KI-Rechenzentren. Für Deutschlands Unternehmen heißt das: Wer die Elektrifizierung der Welt verschläft, wird abgehängt. Unternehmen wie Siemens oder Infineon verdienen viel Geld mit Anwendungen von Strom und bieten hier ein Positivbeispiel, die Autoindustrie eher nicht.
Für die Regierung heißt es: Sie muss vielleicht gar nicht mehr tun, als den schnellen Ausbau der Infrastruktur zu ermöglichen. Lange galt es als klimaschädlich, dem Markt freien Lauf zu lassen. Jetzt passiert gerade das Gegenteil. Deutschland kann sich jetzt auf diesen Wandel einlassen und ihn mitgestalten – oder es wird irgendwann überrollt.
