
Mit dem Amtsantritt stehen Bundesverkehrsminister unter Druck, Druck auszuüben – auf die Deutsche Bahn, den großen Staatskonzern, dessen magere Pünktlichkeitswerte schon seit Jahren Anlass für Beschwerden geben.
Während der gerade ausgeschiedene Patrick Schnieder (CDU) im vergangenen Jahr noch drohte, bei der Führungsebene jetzt die „Korsettstangen“ einzuziehen, und wenig später den Bahn-Chef Richard Lutz entließ, versucht es sein Nachfolger Steffen Bilger, ebenfalls CDU und seit nicht einmal zwei Wochen im Amt, über die Bonus-Zahlungen.
Im Interview mit der „Bild am Sonntag“ kündigte Bilger Änderungen bei den variablen Bestandteilen der Vorstandsgehälter an. Der Bund werde bald eine Vereinbarung mit der Bahn treffen, wo es darum gehe, wie viel Geld der Bund zur Verfügung stelle für die Infrastruktur. Diese Vereinbarung enthielte auch klare Ziele, die die neue Vorstandschefin Evelyn Palla mit ihrem reduzierten Vorstandsteam erfüllen muss.
Bahnkunden und Steuerzahler mit Anspruch
„Es wird sich konkret auf die Bonuszahlungen von Bahnmanagern auswirken, wenn die Ziele, die der Bund vorgibt, nicht eingehalten werden“, sagte Bilger. „Ich finde, da haben die Bahnkunden und Steuerzahler einen Anspruch darauf, dass wirklich der Erfolg gemessen wird.“ Bilger stellte aber auch klar, dass „viele Beschäftigte bei der Bahn richtig gute Arbeit leisteten“.
Die Vergütung von Bahn-Managern hat in der Vergangenheit immer wieder für Irritationen gesorgt. Schon vor drei Jahren hat der zuständige Aufsichtsrat Anpassungen in den Arbeitsverträgen der Bahn-Manager vorgenommen, um die Pünktlichkeitswerte stärker berücksichtigen zu können. Neben einer Neustrukturierung von fixen und variablen Bestandteilen hat das Kontrollgremium darin auch erstmals „Dämpfungsfaktoren“ für die Boni vorgesehen, die zu deutlichen Gehaltseinbußen von bis zu 25 Prozent führen könnten.
Den Änderungen war eine harsche öffentliche Kritik vorangegangen, dass der Bahn-Vorstand wegen der guten Geschäftszahlen der Logistik-Tochtergesellschaft Schenker hohe Boni bekommen hat, obwohl die Pünktlichkeitsquote von 65 Prozent im vorangegangenen Jahr deutlich unterhalb der Zielmarke lag. Inzwischen ist Schenker verkauft, und die Pünktlichkeitswerte sind weiter deutlich gefallen.
Im Juni und Juli ist gerade einmal die Hälfte aller Züge mit einer Verspätung von weniger als sechs Minuten in den Zielbahnhof eingefahren. Die Bahn begründete dies mit „einer Reihe kleinerer und größerer Infrastrukturstörungen“. Generell verzeichne die Deutsche Bahn seit mehreren Monaten eine kontinuierliche Zunahme von Anlagenstörungen, außerdem sorgen die vielen Baustellen immer wieder für große Verzögerungen.
Schließlich habe sich auch die Hitzewelle negativ auf die Pünktlichkeit ausgewirkt. „Temperaturen von zeitweise mehr als 41 Grad belasteten die Verkehrsinfrastruktur erheblich“, betont der Staatskonzern. „Zugleich konnten Instandhaltungsarbeiten bei großer Hitze teilweise nicht wie geplant durchgeführt werden und mussten verschoben werden.“
In Zeiten des Klimawandels kommt die Infrastruktur Fachleuten zufolge stärker unter Druck als die in Südeuropa. So sei der in Deutschland verarbeitete Stahl stärker hitzeanfällig als etwa der in Spanien.
