
Als Donald Trump im vergangenen Sommer den Bau eines neuen Ballsaals auf dem Gelände des Weißen Hauses ankündigte, war von einem Prestigeprojekt die Rede. Ziel sei eine „exquisite Erweiterung“ der vorhandenen Räume mit mehr als dreimal so vielen Sitzplätzen, hieß es. „Kunstvoll gestaltet“ und angemessen für Banketts zu Ehren von Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Der Secret Service werde die erforderlichen „Sicherheitsanpassungen“ vornehmen. Von einem unterirdischen Bunker oder Militäranlagen war damals keine Rede. Genau die zieht die amerikanische Regierung im Rechtsstreit nun aber als entscheidende Begründung heran.
Im Kampf darum, ob der Ballsaal weitergebaut werden darf, beruft sich das Weiße Haus plötzlich darauf, dass auf die Sicherheitsanlagen nicht verzichtet werden könne. In Gerichtsdokumenten hieß es jüngst, die Struktur des Gebäudes sei so geplant, „dass sie die darunterliegende militärische Anlage schützt“. Ein Baustopp verzögere dieses „unverzichtbare“ Projekt, ohne das Präsident Trump „sehr viel weniger sicher“ wäre. Der Bau sei „entscheidend für die nationale Sicherheit“ – und im Übrigen schon so weit fortgeschritten, dass keine „größere Änderungen“ mehr möglich seien. Im vergangenen Dezember soll Trump dem Fox-News-Moderator Jesse Watters noch gesagt haben, er baue den Ballsaal als „Denkmal“ für sich selbst, weil es sonst niemand tue.
„Praktisch unmöglich abzureißen“, sagt Trumps Regierung
Der National Trust for Historic Preservation, eine vom Kongress gegründete gemeinnützige Organisation für Denkmalschutz, die gegen den Bau geklagt hat, weist die jüngsten Erklärungen denn auch zurück. Der Fall liegt seit vergangenem Freitag vor dem Obersten Gerichtshof. Die Regierung will, dass der von einem unteren Gericht verhängte Baustopp ausgesetzt bleibt. Die Denkmalschutzorganisation fordert, dass das Oberste Gericht diesen Antrag ablehnt. Sie wirft Trump grundsätzlich vor, den Bau ohne Einverständnis des Kongresses vorangetrieben zu haben – eine Lesart, der das Berufungsgericht zustimmte. Aber die konkreten Bedenken beziehen sich dieser Tage auf das Projektmanagement.
In einem Schreiben an das Oberste Gericht in dieser Woche hieß es, die Regierung versuche, „der gerichtlichen Überprüfung zuvorzukommen“. Soll heißen: Sie wollten vor einer endgültigen Entscheidung Fakten schaffen. Die Organisation gibt an, schon während der laufenden Berufung sei der Bau beschleunigt worden mit einer Belegschaft von 250 Personen, die „zwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche“ arbeite. Auch aus den nächsten Schritten mache das Weiße Haus kein Geheimnis: Seit der einstweiligen Verfügung des Gerichts, die unmittelbar ausgesetzt wurde, sollten auf der Baustelle weitere 450 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut und 2300 Kubikmeter Beton gegossen werden.
Tatsächlich hat die Regierung selbst geäußert, es werde mitunter schwierig, müsste das Gebäude auf Anweisung eines Gerichts „tragischerweise“ abgerissen werden. So werde der „härteste und stärkste“ Beton wie in Atomkraftwerken verwendet. Der sei „praktisch unmöglich abzureißen“. Außerdem sei der Bau zu zwei Dritteln abgeschlossen. Das Projekt, versicherte Anwalt John Sauer weiter, komme jedoch keineswegs nur Trump zugute. Es werde erst einige Monate vor dem Ende seiner Amtszeit fertiggestellt, es profitierten also noch viele Präsidenten nach ihm davon.
Ein Luftschutzbunker und ein „hochmodernes Krankenhaus“
Der Ballsaal sollte nach ersten Angaben 200 Millionen Dollar kosten und ausschließlich durch Privatspenden finanziert werden. Wie die „Washington Post“ berichtete, kostet das Projekt inzwischen aber 600 Millionen Dollar, die zu mehr als der Hälfte vom amerikanischen Steuerzahler kommen. Ein jüngster Entwurf zeigt den weißen neoklassizistischen Säulenbau mit goldfarbenen Präsidentensiegeln an der Außenseite. Der Ballsaal selbst soll demnach beigefarbenen Marmorboden, üppige Kristallkronleuchter sowie goldene Decken- und Wandverzierungen enthalten. Trump setze die „längst überfälligen und notwendigen Renovierungsarbeiten“ am „Haus des Volkes“ fort, hieß es dazu.
Details zur Militäranlage fanden sich im Schreiben des Regierungsanwalts Sauer an das Oberste Gericht. Demnach soll die Stahl- und Betonkonstruktion unterirdisch noch fünf Stockwerke tief und gegen Drohnen- wie Raketenangriffe geschützt sein. Sie umfasse einen Luftschutzbunker, ein „hochmodernes Krankenhaus“, streng geheime militärische Anlagen, eine militärtaugliche Belüftungsanlage sowie Scharfschützenstellungen und einen Drohnenlandepunkt, um das Weiße Haus vor Angriffen aus der Luft zu schützen.
Vom Imponierprojekt für ausländische Gäste ist das Bauvorhaben für die Regierung zum Hochsicherheitsbunker geworden. Es handele sich um einen „Sicherheitsraum“ für den Präsidenten – sogar im Falle eines Atomangriffs.
