
Präsident Donald Trump hat in seinem unermüdlichen Bestreben, Autos für die amerikanische Bevölkerung zu verteuern, eine Erhöhung der vereinbarten Einfuhrzölle auf Fahrzeuge aus der EU von 15 auf 25 Prozent angekündigt. Irgendwann in dieser Woche soll die Zollerhöhung in Kraft treten. Trump begründet den Schritt damit, dass die Europäische Union das Handelsabkommen mit den USA verletzt habe. Was genau die EU aus Sicht des US-Präsidenten falsch gemacht hat, ist unklar. Trump hat es nicht verraten.
Wie immer bei diesem amerikanischen Präsidenten muss man die Möglichkeit einer Impulshandlung einkalkulieren. Trump hat sich über Bundeskanzler Friedrich Merz schwer geärgert, wie seine Beiträge auf Truth Social zeigen. Merz führt das Land, das von den Zöllen am stärksten betroffen wäre. Der Kanzler hatte vor einer Schülergruppe suggeriert, Iran besiege die Vereinigten Staaten am Verhandlungstisch mit seiner Verzögerungstaktik und blamiere damit Amerika.
Billigmodelle könnten vom US-Markt verschwinden
Die Analyse des Bundeskanzlers ist merkwürdig. Iran steht vor dem wirtschaftlichen Kollaps und hat keine Zeit zu verlieren. Ob überdies die deutsche Haltung richtig ist, sich aus einem Konflikt mit dem Schurkenstaat Iran herauszuhalten, der Israel bedroht, die westliche Wertegemeinschaft unterminieren will und freien Handel blockiert, ist ebenfalls höchst fraglich.
Andererseits ist Merz’ Analyse weder besonders unfreundlich noch übermäßig feindselig. Sie rechtfertigt keine Eskalation des Handelskonflikts. Die Verbündeten versuchen gerade, die Missstimmung zu entschärfen. Doch Trump hört nicht auf alte Freunde.
Zu denken geben müsste ihm aber, dass er mit seinem Protektionismus auch das zur Erneuerung anstehende nordamerikanische Freihandelsabkommen infrage stellt – und damit die Auswahl günstiger Autos in den Vereinigten Staaten einschränkt. Erste ausländische Hersteller warnen schon, Billigmodelle könnten vom amerikanischen Markt verschwinden, wenn das Freihandelsabkommen scheitert oder stark verwässert wird.
Trump beseitigt mitten in einer Erschwinglichkeitskrise den Wettbewerb, der die Preise in Schach hält. Es ist nicht sinnvoll, einen undiplomatischen Kanzler abzustrafen, indem man sich ins eigene Knie schießt.
