Nathaniel Brown: Der Bundestrainer gab dem Frankfurter auf der Position des linken Verteidigers schon am Tag vor dem Spiel das Vertrauen vor dem vorherigen Stammspieler David Raum, am Spieltag rechtfertigte Brown das vollauf. Darf die Ecken von rechts mit links treten. Eine davon landete beim 2:1 präzise auf dem Kopf von Nico Schlotterbeck. Leitete auch das 3:1 mit einem Rückpass auf Felix Nmecha, der im Strafraum gefoult wurde, ein. Krönte seine starke Leistung mit einem Volleytor mit rechts zum 5:1.
Nico Schlotterbeck: Agierte erst ähnlich unglücklich wie beim Start der WM 2022, als er bei der Niederlage gegen Japan patzte. Beim Gegentreffer wehrte er den Ball erst durch halbherziges Eingreifen zum Gegner ab, dann legte er Livano Comenencia den Ball auf. Wurde jedoch auch auf der anderen Seite gefährlich. Als erster Zielspieler bei Freistößen und Ecken scheiterte er am Torwart, traf danach zum 2:1. War aber auch mal für einen Fehlpass gut.
Jonathan Tah: Strahlte nicht immer die Autorität aus, die ein Abwehrchef ausstrahlen sollte, gerade, wenn der Gegner Curaçao heißt. Wirkte teilweise ein wenig langsam im Kopf und in den Beinen und diskutierte lieber mit dem Schiedsrichter-Assistenten als dem Gegner nachzulaufen. Sein leichtsinniger Ballverlust führte zum ersten gefährlichen Vorstoß von Curaçao.
Joshua Kimmich: Der Kapitän hat schon bessere Spiele gemacht und selbst wenn er als Rechtsverteidiger im System des Bundestrainers immer wieder ins halbrechte Mittelfeld rückte, blieb das Gefühl, dass er manchmal zu weit weg vom Schuss ist. Hatte Pech, als er beim 1:1 für Neuer unhaltbar mit dem Knie abfälschte. Gewann dafür den Zweikampf mit dem Schiedsrichter, der ihm vor einer Flanke im Weg stand. Leitete später Jamal Musialas Tor ein, behielt danach den Überblick im Strafraum und legte Undav den Ball vor.
Aleksandar Pavlović: Übernahm wie gewohnt den defensiveren Part auf der Doppelsechs im defensiven Mittelfeld neben Felix Nmecha. Hatte mit den spielfreudigen Gegenspielern etwas Mühe. Ging aus dem Maschinenraum des Spiels ab und zu auch auf die Brücke. Sein Schuss mit links wurde noch abgeblockt. Leistete sich das ein oder andere unnötige Foul.
Felix Nmecha: Startete stark, wie aus der Vorbereitung gewohnt, ins Spiel und war fast folgerichtig der erste deutsche Torschütze der WM-Kampagne 2026. Sein Schlenzer nach Ablage von Florian Wirtz war unhaltbar. Verfehlte das zweite Tor wenig später nur knapp. Wurde vor dem Strafstoß nach einer geschickten Körpertäuschung gefoult. Seine Dynamik und seine Finten können noch zu einem wichtigen Faktor im deutschen Spiel werden.
Florian Wirtz: Hatte immer mal wieder unsaubere Aktionen in seinem Spiel, die sich ein WM-Star in spe nicht erlauben sollte. Dann jedoch brillierte er auch wieder durch die kleinen, feinen Ballkontakte, die simpel aussehen, aber doch so knifflig sind, wie die Ablage vor dem 1:0 auf Nmecha. Die starken Gegner, gegen die ein WM-Star glänzen muss, kommen. Bald.
Jamal Musiala: Der Bundestrainer bewertete einen Musiala bei 70 Prozent als besser als viele andere Spieler. Bei wie vielen Prozent ist Musiala ein Jahr nach seiner schweren Verletzung? Nicht bei 100. Versucht immer wieder, der Schlangenmensch von einst zu sein, aber die Bewegungen sind noch nicht so geschmeidig wie gewohnt. Dribbelte immer wieder munter drauflos, kam aber nicht immer mit Ball am Ziel an. Als er mal nicht dribbelte, sondern direkt schoss, fiel das 4:1. Positiv seine fleißige Mitarbeit in der Defensive.
Leroy Sané: Zeigte, warum eigentlich Lennart Karl die Wahl auf der Position des rechten Offensivspielers bei dieser WM hätte sein sollen. Wirkte in den Aktionen bisweilen unglücklich, haderte damit. Hackentricks sehen schön aus, sind aber gefährlich in der eigenen Hälfte, wenn der Ball beim Gegner landet. Hatte eine große Chance nach einer sehenswerten Ballannahme, schoss aber am Tor vorbei.
Deniz Undav: Kam nach gut einer Stunde Spielzeit für Musiala und nahm dessen Position hinter dem schleichenden Havertz ein. Der Quotenstürmer wurde seinem Ruf gerecht: eine Vorlage per Hacke auf Brown beim 5:1, ein Tor zum 6:1, als er Kimmichs Vorlage verwertete, eine Vorlage auf Havertz vor dem 7:1. Seine Quote: zehn Länderspiele, sieben Tore, vier Vorlagen.
David Raum: Löste Brown ab, damit der sich seinen verdienten Applaus in Houston abholen konnte. Wird aber vorerst keine Stammelf-Chance haben.
Leon Goretzka: Wurde für Nmecha eingewechselt, zeigte auf der Position auf der Doppelsechs mit offensiverer Ausrichtung indes nicht dessen Qualität. Verpasste ein spätes Tor, als die Hüfte beim abgelegten Ball nicht mitspielte.
Antonio Rüdiger: Kam für Abwehrchef Tah in die Partie, hatte gegen einen müden Gegner keine Aufgabe mehr zu lösen, die ihn besonders forderte.
Waldemar Anton: Der erste Ersatz des Kapitäns durfte ein paar WM-Minuten rechts hinten sammeln, als er für Kimmich spät ins Spiel kam.
