
Schwarz ist nicht gleich Schwarz. Das gilt zumindest für die Autofarben im Premiumsegment. Hier sind die Karossen Obisidianschwarz oder Smaragdschwarz – für die Edelsteinliebhaber unter den Autokäufern. In der Preisklasse dürfte durchaus eine Schnittmenge existieren. Wem das zu wenig martialisch ist, der bestellt seinen schwarzen Wagen in Gunmetal Metallic. Feinschmecker und Freizeitbaristas mögen ein Gefährt in Espresso Metallic bevorzugen. Unvergessen ist die Farbe Cherryschwarz. Diese Farbe tauchte vor etwa 20 Jahren auf, heute steht sie auch als Rubinschwarz auf der Liste der Sonderlackierungen, und man kann darüber streiten oder fachsimpeln – je nach Temperament –, von welcher Seite die Limousine rötlich glänzt oder ob überhaupt. Ähnliches gilt vermutlich für Blau- und Jadeschwarz. Was aber kann man sich unter Tropenschwarz oder Frozen Black vorstellen? Und warum überhaupt all diese Feinheiten? Dazu schrieb ein Lackhersteller bereits vor zehn Jahren: „Die vieldeutige Beziehung zwischen der virtuellen und der physikalischen Welt wird sichtbar in der Farbpalette der Autolackierungen.“
Nur was ist, wenn all diese schwarzen Autos mit ihren feinen Nuancen nach einer Weile zwischen Straßenstaub aus Ruß und Reifenabrieb herumgefahren wurden? Die Farbe ihrer Lackierung zeichnet sich dann nur noch durch eines aus: die Abwesenheit von Licht. Konsequenterweise haben chinesische Forscher nun den passenden Lack dafür entwickelt (ja, auch in China sind Luxuslimousinen schwarz): Wie sie im Fachmagazin „Light & Matter“ berichten, haben sie zu dem üblichen Carbon-Black-Pigment, das eigentlich nur aus Ruß besteht, Kohlenstoffnanoröhren gemischt und es geschafft, die Mischung in einen sprühfähigen Lack einzubetten, der den Autos die Anmutung eines schwarzen Lochs verleiht. Denn der Lack absorbiert 99,9 Prozent des Lichts, das auf ihn fällt. Es sei ein Schwarz, schwärzer als alles bisher Dagewesene. Ungünstig mag dabei sein, dass das Fahrzeug bei schwachem Licht kaum zu sehen ist, von den Scheinwerfern mal abgesehen. Heute noch unangenehmer dürfte es werden, wenn man die Physik nicht ganz vergisst. Denn das absorbierte Licht ist ja nicht weg, sondern wird in den winzigen Kohlenstoffröhren vor allem in Wärme umgewandelt. Zur Hitzebeständigkeit ihrer Erfindung schreiben die Wissenschaftler nichts.
