
Die Suche nach einem Investor für die insolvente Leuna Polyamid GmbH ist gescheitert. Für den Chemiepark Leuna ist das eine Zäsur. Für das mitteldeutsche Chemiedreieck ist es nach dem angekündigten Aus für drei Anlagen von Dow Chemical der nächste Rückschlag. Denn das größte Chemiewerk in Leuna wird nach einem neun Monate langen Existenzkampf nun doch abgewickelt. Die Aufträge für den Monat September sollen noch umgesetzt werden. Anfang Oktober werden die Anlagen heruntergefahren. Was danach mit den Anlagen passiert, ist noch offen. Spätestens zum Jahresende dürfte für den Großteil der 440 Beschäftigten aber Schluss sein.
An jedem Arbeitsplatz in der Chemie hängen in der Region etwa vier weitere Beschäftigte. Das Werk von Leuna Polyamid spielt als Abnehmer und Lieferant von Vorprodukten außerdem eine wichtige Rolle für andere Unternehmen im Chemieverbund. Der Chemieparkbetreiber Infraleuna, für den mit Leuna Polyamid einer der größten Kunden wegbricht, wird die Folgen als Erstes zu spüren bekommen. Die Infrastrukturleistungen, die Infraleuna auch für andere Unternehmen erbringt, dürften sich verteuern und die Wettbewerbsposition des Standorts weiter verschlechtern.
Die Gründe für das Aus von Leuna Polyamid sind vielfältig. Die Finanzierungsprobleme des früheren Eigentümers, der belgischen Domo Gruppe, hatten am ersten Weihnachtsfeiertag zu einem überraschenden Insolvenzantrag geführt. Das Land Sachsen-Anhalt sprang mit 80 Millionen Euro für die Finanzierung eines Notbetriebs ein. Anfang April übernahm Leuna Polyamid den Betrieb. Mitte Juni musste aber auch die von Infraleuna und Leuna Harze gegründete Auffanggesellschaft Insolvenz anmelden.
Die hohen Energie- und Rohstoffkosten setzten dem Unternehmen zu. Die Massenprodukte, die Leuna Polyamid etwa in die Automobilindustrie liefert, können sich im Wettbewerb mit Anbietern aus China nicht abheben. Dieser Befund gilt auch für andere Unternehmen der in Sachsen-Anhalt dominierenden Chemieindustrie. Die nächste Landesregierung wird das kaum beeinflussen können. Mit den Folgen für den Standort wird sie sich dennoch beschäftigen müssen. Die AfD erwähnt die Chemieindustrie in ihrem „Regierungsprogramm“ für Sachsen-Anhalt mit keinem Wort.
