
Susann E. muss nicht ins Gefängnis. Zwei Jahre auf Bewährung lautet das Urteil gegen die Unterstützerin der rechtsextremistischen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Das Oberlandesgericht Dresden (OLG) sprach sie der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und in einem Fall der Beihilfe zu einer schweren räuberischen Erpressung mit Waffen schuldig, setzte die Strafe jedoch zur Bewährung aus.
Die Anklage hatte argumentiert, dass die heute 45 Jahre alte Susann E. den NSU über Jahre logistisch unterstützt habe. Als seinerzeit engste Vertraute der NSU-Terroristin Beate Zschäpe habe sie damit dem NSU das Leben im Untergrund unter falscher Identität erheblich erleichtert. So habe sie nicht nur von den zahlreichen Raubüberfällen des NSU gewusst, sondern auch von den zehn rassistisch motivierten Morden.
Die Terroristen des NSU hatte in den Jahren zwischen 2000 und 2007 acht türkische und einen griechischen Gewerbetreibenden aus rassistischen Motiven ermordet sowie eine Polizistin, an deren Dienstwaffe sie gelangen wollten. Zudem verübten sie zwei Bombenanschläge in Köln, bei denen zahlreiche Menschen verletzt wurden, und fünfzehn Banküberfälle.
Die Täter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt töteten sich 2011 nach einem missglückten Banküberfall in Eisenach, um der Verhaftung durch die Polizei zu entgehen. Beate Zschäpe, überlebendes drittes Mitglied des NSU, wurde im Juli 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Während ihres Lebens im Untergrund war die verurteilte Susann E. die einzige Vertraute von Zschäpe, die auch in der konspirativen Wohnung des Trios in Zwickau oft zu Gast war. Sie stellte Zschäpe ihren Personalausweis zur Verfügung, mit dem sie etwa Campingurlaube für das Trio auf der Ostseeinsel Fehmarn buchte. Auch ließ sich Zschäpe mit der Krankenkassenkarte von E. beim Zahnarzt behandeln.
Susann E. fuhr zudem Zschäpe und Böhnhardt zu einem Verleih von Wohnmobilen, wo sie das Fahrzeug mieteten, das der NSU beim letzten Raubüberfall im November 2011 verwendete. Auch eine Bahncard, die Zschäpe benutzte, und ein Ausweis für eine Videothek liefen auf den Namen von Susann E. Das Terrortrio bedankte sich bei Familie E. mit Geschenken, unter anderem eine Stereoanlage und Reise zum Disneyland Paris im Wert von mehr als 900 Euro.
