Wäre sie nicht 1997 tragisch so früh in Paris bei einem Autounfall gestorben, hätte das Königshaus in dieser Woche sicher gefeiert. Vielleicht nicht der König und die Königin (Camilla gäbe es vielleicht gar nicht als Ehefrau an der Seite von Charles III.), aber der eine oder andere hätte sicher am Mittwoch mit Diana auf ihren 65. Geburtstag angestoßen. Die Söhne womöglich sogar gemeinsam mit ihrer Mutter. Doch so blieb es merkwürdig still in London und auch in Kalifornien. Die Königsfamilie weilte zudem in Schottland, zur alljährlichen Holyrood Week, um diesen Landesteil des Königreichs und seine Bewohner besonders zu würdigen.
Dafür bekam der Monarch zunächst nach einer jahrhundertealten Tradition die Schlüssel der Stadt in Edinburgh überreicht, die er sogleich „in der festen Überzeugung“ zurückgab, „dass sie in keine besseren Hände gelegt werden können als in die des Lord Provost und der Stadträte meiner guten Stadt Edinburgh“. Der Lord Provost Robert Aldridge ist sozusagen der Bürgermeister der Stadt und damit auch für die königlichen Besucher verantwortlich.
Im Schloss in Edinburgh wohnte einst schon Maria Stuart
Der König wohnt in dieser Woche in Schottland in seiner offiziellen Residenz, dem Palast von Holyroodhouse. Dieser wurde 1128 als Kloster gegründet, bald aber schon zogen die ersten schottischen Könige mit ein, unter ihnen Maria Stuart, die Gegenspielerin von Elisabeth I. Die erste Gartenparty in Holyroodhouse veranstalteten die Urgroßeltern von Charles, König Georg V. und seine Frau Maria. Sie ließen auch vor gut 100 Jahren die ersten Badezimmer im Palast einbauen.

Charles III. und Camilla luden auch dieses Jahr wieder etwa 8000 handverlesene Schottinnen und Schotten zur Gartenparty ein. Zuvor hatte sich die Königin mit der Autorin Joanne K. Rowling getroffen, um mit ihr auf die Bedeutung des Lesens für Kinder aufmerksam zu machen. Die 60 Jahre alte Schriftstellerin ist zwar keine gebürtige Schottin, sie wurde 1960 in Yate unweit von Bristol in England geboren. Sie lebt aber schon seit 1993 in Edinburgh und hat dort auch ihre „Harry Potter“-Bücher geschrieben, unter anderem im durch sie berühmt gewordenen Café „The Elephant House“.
Camilla will das Lesen von Kindern fördern
Camilla hatte 2023 ein wohltätiges Leseprojekt begründet, The Queen’s Reading Room. Die Idee dazu hatte sie während der Zeit der Corona-Lockdowns. Zugleich will sich die Achtundsiebzigjährige gegen das Analphabetentum einsetzen. Man teile „eine gemeinsame Leidenschaft für Bücher und ein tiefes Engagement dafür, dass Kinder zum Vergnügen lesen“, teilte der Palast zu dem Treffen der beiden mit. „Ihre Majestät und Frau Rowling sprachen darüber, wie wichtig es ist, jungen Menschen den Zugang zu Büchern zu ermöglichen, und über die entscheidende Rolle, die das Lesen dabei spielt, künftigen Generationen Türen zu öffnen.“
Nach Schottland reiste allerdings zunächst nicht die ganze Königsfamilie. Thronfolger William kümmerte sich um eine seiner Wohltätigkeitsorganisationen in London, die er ebenfalls 2023 gegründet hatte. Mit seiner Initiative Homewards (nach Hause) will er Obdachlosen im Königreich helfen, nach offiziellen Schätzungen gibt es rund 300.000 im Land. Obdachlosigkeit sei kein individuelles Versagen, sagte William in einer Rede am Dienstag. Zuvor hatte er geholfen, Wohnungen für Obdachlose einzurichten. Es sei ein systemischer Misserfolg. „Und wenn Systeme dazu beitragen, das Problem zu erschaffen, können Systeme auch dazu beitragen, es zu verhindern.“
Am Dienstag hieß es auch, Catherine und William würden nicht zur Hochzeit des Jahres von Taylor Swift und Travis Kelce reisen, die an diesem Wochenende im Madison Square Garden in New York stattfinden soll. William selbst hatte im Mai in einer Radiosendung geflachst, dass er hoffe, eine Einladung zu bekommen. Doch sollte inzwischen eine Einladung im Palast angekommen sein, so scheinen der Prinz von Wales und seine Frau diese nicht angenommen zu haben.

Taylor Swift und der Prinz kennen sich schon lange: So waren die beiden zusammen mit Jon Bon Jovi 2013 bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung für obdachlose Jugendliche im Londoner Kensington-Palast aufgetreten und hatten dabei den Achtzigerjahrehit „Livin’ On A Prayer“ gesungen. Zudem feierte William vor zwei Jahren seinen 42. Geburtstag bei einem Konzert der Popsängerin im Wembley-Stadion mit seinen Kindern George und Charlotte und traf dabei auch hinter der Bühne Swifts zukünftigen Mann Travis Kelce.
Geburtstagsfeier in Griechenland
Ein besonders enges Verhältnis hat das britische Königshaus mit dem griechischen. Williams Großvater Prinz Philip entstammte der griechischen Königsfamilie, Williams Patenonkel war der letzte griechische König Konstantin II., und William selbst ist Patenonkel von Prinz Konstantin Alexios, dem ältesten Sohn von Kronprinz Paul von Griechenland. Paul, der Sohn von Konstantin und Anne-Marie, der jüngsten Schwester von Königin Margrethe II. von Dänemark, hat fünf Kinder mit Marie-Chantal, der Tochter eines amerikanischen Milliardärs.
Die Familie ist erst seit anderthalb Jahren wieder zurück in Griechenland. Aus dem Exil durften sie nur heimkehren, nachdem sie auf die republikanische Verfassung ihren Treueschwur geleistet hatten. Zudem mussten sie einen einfachen Nachnamen annehmen: Sie heißen nun schlicht „von Griechenland“. Am Dienstag wurde groß gefeiert: Der Jüngste der Familie, Aristidis Stavros von Griechenland, beging seinen 18. Geburtstag und wurde volljährig. Glückwünsche der englischen Verwandtschaft durften da natürlich nicht fehlen.
William ist zum Traditionalisten geworden
Dianas 65. Geburtstag hingegen wurde offiziell mit keiner Silbe erwähnt. William, in Schottland bekannt als Herzog von Rothesay, nahm an einem Gottesdienst in der St.-Giles-Kathedrale in Edinburgh teil, zu Ehren des Distelordens. Der zweithöchste britische Ritterorden ist die höchste Auszeichnung in Schottland, auch der Thronfolger trug die vorgegebene tiefgrüne Samtrobe und den schwarzen Hut, der mit extravaganten weißen Straußenfedern besäumt ist.

Damit fügte sich William wie immer ganz dem Protokoll. Er ist zum Traditionalisten geworden, anders als seine Mutter Diana einst und sein Bruder Harry jetzt. Ausreißer gab es schon immer im Königshaus. Ausgerechnet Prinzessin Margaret rümpfte in ihrem späteren Leben die Nase über Prinzessin Diana, als diese anfing, Interviews über ihre gescheiterte Ehe und ihre Seitensprünge zu geben. Dabei hatte Elisabeths Schwester selbst für einige der größten Skandale gesorgt, etwa als sie in den Fünfzigerjahren den geschiedenen königlichen Stallmeister Oberst Peter Townsend ehelichen wollte.
Schließlich heiratete sie im Mai 1960 den Fotografen Antony Armstrong-Jones, den späteren Lord Snowdon. Es war die erste königliche Hochzeit, die auch im Fernsehen übertragen wurde. Mehr als 300 Millionen Menschen auf der ganzen Welt verfolgten die Vermählung in London. Danach ging es mit der königlichen Yacht Britannia in die Karibik in die mehrwöchigen Flitterwochen.

Was damals niemand ahnte: Genau in dieser Zeit kam in Großbritannien ein Mädchen zur Welt und bekam den Namen Polly Fry. Angeblich war Jeremy Fry der Vater, die Mutter Camilla (nicht die heutige Königin!) war eine enge Freundin von Armstrong-Jones, der wiederum Patenonkel von Polly wurde. Erst fast 50 Jahre später zeigte ein DNA-Test, dass Margarets Mann noch kurz vor der Verlobung im Oktober 1959 mit Camilla Fry das Kind gezeugt hatte.
