
Der Bruder der vor 29 Jahren tödlich verunglückten Prinzessin Diana, Earl Charles Spencer, führt seinen publizistisch lukrativen Feldzug gegen das britische Königshaus fort. Er beharrt auch nach einem Dementi des Buckingham-Palastes darauf, der damalige Kronprinz und heutige König Charles habe nach dem Tod Dianas beteuert, sie werde „schnell genug vergessen“ sein. Earl Spencer, der jetzt eine Biographie Dianas verfasst hat, fügte jetzt noch hinzu, Charles habe in einem Telefonat kurz nach dem Tod seiner von ihm geschiedenen Gattin seltsam „aufgekratzt“ gewirkt, als habe er „gerade im Lotto gewonnen“.
Die Behauptungen des älteren Bruders Dianas haben seinem Buch in Großbritannien landesweite Aufmerksamkeit und viel zusätzliche Publicity beschert. Die Boulevardzeitung „Daily Mail“ druckt Auszüge aus dem Opus, das den Titel „Schwanengesang“ trägt, seit dem vergangenen Donnerstag ab. Graf Spencer, der seine Schwester auf seinem Stammsitz Althorp auf einer Insel im Teich bestattet hat – im Sommer kann das Anwesen gegen Eintritt besichtigt werden –, beteuerte mittlerweile, er habe schon kurz nach dem Wortwechsel mit Prinz Charles Freunden und Bekannten davon erzählt. Der bislang einzige Zeuge, der der bestätigt hat, Spencer habe ihm damals von einem solchen Verlauf des Telefonats berichtet, ist der Hofberichterstatter der „Daily Mail“.
„Schön. Geliebt. Gejagt.“
Der Bruder der einstigen Princess of Wales ist schon seit Längerem schriftstellerisch tätig. Zu seinen Werken zählen historische Abhandlungen, aber auch Persönliches. Sein vorheriges Buch handelte von seinem eigenen Missbrauch als englischer Internatsschüler. Sein Buch über seine Schwester Diana trägt den Untertitel: „Schön. Geliebt. Gejagt“. Alle Bücher Spencers lassen sich auf der Website seines Stammsitzes Althorp mit persönlicher Widmung des Autors bestellen.
Zum Todeszeitpunkt Dianas, die ein Jahr nach ihrer Scheidung vom damaligen Kronprinzen und heutigen König Charles am 31. August 1997 bei einem Autounfall in Paris ums Leben kam, lebte ihr Bruder in Südafrika. Bei der Trauerfeier in der Westminster Abbey hielt Charles Spencer eine Trauerrede, die seinen Ärger über die Medienjagd auf seine Schwester und sein Missfallen mit unzureichendem Mitgefühl des Königshauses zum Ausdruck brachte. Warum seine Biographie nun erst 29 Jahre später diese Ereignisse nachzeichnet, hat Spencer bislang nicht öffentlich begründet.
Stattdessen hat der Graf sein Mitgefühl nun auf weitere Mitglieder der Königsfamilie ausgedehnt, die vom größten Teil der britischen Boulevardpresse mit Häme und Kritik überzogen werden. In einem Interview mit der BBC, dass an seinem Familiensitz in Althorp geführt wurde, zog Spencer Parallelen zwischen der Behandlung seiner Schwester und des Herzogpaars von Sussex durch die Medien. Seine Schwester sei damals durch die Kritik der Presse „tief herabgezogen worden“. Heute sei es traurig, Echos davon bei der Behandlung Prinz Harrys und seiner Ehefrau Meghan zu sehen. Der Earl sagte der BBC, in der Presse herrsche die Annahme, er stehe auf der Seite Prinz Harrys. Stattdessen stehe er an der Seite beider Söhne seiner verstorbenen Schwester; „und wenn einer von beiden etwas braucht, dann bin ich für beide gleichermaßen da“.
