
„Ich kann ohne Keramik nicht leben.“ Dieser Leitspruch prägte Lore Kramers Wirken nach eigenen Worten für Jahrzehnte. Die Gestalterin und Denkerin, die im März 2026 im Alter von 99 Jahren starb, lehrte nach 1956 an der Offenbacher Werkkunstschule und später an der aus ihr hervorgegangenen Hochschule für Gestaltung (HfG). Zunächst leitete sie die dortige Keramikwerkstatt, 1974 wurde sie zur HfG-Professorin für Designgeschichte. Als Dozentin blieb sie an der Hochschule bis in die späten Neunzigerjahre präsent.
„Mein Bestreben war, gemeinsam mit den Studierenden die Werkstatt auf- und auszubauen und mit ihnen in den verschiedenen Techniken der keramischen Produktion zu arbeiten“, erinnerte Kramer sich später an ihre Anfänge an der Werkkunstschule. Studenten standen im Mittelpunkt der Lehre. „Ihre Neugierde wollte ich wecken, ihre Lust zu experimentieren“, schreibt Kramer im 2019 erschienenen Katalog zur Retrospektive auf ihr keramisches Werk im Frankfurter Museum Angewandte Kunst.
Im Design-Studienprogramm der neu geschaffenen HfG hatte Keramik dann keinen Platz mehr, Kramer konnte nur noch einen Tag in der Woche in der von ihr aufgebauten Werkstatt arbeiten. Parallel zu ihrer Professur gab sie dort Keramikkurse für Gaststudentinnen. Nach ihrer Emeritierung im Jahr 1988 wurde die Werkstatt aufgelöst.
„Wir hatten unsere Köpfe und Hände, verschiedene Tonmassen,
Tische und einen Ofen.“
MERJA HERZOG-HELLSTÉN, Leiterin des „Ceramic Art Lab“
