Der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume (CSU), hat die Absage einer Gedenkveranstaltung bei den Bayreuther Festspielen kritisiert. »Ich erwarte von der Festspielleitung, dass sie eine Lösung für die
Veranstaltung findet und zeigt: Im Kampf gegen Antisemitismus stehen wir
zusammen«, sagte er. Der Umgang der Festspiele mit diesem Thema »war leider mehr als unglücklich in den letzten Tagen«, sagte Blume.
Zuvor hatte die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde für München und
Oberbayern, Charlotte Knobloch, die Entscheidung verurteilt. »Diese Absage ist auf jeder Ebene eine Bankrotterklärung«, sagte sie.
Knobloch: »Faktisch eine Ausladung Friedmans«
Bei der abgesagten Veranstaltung hätte der jüdische Publizist Michel Friedman eine Rede über Antisemitismus und die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit halten sollen. In Bayreuth war von einer Verschiebung aus Sicherheitsgründen die Rede. An dieser Begründung gibt es indes Zweifel. Auch Blume sagte dem ZDF: »Mich überzeugt diese Begründung nicht völlig.«
Knobloch sagte: »Bei der vermeintlichen Verschiebung handelt es
sich faktisch um nichts anderes als eine Ausladung Friedmans durch die
Festspielleitung.« Durch die Begründung mit »Sicherheitsbedenken« würde man ihm obendrein noch indirekt die Verantwortung zuschieben. »Mir fehlen die
Worte, um meine Wut und Enttäuschung auszudrücken«, sagte die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Die Festspielleitung habe eine Gelegenheit zur
Aufarbeitung ihrer eigenen NS-Vergangenheit nicht nur verpasst, sondern
»auch für die Zukunft erheblich erschwert«.
Antisemitismusbeauftragter warnt vor den Folgen
Auch der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle zeigte sich über die Entscheidung »deutlich irritiert«. Die Absage sei unverständlich. Es sei möglich, die Sicherheit für eine solche Veranstaltung zu gewährleisten, sagte er. »Die Veranstalter müssen sich über die Folgen einer möglichen
Terminverlegung im Klaren sein: Die Aufmerksamkeit zu einem Zeitpunkt
außerhalb der Festspielzeit dürfte dann deutlich geringer ausfallen.« Das schade dem
Anliegen einer kritischen Aufarbeitung erheblich.
Friedman selbst hatte die Entscheidung der Festspielleitung bereits kritisiert. »Ich mag es nicht, wenn man die Öffentlichkeit und mich für
dumm verkauft«, sagte er der Süddeutschen Zeitung. »Die Ernsthaftigkeit, sich mit dem Antisemiten Wagner auseinanderzusetzen, ist durch diese Absage ad absurdum geführt«, sagte er demnach weiter.
