Hat sich die Landwirtschaft auch grundlegend gewandelt, bleibt eines doch bestehen: der Beerfelder Pferdemarkt. Seit 125 Jahren lädt die Gemeinde im südlichen Odenwald zu dem Züchtertreffen. Allerdings kam man anno 1901 an einem Tag und ausschließlich zum Viehhandel sowie einer gut dotierten Prämierung zusammen, wohingegen heute an vier Tagen gefeiert wird und die Tiere nur noch sehenswertes Beiwerk sind. Das Hauptprogramm bilden nun Gewerbeschau, Fahrgeschäfte, Kleinkunst, Krammarkt, Musik aller Couleur und als Höhepunkt ein gut besetztes Reit- und Springturnier.
Gleichwohl, der Handel gehört auf der „größten und vielseitigsten Zuchtviehschau Hessens“ noch immer dazu. Mehr als 400 Pferde, Ponys, Rinder, Schafe und Ziegen werden am frühen Montagmorgen aufgetrieben und nach alter Väter Sitte per Handschlag veräußert – nicht anders als von der „Hochgräflich Erbach-Fürstenauischen Viehmarkts-Ordnung“ für einen der früheren Märkte 1802 festgelegt. Ein „Kontract“ war demnach erst gültig, wenn beide Parteien ausdrücklich zustimmten. „Mithin darf das einseitige Zuschlagen nicht vor hinreichend gehalten werden, noch weniger kann aus einem hinterlistigen Fangen des andren eine Verbindlichkeit gezogen werden.“

Diese Satzung der Erbacher Grafen hat für Beerfelden, das jetzt Hauptort der 2018 zur drittgrößten Flächengemeinde Hessens zusammengefügten Kommune Oberzent ist, nicht nur eine allgemeine sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung. Unschätzbar ist vor allem der dokumentarische Wert. Das Schriftstück hat als eines der wenigen die verheerende Feuersbrunst von 1810 überdauert. Dem Brand fiel das Archiv ebenso zum Opfer wie fast die gesamte Altstadt mit ihren 230 Häusern. Das heutige Ortsbild, einschließlich der beherrschenden Pfarrkirche und des schmucken Zwölf-Röhren-Brunnens der Mümling-Quelle, ist kaum 200 Jahre alt.
Dank seiner außerstädtischen Lage blieb die Rarität eines dreischläfrigen – sprich: dreiseitigen – Galgens erhalten. Sechs Missetäter hätte man gleichzeitig an dem 1597 im „toskanischen Stil“ errichteten Hochgerüst aufknüpfen können. Das letzte Todesurteil wurde vermutlich 1804 vollstreckt. Doch so grausam waren die Zeiten im Odenwald nicht. Als wesentlicher galt die Abschreckung der weithin sichtbar errichteten Galgen. Ob das die Ehrlichkeit auf den Viehmärkten beförderte, harrt noch der Aufklärung.
Wegbeschreibung
Innerorts von Beerfelden bestehen ausreichend Parkmöglichkeiten, etwa rund um die Pfarrkirche. Alternativ – insbesondere während des Pferdemarktes – bietet die große Stellfläche am „Galgen“ eine Ausweichmöglichkeit. Auch wenn man im Zentrum startet, führt die Auftakt-Markierung grünes Dreieck daran vorbei, nachdem sie via Fußweg neben der Airlenbacher Straße durch offenen Flur heraufgekommen ist.
Linden und Sitzgruppen nehmen der Richtstätte etwas von ihrer Schaurigkeit. Lediglich die Westseite lässt erkennen, dass die frei stehende Richtstätte ihre Intention nicht verfehlt haben dürfte. Dahinter quert man mit dem Dreieck den Parkplatz und läuft gut 200 Meter neben der Landstraße, bis das Zeichen geradeaus in den Wald weist. Zwischen luftigen Laubbäumen geht es hinab in das langgestreckte Dörfchen Airlenbach.
Dass es sehr viel älter sein muss als die Bebauung, zeigt der acht Meter messende Stammesumfang der sogenannten Dicken Eiche an einer Straßengabelung. Über Jahrhunderte wurde der 600 bis 800 Jahre alte Baum gehegt und zuletzt mehrfach um schweres Geäst erleichtert, ehe er 2012 endgültig gekappt werden musste. Schon aus Achtung vor dem dortigen Gefallenen-Ehrenmal beließ man den Stumpf und umgab ihn mit einem begehbaren Holzgerüst.

Für Eichen scheint der sandige Untergrund ein guter Nährboden zu sein, wie später wiederholt zu sehen ist. Zunächst, unverändert mit dem Dreieck, kreuzt man die Straße und gewinnt in Fichtenwald an Höhe. Nach einem Rechtsbogen findet es einige Hundert Meter weiter wieder hinaus und zielt mit Blick zum neueren Teil Airlenbachs zwischen Wiesen und Getreidefeldern – dabei einmal rechts und einmal links abbiegend – leicht ansteigend auf den nächsten Forst.
Auch hier umfangen erst Fichten, fortgesetzt nach dem überraschenden Rechtsbogen in einen holprigen, von Altholz gesäumten Pfad. Kaum 250 Meter wechselt man vom Dreieck zum blauen Quadrat. Links ab, hat es dann die schöne Aufgabe, durch einen regelrechten Zauberwald zu leiten. Quasi als Torwächter flankieren prachtvolle Eichen den breiten Weg, bevor sich eine Szenerie öffnet, deren einzige Konstante der Wandel ist. Auf Buchen folgen Kiefern und Fichten, bereichert von kleinen Biotopen und großen Heidelbeer-Teppichen.
Laufen zwischen hüfthohem Farn
Das Ganze steigern regelrechte Farnwälder, besonders wenn man nach knapp drei Kilometern links zum kreuzenden gelben Punkt stößt. Zwischen hüfthohem Farn muss man sich hindurchschlängeln, und auch beim weiteren Abstieg gebietet das rutschige Geläuf erhöhte Aufmerksamkeit. Faktisch bis zu den Häuserzeilen von Falken-Gesäß im Finkenbachtal erstreckt sich der urtümliche Pfad.
Wurde ein größeres Feuchtgebiet passiert, steht man an der einzigen Durchgangsstraße und damit vor der Frage, um rund zwei Kilometer zu verkürzen, dann folgt man dem gelben Punkt, oder eine Schleife über die Ruine der Wallfahrtskapelle am Leonhardshof anzuhängen. In diesem Fall wäre die Kombination FG 2 – rechts ab – maßgeblich. Sie gilt auch, wenn ausgangs von Falken-Gesäß eine entsprechende Richtungsangabe auftaucht.
Bei beiden Varianten muss kräftig geklettert werden. Beeindruckender als die Ruinenreste dürfte die Lage des Weilers Leonhardshof sein. Gleich einem Gebirgsnest klammern sich die wenigen Häuser an den Steilhang, wobei Leerstand und halb verfallene Scheunen für sich sprechen. Die bis zur Reformation aufgesuchte, dem Schutzheiligen des Viehs, Leonhard, geweihte Kapelle ist allerdings von oben leichter erreichbar. Die teilrestaurierten Mauern liegen etwas versteckt nahe dem angezeigten Leonhardsbrunnen.
Zur Fortsetzung verlässt man die bergseitige Häuserzeile links gen nahen Wald. Zu FG 2 treten nun gelbe 5 und S 6 (grün). Sie sind relevant, wenn weiter oben die Straße gequert wurde zum Anschluss an Punkt und Kreuz (beide blau). Bald kommt auch der gelbe Punkt der Abkürzenden hinzu, und gemeinsam strebt man einem auffallenden Hain links der Straße entgegen. Darin verbirgt sich eine ungewöhnlich große Gefallenen-Gedenkstätte beider Weltkriege und des Deutsch-/Französischen Kriegs von 1870/71.
Ausgangs wechselt man über die Landstraße und hält in Richtung Friedhof auf Beerfelden zu. Die Straße weist direkt ins Zentrum, so man nicht etwas vorher mit der Gabelsberger Straße hinauf zum Galgen läuft.
Anfahrt
Von Norden erfolgt die Zufahrt über die B 45. Da die Sperrung bei Bad König Umleitungen erfordert, wäre auch die westliche Richtung eine Option: auf der A 5 zur Ausfahrt Heppenheim, dann auf der B 460 bis zum Rechtsabzweig in Hüttenthal.
Obwohl Hauptort der drittgrößten Gemeinde Hessens, ist Beerfelden kaum mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Die beste Verbindung wäre über Mannheim und Eberbach (S 1), weiter mit dem „Natourbus“ gen Michelstadt.
Sehenswert
Wegen eines verheerenden Brandes 1810 besitzt Beerfelden keine historische Substanz. Augenfällig sind die klassizistische Pfarrkirche, ein Saalbau in exponierter Lage, und der Zwölf-Röhren-Brunnen der Mümling-Quelle. Erhalten blieb der außerhalb stehende Galgen von 1597. Das dreiseitige Hochgerüst mit sechs Meter hohen Säulen im „toskanischen Stil“ zählt zu den bedeutendsten Rechtsdenkmälern Deutschlands. Seit der Reformation war die dem heiligen Leonhard geweihte Wallfahrtskapelle im gleichnamigen Weiler verschwunden. Dank jüngerer Grabungen ließen sich die Grundmauern wiederherstellen.
Öffnungszeiten
Der Pferdemarkt von Beerfelden (10. bis 13. Juli) beginnt am Freitagmittag mit einem Familienfest und endet mit einem Höhenfeuerwerk am Montag (Programm unter: www.stadt-oberzent.de). Das Museum der Region hat am Festsonntag von 14 bis 16.30 Uhr – sowie donnerstags – geöffnet. Im nahen Marbach-Stausee darf an der Südseite kostenfrei gebadet werden.
