Ein Bahnhofsgelände so zu gestalten, dass Einheimische und Fremde dort gern ankommen und sich aufhalten, braucht viele Partner und viele Jahre. Das ist gerade in Kronberg zu beobachten, einer Stadt mit 19.000 Einwohnern im hessischen Hochtaunuskreis. Sechs Baufelder gibt es rund um die Endhaltestelle der S-Bahn-Linie 4, die aus Frankfurt kommt. Einige Vorhaben sind schon fertig: die Kronberg Academy mit dem Kammermusiksaal des Casals Forums, ein Hotel und ein Quartier mit Stadtvillen.
Gebaut wird gerade am Baufeld III: Ende Oktober vorigen Jahres war Spatenstich für einen Busbahnhof und eine Fahrradgarage. Beides errichtet die Stadt für insgesamt gut 13 Millionen Euro, wofür sie rund neun Millionen Euro Fördergeld vom Bund und vom Land Hessen erhält. Die 100 Stellplätze für Räder entstehen in einem Steilhang an der Bahnhofsstraße, der ohnehin hätte gesichert werden müssen. Derzeit verdeckt eine weiße Plane die Wand. Das Dach und das Umfassungsgebäude für die Garage sind schon gebaut, wie der parteilose Erste Stadtrat Heiko Wolf berichtet. Der erste Abschnitt der Stützwand-Sicherung soll dem Baudezernenten zufolge im Laufe der Woche betoniert werden. Am künftigen Busbahnhof liegen die Fundamente für das Dach.
Lokal, Bäckerei und Reisezentrum
Nach den städtischen Plänen soll nicht nur eine Bushaltestelle entstehen, sondern das, was Stadtplaner eine Mobilitätszentrale nennen. Dazu gehört, wie Bürgermeister Christoph König (SPD) sagt, dass Reisende einen Kaffee trinken, sich die Zeit vertreiben und für die Weiterfahrt vielleicht einen Schokoriegel mitnehmen können.
An dieser Stelle kommt ein weiterer Partner ins Spiel: Frederik Roth. Der Kronberger Investor wird das Bahnhofsgebäude von 1880 umbauen, sodass ein Lokal, eine Bäckerei, ein Kiosk und ein Reisezentrum der Deutschen Bahn zur Miete einziehen können. Der historische Bau liegt zwischen dem Gelände, auf dem die Stadt jetzt baut, und dem Bahnsteig der S-Bahn. Roths Grundstück ist nach städtischen Angaben exakt so groß wie das Gebäude selbst. Es ist sogar mit dem Bahnsteigdach verbunden, das der Deutschen Bahn gehört. Auch dieses Dach soll in den nächsten Jahren erneuert werden, was bis zum Jahr 2030 dauern könnte. Auf der anderen Seite plant die Stadt, die Arbeiten im Frühjahr 2028 zu beenden.
Roth sieht sich davon blockiert. Er habe das Gebäude 2020 für 400.000 Euro gekauft, „weil ich der Meinung war, dass ich etwas für meine Stadt tun wollte und sofortiger Handlungsbedarf bestand“. Es habe sich um eine Ruine gehandelt, die nicht mehr zu retten gewesen wäre, hätte er erst eine Baugenehmigung abgewartet. So habe er in Vorleistung gehen und etwa das Dach schon einmal instand setzen können. Aber er komme immer wieder in eine „Warteschlaufe“ bei der Stadt. Dabei geht es nach seinen Angaben vor allem um Stellplätze und einen Platz für Tische und Stühle im Freien. „Ich hätte erwartet und gewünscht, dass die Stadt mit dem Investor anständiger umgeht und ihn unterstützt.“
Für die Baugenehmigung des Bahnhofsgebäudes ist der Hochtaunuskreis zuständig. Aber die Unterlagen dafür müssen in der Kommune vorbereitet werden. Der Bürgermeister verweist angesichts der komplizierten Zusammenhänge darauf, dass die Gespräche mit den anderen Zuständigen auf dem Bahnhofsgelände, über die der Magistrat regelmäßig informiert werde, vertraulich seien. „Wir gehen davon aus, dass das für die anderen Gesprächspartner genauso ist.“

Vertraglich sind Roth nach Auskunft beider Seiten 13 Stellplätze garantiert. Der Investor berichtet, zunächst seien ihm diese an einem Lokschuppen zugesichert worden, nahe der künftigen Gaststätte. Der Ort liegt zugleich in der Nähe eines weiteren Baufelds, auf dem noch Wohnungen entstehen sollen. Dieses Vorhaben hat sich aber zuletzt verzögert.
Der Investor führt zu einem Steinbruch auf der anderen Seite, hinter der Baustelle an der Stützmauer, etwa 250 Meter von seinem Gebäude entfernt. Nach seinen Angaben will die Stadt ihm nun diesen Ort als Parkplatz zuweisen. „Für mich ist das ein absolutes No-Go.“ Kunden, die nur eine Kleinigkeit zum Mitnehmen kaufen wollten, würden in solcher Entfernung mit dem Auto möglicherweise nicht halten. Auch für die Außengastronomie habe er noch keine feste, dauerhafte Fläche. Hinzu kämen die ausstehende Baugenehmigung und die mangelnde Planungssicherheit. „Für Gespräche mit Pächtern sind das alles K.-o.-Kriterien. Die ziehen sich zurück.“
Bürgermeister König gibt sich, wie er es selbst formuliert, auch zum Thema der Freifläche „extrem schmallippig“. Aber er sagt auch: „Es ist Teil des Projekts, dass da eine Außengastronomie stattfindet.“ Es sei im Interesse der Stadt, „der Real KG alles zu geben, was in unseren Zuständigkeitsbereich fällt, damit die Real KG mit ihrem Projekt vorankommt“. Was Roth plane, sei hochwertig, das neu gedeckte Dach Handarbeit vom Feinsten. Alles werde vertragsgemäß erfüllt, es seien aber eben noch Gespräche nötig, um die offenen Fragen zu klären.
Dass sich das Wohnbauviertel, das jetzt offensichtlich die Stellplatzfrage beeinflusst, so deutlich verzögern würde, war vor gut einem Jahr nicht absehbar. Damals hingen die Siegerentwürfe eines städtischen Realisierungswettbewerbs für Architekten in der Stadthalle. Aber im September entschied die Stadtverordnetenversammlung, den Wettbewerb abzubrechen und einen Investor das Gelände entwickeln zu lassen. Jetzt läuft eine Konzeptvergabe, also ein normiertes Verfahren, das abermals Zeit braucht – und sich, das bestreitet auch die Stadtspitze nicht, auf andere Baufelder auswirkt. König setzt darauf, dass in einigen Jahren zumindest auf der Seite der Mobilitätszentrale samt Bahnhofsgebäude alles fertig sein wird, und dann auch „für Jahrzehnte“. Wolf hofft, dass die Leute am Ende zum Gesamturteil kommen: „Ist doch gut geworden.“
