
Wäre der Vorwurf nicht so ernst, und wäre der unangezweifelte Ausgang der kommenden Wahlen nicht so wichtig – dann würde man wohl abwinken und sagen: Die AfD hört sich an wie eine kaputte Schallplatte. Seit den Wahlen unter der Corona-Pandemie 2020/2021 wiederholt die Partei beständig ihre unbewiesenen Verdächtigungen, die Briefwahl werde manipuliert. Da können Bundes- und Landeswahlleiter noch so oft die Vorwürfe als vollkommen gegenstandslos zurückweisen – vor der nächsten Wahl oder nach dem nächsten knappen Wahlausgang kommt garantiert wieder derselbe Text seitens der AfD.
Zehntausende beantragen Briefwahl in Sachsen-Anhalt
Deren Anhänger wählen laut Wahlforschern mehrheitlich im Wahllokal. Dass die Briefwahlergebnisse für die Partei darum weniger erfreulich ausfallen, macht sie für die AfD zum bevorzugten Angriffsziel. Wie sähe es wohl aus, verhielte sich die Sache andersherum?
Dabei fruchtet der Vorwurf nicht einmal. Denn die Zahl der Briefwähler steigt weiter, in Sachsen-Anhalt haben allein in Magdeburg und Halle schon rund 87.500 Bürger die Briefwahl beantragt. In Halle gingen mehr als 39.000 Anträge ein (bei 176.000 verschickten Wahlbenachrichtigungen); in der Wahl 2021 wurden rund 36.800 Briefwähler registriert. Wer würde noch per Brief wählen wollen, wenn er mit der Manipulation seiner Stimme rechnen müsste, wodurch oder durch wen auch immer? Das Vertrauen ist also nicht klein, sondern groß. Vielmehr müsste man fragen, warum immer mehr Bürger den Wahlakt nicht mehr im Wahllokal vollziehen wollen, so wie es eigentlich vorgesehen ist.
