Wenn es früher, in den guten alten Zeiten, in die Sommerferien ging, war das für viele Deutsche immer auch ein Moment der Selbstbestätigung: Man war übers Jahr fleißig und tüchtig gewesen, jetzt konnte man es sich mit der harten D-Mark im Ausland gut gehen lassen. Gleichzeitig waren die Ferien auch ein Urlaub vom Über-Ich, vom inneren Disziplinkorsett, aus dem man ansonsten leider nicht rauskam. Umso mehr erfreute man sich im Ausland, das in diesem Sinne bereits in Italien anfing, an Chaos, Anarchie und Regellosigkeit. Wenn man ehrlich war, hatte man nach drei Wochen dann aber genug von dieser Farbigkeit und wusste es zu schätzen, dass in Deutschland die Dinge funktionierten.
